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Vorstellung des Forschungsprojekts zur Schriftstellerin Felicitas Rose




Volker Nickel mit Cornelia Hecke und Dr. Alexandra Wenck (v.l.) vor einem Portrait von Felicitas Rose.

Foto: Paul Hicks


FASSBERG/MUEDEN. Der Förderkreis -NaturHeimat- Müden (Örtze) e.V. befasst sich derzeit mit einem Forschungsprojekt „Mein Tusculum in der Heide: Felicitas Rose in ihrem Heideort“ und hatte dazu zu einer öffentlichen Auftaktveranstaltung in der Historische Wassermühle nach Müden eingeladen.


Der Förderkreis hat im Jahr 2022 zusammen mit der Gemeinde Faßberg ein Konvolut von 42 Briefen und Postkarten Felicitas Roses und ihres Ehemannes sowie zahlreiche Erstausgaben ihrer Romane ankaufen können. Diese Briefe enthalten jedoch Hinweise, dass die beliebte Heidedichterin den Nationalsozialisten und ihrem „Führer“ durchaus positiv eingestellt war, so dass der Förderkreis sich entschlossen hat, externe Fachberatung für eine Editierung hinzuzuziehen. Für die wissenschaftliche Bearbeitung des Forschungsprojektes konnte der Förderkreis die Zeithistorikerin Dr. Alexandra Wenck gewinnen.


Der Abend wurde eingeleitet von einem Grußwort der Urenkelin Felicitas Roses, Frau Cornelia Hecke, die sich für das Engagement des Förderkreises bedankte. Sie betonte dabei, dass die Lebensgeschichte ihre Urgroßmutter tatsächlich nicht frei von Einflüssen des Nationalsozialismus gewesen sei und sie aus diesem Grunde froh sei, das Schaffen und Wirken der Schriftstellerin aufgearbeitet und in einen Kontext gestellt werde. „Ich bin sehr dankbar, dass Frau Dr. Wenck mit dem Projekt betraut wurde. Wir haben schon mehrfach zusammengesessen und im Nachlass meiner Urgroßmutter recherchiert. Dabei kam einiges zutage, das aus heutiger Sicht kein so unbeschwertes Licht auf meine Urgroßmutter wirft. Manches tut auch richtig weh! -und kratzt an der heilen Welt der Familiengeschichte. Aber genau deswegen finde ich dieses Forschungsprojekt auch so wichtig! Ich möchte alles wissen, auch das Unangenehme. Ich möchte, dass alles auf den Tisch kommt, damit ich mich, damit wir alle uns damit auseinandersetzen können. Ich möchte verstehen, warum so viele Menschen, auch aus meiner eigenen Familie, auch Felicitas Rose, sich haben mitreißen lassen von den nationalistischen Ideen und ich möchte die Mechanismen durchschauen lernen - um vielleicht heute widerstandsfähiger sein zu können“, betonte die Urenkelin und erntete anerkennenden Applaus für ihre Offenheit.


In dem anschließenden Vortrag skizzierte Frau Dr. Wenck zunächst den Lebenslauf der Schriftstellerin und erläuterte den Kontext der vorhandenen Briefe, aus denen sie dann gezielt an Textbeispielen die Entwicklung der kaisertreuen, deutschnationalen Schriftstellerin im Stile Ganghofers zu einer glühenden Verehrerin Hitler aufzeigte.

Das Briefkonvolut sei, so Dr. Wenck, eine Mischung aus persönlichen Berichten, Erläuterungen und Hinweisen zu ihrem literarischen Schaffen, aber auch zu Vorträgen, Ehrungen und den Huldigungen durch Protagonisten und Institutionen des „Dritten Reiches". „In großer Anzahl (gut ein Viertel) handelt es sich um Briefe zum Geburtstag Karl Weibgens, eines Berufskollegen des Ehemannes Felicitas Roses, am 4. April - entweder wurden sie zu diesem Tag geschrieben oder am Geburtstag selbst - daher treffen wir uns auch genau heute, am 4. April, um dieses Briefkonvolut, sozusagen diese Geburtstagsbriefe und ihre Ergänzungen, vorzustellen“, sagte die Historikerin und bedankte sich in diesem Zusammenhang bei Gerd Büthe, der die Schriften transkribiert, also aus der handschriftlichen Version in eine gut lesbare, gedruckte Schriftform

überführt hat. Insbesondere gehe es darum, mit historischer Sorgfalt diese Briefe Felicitas Roses zu kommentieren und zu kontextualisieren, hob die Historikerin hervor.


In einer vorläufigen Bewertung konstatierte Dr. Wenck, dass hinsichtlich der deutschen Schriftstellerinnen und Schriftsteller in der Zeit des „Dritten Reiches“ differenzieren müsste: „Diejenigen, die sich ins Exil oder eine Art innere Emigration begeben haben, diejenigen, die sich mit Leidenschaft dem neuen Regime angepasst haben oder aber diejenigen, die sozusagen mitgeschwommen sind. Zu den letzteren würde ich nach jetzigem Kenntnisstand Felicitas Rose zählen“.

Aber auch, wenn sich in Felicitas Roses Werk keine prägnanten Andeutungen auf das NS-Regime oder NS-Stereotypen zeige, so müsse doch festgestellt werden, dass ihre Bücher im Zuge einer Erstarkung der Heimatliteratur dem NS-Regime insofern entgegengearbeitet haben, in dem sie den literarischen Zeitgeist unterstützten. Trotzdem, so Wenck, sei Felicitas Rose für Müden eine wichtige Persönlichkeit und müsse in ihrem historischen Kontext gesehen werden.


Unterstützt wird dieses Forschungsprojekt zunächst durch die VGH Stiftung, die durch Dr. Arne Butt an diesem Abend vertreten war. Der Erste Vorsitzende des Förderkreises, Volker Nickel, dankte der VGH-Stiftung für die Förderung, ohne deren Hilfe eine solche tiefgreifende Forschung nicht möglich sei. Er verband seine Worte mit dem Hinweis, dass hoffentlich auch die anderen Fördermittelgeber dieses Projekt unterstützen mögen. Insbesondere für den Heideort Müden sei die geschichtliche Aufarbeitung sehr wichtig, denn die Schriftstellerin hatte nicht nur in Müden gelebt, sondern wurde auch auf dem, nunmehr, historischen „Alten Friedhof“ neben ihrem Ehemann beigesetzt. „Felicitas Rose feierte bereits seit ihrem ersten Roman „Kerlchen“ im Jahr 1900 und mit den nachfolgenden Romanen bis 1933, aber auch danach, große Erfolge. Sie gehörte zudem mit ihrer „Heimatdichtung“ zu den erfolgreichsten Autorinnen der damaligen Zeit mit einer Gesamtauflage von über einer Millionen Bände. Die Verfilmung ihres berühmtesten Romans „Heideschulmeister Uwe Karsten“ in Müden im August 1933, mit zahlreichen Müdener Bürgern jedweden Alters als Statisten, zusammen mit den damaligen UFA-Stars, wie Marianne Hoppe, Olga Tschechowa und Brigitte Horney, unter der Aufsicht von Felicitas Rose machte die Schriftstellerin zur Müdenerin schlechthin“, so Nickel abschließend, der betonte, dass geplant sein, neben einer Publikation eine dauerhafte Ausstellung mit einem entsprechenden Felicitas-Rose-Archiv anzulegen.


„Möglicherweise gibt es in vielen Privatbesitzen noch befindliche Unterlagen, wie Briefe, Bilder, Notizen usw., die dem Projekt zur Verfügung gestellt werden können. Ebenso werden Personen gesucht, die noch etwas zu dieser Zeit Felicitas Roses berichten oder beitragen können“, hob Nickel wie auch Frau Dr. Wenck in einem abschließend Aufruf heraus.

Interessierte können sich beim Förderkreis NaturHeimat-Müden (Örtze) e.V. unter Mail: vorstand@foerderkreis-muedenoertze.de oder Mobil: 0172-8888046 melden.


Text: Volker Nickel

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