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Stolpersteine gereinigt – Vier Gedenktafeln sollen im November an die jüdische Familie Lennhoff erinnern

Die sieben Stolpersteine der Familie Lennhoff in der Soltauer Marktstraße wurden am 84. Jahrestag der Deportation von Simon („Sally“) und Ida („Henny“) Lennhoff gereinigt und mit Blumenschmuck versehen. Foto: Rüdiger Katterwe
Die sieben Stolpersteine der Familie Lennhoff in der Soltauer Marktstraße wurden am 84. Jahrestag der Deportation von Simon („Sally“) und Ida („Henny“) Lennhoff gereinigt und mit Blumenschmuck versehen. Foto: Rüdiger Katterwe

SOLTAU. Sechs Menschen haben am Mittwoch die sieben Stolpersteine vor dem ehemaligen Soltauer Textilgeschäft der Familie Lennhoff in der Marktstraße 8 gereinigt. Unter anderem drei Mitglieder der Initiative „Soltau zeigt Geschichte“ gedachten gemeinsam mit weiteren Interessierten der Opfer des Nationalsozialismus. An den Stolpersteinen legten sie anschließend Blumenschmuck nieder. Anlass war der 84. Jahrestag der Deportation von Simon („Sally“) und Ida („Henny“) Lennhoff nach Theresienstadt am 23. Juli 1942.


Der Leidensweg der Familie begann jedoch nicht erst mit der Deportation. Bereits während des Soltauer Pogroms am 10. November 1938 wurden vier Familienmitglieder für kurze Zeit inhaftiert. Sally Lennhoff und sein Schwiegersohn Harry Feilmann wurden anschließend vorübergehend in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt.


Nach ihrem Umzug nach Bremen wohnten Sally und Henny Lennhoff im Ostertorsteinweg 77. Später mussten sie zunächst in ein sogenanntes „Judenhaus“ in der Humboldtstraße 10 und schließlich in ein anderes „Judenhaus“ in der Charlottenstraße 28 umziehen.


Am frühen Morgen des 23. Juli 1942 mussten sich die Deportierten bereits um 5 Uhr am ehemaligen Güterbahnhof Bremen-Varel einfinden. Mitnehmen durften sie nur das Allernotwendigste, darunter einen Essnapf sowie Löffel und Trinkbecher. Der Transport führte über Verden – den Geburtsort von Henny Lennhoff – nach Hannover-Fischerhof, wo zahlreiche weitere Waggons angehängt wurden. Rund 750 Menschen befanden sich schließlich in dem Zug. In Hannover regnete es an diesem Nachmittag in Strömen, als der inzwischen stark verlängerte Deportationszug gegen 17 Uhr seine Fahrt Richtung Theresienstadt fortsetzte. Die Deportierten mussten die Reise in alten Wagen der sogenannten Holzklasse antreten, deren Zustand von Zeitzeugen als schmutzig und heruntergekommen beschrieben wurde.


Zu den bewegendsten Berichten gehört die Schilderung der Überlebenden Margot Kleinberger über den nächtlichen Aufenthalt in Dresden. Während auf den Bahnsteigen heimkehrende Soldaten von Rotkreuzschwestern mit belegten Broten, Kuchen sowie warmen und kalten Getränken versorgt wurden, blieben die Türen der Deportationswagen verschlossen. Als der jüdische Transportleiter Wasser für alte und kranke Menschen erbitten wollte, wurde er von einem SS-Mann zurück in seinen Waggon getrieben – ohne Hilfe erhalten zu haben. Die Deportierten mussten die ganze Nacht in den verschlossenen Wagen ausharren, weil Militärtransporte Vorrang hatten.


Am folgenden Tag erreichte der Transport den Bahnhof Bauschowitz bei Theresienstadt. Von dort mussten die meisten die letzten rund zweieinhalb Kilometer zu Fuß bis in das Ghetto zurücklegen.

Im Zuge ihrer Recherchen stieß Renate Gerstel von der Initiative „Soltau zeigt Geschichte“ in den Arolsen Archives auf die originale Deportationsliste des Transportes vom 23. Juli 1942. Dort sind Sally Lennhoff unter der Nummer 113 und Henny Lennhoff unter der Nummer 114 verzeichnet. Bereits vor mehr als zwei Jahren gelang es Gerstel außerdem, den Kontakt zu den Nachfahren der Familie in den USA herzustellen, von denen im vergangenen Jahr mehrere an der Verlegung der Stolpersteine teilnahmen.


Für die 45. Kalenderwoche ist in Soltau die Aufstellung von vier Gedenktafeln geplant. Sie werden an das Schicksal der jüdischen Familie Lennhoff erinnern – der Großeltern Sally und Henny, ihrer Töchter Paula und Selma, des Schwiegersohns Harry, der Enkelin Ursula sowie von Hennys Schwester Emma. „Die Nachfahren der Familie Lennhoff verfolgen mit großer Anteilnahme, wie Soltau heute an ihre Angehörigen erinnert. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich ihre Anregungen auf den neuen Gedenktafeln – soweit dies möglich ist – wiederfinden. Das wäre für die Familie ein schönes Zeichen der Wertschätzung und würde zeigen, dass Erinnerungskultur auch vom Dialog mit den Angehörigen lebt“, sagt Renate Gerstel von der Initiative „Soltau zeigt Geschichte“.


Die Familie wurde durch die nationalsozialistische Verfolgung auseinandergerissen: Sally Lennhoff starb am 27. November 1943 in Theresienstadt. Hennys Schwester wurde nach Minsk deportiert und dort ermordet. Henny Lennhoff überlebte die Haft. Nach der Befreiung des Ghettos durch die Rote Armee kehrte sie zunächst nach Soltau zurück, bevor sie zu ihren Töchtern und ihrer Enkelin in die USA emigrierte. Harry Feilmann gelang ebenfalls die Flucht in die USA; er starb dort jedoch bereits im Juni 1946 im Alter von nur 55 Jahren.


Die sieben Stolpersteine in der Marktstraße stehen für sieben Mitglieder einer Soltauer Familie. Mit den geplanten Gedenktafeln soll ihre gemeinsame Geschichte künftig noch sichtbarer erzählt werden.


Text: Soltau zeigt Geschichte

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