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Rundgang: Täter, Verfolgte, Befreier. Der Kampf um die Erinnerung an das KZ Bergen-Belsen


Foto: Gedenkstätte Bergen-Belsen

BELSEN. Susanna Lukacs ist elf Jahre alt, als sie mit ihren Eltern Anfang Dezember 1944 von einem Arbeitslager in Österreich in das KZ Bergen-Belsen gelangt. Hier führt ihr Vater heimlich ein Tagebuch mit knappen Notizen zur Lebensmittelversorgung und seinem Gesundheitszustand, der sich schließlich so weit verschlechtert, dass er sein Tagebuch nicht mehr weiterführen kann. Ab dem 15. April 1945, dem Tag der Befreiung, führt seine Tochter das Tagebuch im gleichen Stil wie ihr Vater weiter. Zwei Tage später stirbt ihr Vater. Susanna Lukacs notiert dazu im Tagebuch: „Mein Vater ist gestorben. Brot, Bohnensuppe, Milch, Milchkonserve.“

Die Hinterlassenschaft ihres Vaters – das Tagebuch, seine Brille und seine Personaldokumente – bewahrt sie nun in einer Papiertüte auf. Wie die anderen Überlebenden wird sie einige Tage später in das Nothospital in der angrenzenden ehemaligen Wehrmachtskaserne gebracht. Hier werden die Überlebenden nackt gewaschen, desinfiziert und in eine Decke eingewickelt. Ihre bisherige Kleidung und ihre anderen Habseligkeiten werden aus Gründen der Seuchenprophylaxe verbrannt. Susanna Lukacs klammert sich schreiend und verzweifelt an die Papiertüte mit den Objekten ihres Vaters und weigert sich so lange sie loszulassen, bis die Hilfskräfte ein Einsehen haben und sie die Tüte samt Inhalt behalten darf. Das Original des Tagebuchs von Josef Lukacs befindet sich heute in der Sammlung der Gedenkstätte Bergen-Belsen.

In keinem anderen der nationalsozialistischen KZ-Hauptlager wurden die Lagerakten einschließlich der Häftlingspersonalkartei und der Transportlisten noch kurz vor der Befreiung in solchem Ausmaß durch die SS vernichtet wie im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Damit sollten die Beweise für ihre Taten aus der Welt geschafft und die Erinnerung an die Massenverbrechen und ihre Opfer erschwert, wenn nicht unmöglich gemacht werden. Was bedeutet dies für die Arbeit der Gedenkstätte Bergen-Belsen, für die historische Forschung und die Darstellbarkeit der Lagergeschichte in einer Dauerausstellung? Welche anderen Bild- und Textquellen, Filme und Artefakte ermöglichen es dennoch, die Geschichte des KZ Bergen-Belsen zu rekonstruieren und auch visuell darzustellen? Welche Bedeutung kommt dabei den Fotos und Filmaufnahmen der britischen Befreier zu, insbesondere aber auch den unter großen Gefahren von Häftlingen in der Lagerzeit heimlich angefertigten Bilder und Texten? Was wissen wir heute über deren oft abenteuerliche Überlieferungsgeschichte?

Diesen Fragen geht der ehemalige stellvertretende Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen, Dr. Thomas Rahe, in einer thematischen Führung zu den in der Dauerausstellung gezeigten Originalobjekten und Dokumenten sowie Zeichnungen, Fotos und Filmaufnahmen nach.

Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Treffpunkt ist am am Sonntag, den 12. November um 14.30 Uhr am Informationstresen im Dokumentationszentrum der Gedenkstätte.

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