„One-Man-Show“: Wildparkchef Wamser tritt parteilos zur Celler Landratswahl an
- Stefan Kübler
- vor 59 Minuten
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MÜDEN/ÖRTZE. Neugierig schauen die Alpakas über den Zaun. Nebenan meckern die Ziegen und der Hahn schmettert sein Kikeriki in den frühen Nachmittag. Es gibt schlechtere Arbeitsplätze als den von Thomas Wamser, unter anderem Geschäftsführer des Wildparks Müden. „Mein Werdegang ist sehr tiergeprägt und sehr firmengründungsgeprägt“, sagt er. Im Gespräch mit CelleHeute erzählt der Müdener, warum er bei der Kommunalwahl am 13. September 2026 für das Amt des Landrats kandidiert und was der jahrelange Streit mit dem Landkreis Celle damit zu tun hat.
Falknerschein mit 17 selbst bezahlt
Mit Tieren, aber auch mit Politik, hatte Thomas Wamser schon früh zu tun. Sein Vater war viele Jahre im Ortsrat einer Gemeinde in der Eifel aktiv und hat zu Hause viel darüber gesprochen, sagt er. Thomas Wamser selbst war schon früh von Greifvögeln fasziniert, machte mit 17 Jahren einen Falkner- und Jagdschein, den er auch selbst bezahlte – ohne seinen Eltern davon zu erzählen. Die Falknerei führte ihn schließlich nach Müden/Örtze, wo er 2012 die Leitung des Wildparks übernahm. In den vergangenen Monaten machte er mit seinem Park vor allem durch den Streit mit dem Landkreis Celle um eine Zoogenehmigung auf sich aufmerksam, die in diesem Jahr schließlich erteilt wurde – nach 13 Jahren Behördenmarathon.
Wamsers Kandidatur ist keine Trotzreaktion
Ein bisschen haben die Querelen mit dem Landkreis auch dazu geführt, dass sich Thomas Wamser nun für das Amt des Landrats bewirbt. Aus Groll sei die Entscheidung aber nicht gefallen und auch als Trotzreaktion soll sie nicht verstanden werden. „Es gab diesen Moment“, gibt er zu, „aber dafür ist es jetzt zu aufwendig geworden. Ich habe schon eine konkrete Vorstellung davon, was man mit diesem Amt anfangen muss und was man angehen sollte.“ Er würde ähnlich strategisch an die Sache herangehen, wie er das tagtäglich in seinem Beruf mache.

Anreize für Ärzte schaffen, nicht nur Geld
Wichtig sind für Thomas Wamser beispielsweise die Finanzierung des Gesundheitswesens und attraktive Anreize für Ärztinnen und Ärzte. Mit der Gießkanne Prämien zu verteilen, um medizinische Fachleute anzulocken, hält er für den falschen Weg. Wichtiger sei es, zu prüfen, was der Arzt generell braucht, beispielsweise ein passendes Umfeld für die Familie, gute Schulen für die Kinder oder den Zugang zur Wissenschaft sowie bestimmte Werkzeuge bei der Arbeit. „Ich würde das globaler sehen und nicht einfach sagen: Wir haben kein Geld, aber wir müssen finanzielle Anreize schaffen.“
„Jeder soll entscheiden, wie er mobil ist.“
Ein weiteres wichtiges Thema für Thomas Wamser ist Mobilität. „Jeder soll entscheiden, wie er mobil ist“, findet er. Radfahrende bräuchten gut Radwege, der ÖPNV muss funktionieren, aber auch finanzierbar bleiben und wer das Auto bevorzugt, soll mit dem Auto fahren. Andere Formen wie Bürgerbus und Carsharing sollten ebenfalls mehr gefördert werden. Den Heide Shuttle findet der Landratskandidat gut, doch dieser sollte auch den Einheimischen „schmackhaft“ gemacht werden, um ihn leichter zu finanzieren. „Und vielleicht ist auch ein E-Roller gar nicht so schlimm, wenn man weiß, wo man ihn parken kann und er nicht im Wasser landet.“
Bedürfnisse von Lehrkräften berücksichtigen
Auch beim Thema Bildung sieht Thomas Wamser Handlungsbedarf. „An den Berufsschulen freuen sich die Lehrer, wenn sie 75 Prozent des Unterrichts geschafft haben“, sagt er. „Wie kann man sich darüber freuen? Da fehlen 25 Prozent.“ Das Ganztagsangebot an Grundschulen findet er grundsätzlich gut, doch Schulen sollten sich dafür keine Lehrkräfte von woanders leihen müssen. „Dann ist da ja auch wieder ein Loch.“ Und auch hier sollte man mehr auf die Fachkräfte schauen, findet er. „Was machen denn die Lehrer mit ihren Kindern?“ Generell fehle es an Kinderbetreuung, wenn erwartet werde, dass beide Elternteile arbeiten.
„Wenn wir jeden mit Migrationshintergrund ausweisen, dann sieht Deutschland ganz schlecht aus.“
Thomas Wamser tritt bewusst als Einzelkandidat zur Landratswahl an. „Ich möchte parteilos antreten, weil ich der Meinung bin, es muss in dieser Position den Vermittler geben, der sich nicht am Parteibuch festhält“, sagt er. Sein Vater sei 25 Jahre lang Kommunalpolitiker gewesen und habe erzählt, dass sinnvolle Projekte wie neue Schulen oder Wohngebiete nur wegen Parteipolitik nicht zustande gekommen seien. „Ich habe oft das Gefühl, dass es die Lösung beeinflusst, weil man nicht derselben Meinung sein darf.“ Gemeinsame Sache mit der AfD würde er jedoch nicht machen. „Deren Ansichten kritisiere ich klar“, betont er. „Wenn wir jeden mit Migrationshintergrund ausweisen, dann sieht Deutschland ganz schlecht aus.“

Wehrplicht als Reifezeugnis
Im Gegensatz zu vielen anderen Kandidierenden verzichtet Thomas Wamser komplett auf Wahlplakate. „Ich glaube, dass das Internet viel bewegen kann“, begründet er diese Entscheidung. „Und ich muss überlegen, wo ich meine Energie reinstecke. Ich bin eine One-Man-Show.“ Der Wildpark-Chef spricht vor allem bei Instagram über alles, was ihn bewegt. Zum Wehrdienst beispielsweise hat er eine klare Meinung. „Die Wehrpflicht ist ein Reifezeugnis, was unserer heutigen Jugend vorenthalten wird“, findet er. Es gehe ihm nicht darum, Menschen in den Krieg zu schicken. Für die Nachwuchsgewinnung sei der Dienst aber sinnvoll. In Zukunft würden Kriege ohnehin nur noch mit Drohnen und Robotern geführt, ist er sich sicher.
„Es gibt ein gewisses Restrisiko, dass ich es werde. Und das ist auch meine Zielsetzung.“
Beim Umgang mit Problemen hat der Landratskandidat ein eigenes Rezept. „Mein Trick ist, dass ich ein Stück zurücktrete und die Sache in der ganzen Weite betrachte“, sagt Thomas Wamser. „Und dann merkt man, dass die Ursache des Problems und oftmals auch die Lösung woanders liegt.“ Er sei lösungsorientiert und habe einen unheimlichen Gerechtigkeitssinn. „Wenn Menschen unfair behandelt werden, ist das für mich schwierig.“ Auf seine Kandidatur blickt er optimistisch. „Warum soll denn ein Wildparkchef nicht Landrat werden?“, fragt er. „Es gibt ein gewisses Restrisiko, dass ich es werde. Und das ist auch meine Zielsetzung.“
Zur Person Thomas Wamser
Thomas Wamser wurde 1980 in der Eifel geboren und ist in Hellenthal in Nordrhein-Westfalen aufgewachsen. Mit 17 Jahren machte er seinen Falkner- und Jagdschein. Nach dem Abitur ging er zur Bundeswehr und ließ sich anschließend zum Tierpfleger ausbilden. Mit 21 gründete er sein erstes Unternehmen, einen Onlineshop für Geschenkartikel. Seit 2006 ist er als Eventfalkner tätig und lernte in dieser Zeit den Landkreis Celle kennen. 2012 übernahm er die Geschäftsführung des Wildparks Müden mit 250 Tieren und zog 2018 endgültig nach Müden/Örtze. Insgesamt leitet er heute sechs Unternehmen mit 45 Mitarbeitenden. Seine Freizeit verbringt er hauptsächlich mit der Familie. Aktuelles Projekt: Ein Baumhaus bauen.














