„Uns trifft’s blöd“: Wie Celler Unternehmen mit Blindgänger-Evakuierung umgehen
- Stefan Kübler
- vor 7 Stunden
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CELLE. Als 1945 die Bomben des Zweiten Weltkriegs auf Celle fielen, existierte das Hotel Schapers in der Heese bereits. Das Gebäude, nur 100 Meter von den Schienen entfernt, wurde damals zwar nicht zerstört, umherfliegende Trümmer beschädigten es aber so sehr, dass es teilweise abgerissen werden musste, berichtet Inhaber Thomas Ekl. Fast 81 Jahre später beeinträchtigt eine dieser Bomben von damals das Hotel erneut. Wegen der Untersuchung eines möglichen Blindgängers an der Itagstraße am 29. März 2026 wird der Betrieb am kommenden Wochenende eingestellt und das Haus evakuiert.
Verlust von mehreren tausend Euro
„Das ist ein bisschen ärgerlich, aber das werden wir verkraften“, sagt Thomas Ekl gegenüber CelleHeute. Aufgrund der Evakuierung am Sonntagvormittag hätten viele Gäste gleich ihren gesamten Wochenendaufenthalt storniert. Sonntags früh rauszumüssen, sei für viele nicht attraktiv. Das Restaurant sei sonntags generell nicht geöffnet. Dennoch würde dem Hotel ein Verlust von mehreren tausend Euro entstehen. Thomas Ekl, der auch seine Wohnräume in dem Hotelgebäude hat, will den Tag, an dem er nicht arbeiten kann, auf sich zukommen lassen. „So kann ich das Haus mal verlassen“, sagt er.
Das Hotel Schapers in der Heese (links) und das Restaurant Fook in der Breiten Straße (Mitte) bleiben geschlossen. Auch auf der Celler Kartbahn wird niemand seine Runden drehen können. (Fotos: Stefan Kübler)
„Der umsatzstärkste Tag der ganzen Woche“
Gastronom Anh Duc Nguyen würde sein Restaurant Fook in der Breiten Straße auch gerne öffnen, kann den Betrieb aufgrund der Evakuierung aber ebenfalls nicht aufnehmen. „Wir lassen den Laden komplett zu. Sicherheit geht da einfach vor“, sagt er. „Der Sonntag ist bei uns normalerweise der umsatzstärkste Tag der ganzen Woche. Dass wir da nicht öffnen können, trifft uns also schon ziemlich hart.“
Motoren auf Celler Kartbahn bleiben aus
Wer am 29. März die Celler Kartbahn besuchen wollte, musste ebenfalls umplanen. „Wir haben alle Reservierungen abgesagt“, sagt Geschäftsführer Christian Sprunk. Darunter seien Geburtstage, Junggesellenabschiede und eine Handballmannschaft gewesen. Teilweise würden die Gäste aus 60 Kilometer Entfernung anreisen. „Uns trifft’s blöd“, so Christian Sprunk weiter. „Wir haben einen enormen Umsatzausfall an dem Tag.“ Für diesen einen Sonntag sei das ok, doch der Geschäftsführer fragt sich, was passiert, wenn noch mehr mögliche Blindgänger gefunden werden sollten.
Im Landgestüt Celle (links) darf ein Notbetrieb aufrechterhalten werden, auf die Abläufe in der Brauerei Betz hat die Evakuierung keine Auswirkungen. (Fotos: Stefan Kübler)
Landgestüt und Brauerei ohne Beeinträchtigungen
Das Team des Celler Landgestüts geht dagegen gelassen mit der Evakuierung um. Die Pferde dürften in den Ställen bleiben und für den Notbetrieb würden ein oder zwei Mitarbeitende einen offiziellen Begehungsschein bekommen, schildert die stellvertretende Dienststellenleiterin Isabell Bäßmann. Die Tiere müssen demnach gefüttert und die Stuten möglicherweise besamt werden, das würde aber ein Mitarbeiter schaffen. Auch bei der Brauerei Betz hat die Evakuierung am 29. März keine großen Auswirkungen. Tätigkeiten wie das „Spindeln“, mit dem die Stammwürze des Bieres gemessen wird, könnten umorganisiert werden, erläutert Geschäftsführerin Frauke Betz.
Unternehmen hoffen auf Entschädigung
Die Unternehmen, die durch die Evakuierung mit einem Umsatzverlust rechnen müssen, hoffen derweil auf Entschädigung, entweder durch die Stadt oder in Form von Versicherungsleistungen. Die Erfolgsaussichten darauf seien aber mehr als ungewiss, hieß es von allen Beteiligten.
























