Muskelkater im Sitzen: Nationalspieler geben am Hölty Einblicke in Rollstuhlsport
- Stefan Kübler
- vor 2 Stunden
- 2 Min. Lesezeit

HAMBÜHREN. Wie bewegt man sich in einem Rollstuhl? Wie wirft man aus dem Sitzen auf einen Basketballkorb? Und wie spricht man Menschen mit Behinderung im Alltag richtig an, wenn man Hilfe anbieten möchte? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt des Projekttages „Von Behindertensportler*innen lernen!“, der kürzlich im elften Jahrgang des Hölty-Gymnasiums durchgeführt wurde. Zu Gast waren hochkarätige Rollstuhlbasketball-Nationalspieler, die den Schülerinnen und Schülern wertvolle Einblicke in ihren Alltag gaben. In einem Workshop durften sie diesen komplexen Sport auch gleich ausprobieren.
Projekttag „Von Behindertensportler*innen lernen!“ am Hölty-Gymnasium
Der Projekttag „Von Behindertensportler*innen lernen!“ am Hölty-Gymnasium war in zwei Teile unterteilt. In der Mensa führte NDR-Moderator Andreas Kuhnt durch eine lebendige Podiumsveranstaltung, die verdeutlichte, dass es an diesem Vormittag nicht nur um Sport, sondern auch um Perspektivwechsel ging. Der Journalist erzählte, wie ihn das Thema Menschen mit Behinderung schon früh begleitet habe. Sein Vater sei kriegsversehrt gewesen und habe lange Zeit mit Prothesen gelebt. Fragen von Teilhabe, Alltag, Normalität und Respekt seien nicht abstrakt, sondern oft unmittelbar mit Lebensgeschichten verbunden.
Sport so gestalten, dass möglichst viele mitmachen können
Im Mittelpunkt des Gesprächs stand Jan Sadler, Rollstuhlbasketballer bei Hannover United, Mitglied der deutschen Nationalmannschaft und Bronzemedaillengewinner der Paralympischen Spiele 2024 in Paris. Er sprach offen und mit viel Ruhe über seinen sportlichen Werdegang, seine Schulzeit, seinen Alltag und seine Erfahrungen als Leistungssportler. Der Nationalspieler machte deutlich, dass Rollstuhlbasketball ein ausgesprochen inklusiver Sport ist. Durch ein Punktesystem könnten Spielerinnen und Spieler mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen gemeinsam antreten, auch Menschen ohne Behinderung dürften in Deutschland mitspielen. Die einfache Botschaft: Entscheidend ist nicht, was jemand vermeintlich nicht kann, sondern wie ein Sport so gestaltet wird, dass möglichst viele mitmachen können.
Der Projekttag war in eine Podiumsveranstaltung und einen Praxis-Workshop unterteilt. (Fotos: Hölty-Gymnasium)
Menschen mit Behinderung richtig Hilfe anbieten
Aus dem Jahrgang wurde gefragt, was man falsch machen könne, wenn man einen Menschen mit Behinderung ansprechen oder Hilfe anbieten möchte. Fragen sei grundsätzlich gut, wichtig sei aber, die Antwort zu akzeptieren, sagte Jan Sadler. Hilfe anzubieten sei freundlich, ungefragt einzugreifen oder automatisch davon auszugehen, dass jemand etwas nicht allein bewältigen könne, sei dagegen problematisch und übergriffig.
Rollstuhlbasketball selbst ausprobieren
In der Sporthalle durften sich die Schülerinnen und Schüler dann selbst im Rollstuhlbasketball versuchen. Angeleitet wurden sie von Phillip Schorp, Bundesligaspieler und ehemaliger Spieler der deutschen Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft. Er zeigte ihnen den Sportrollstuhl und das richtige Vorwärtsfahren, Rückwärtsfahren, Bremsen, Drehen, Lenken, Dribbeln, Passen und schließlich Werfen. Schnell wurde klar: Sieht von außen leicht aus, ist aber anspruchsvoll und anstrengend. Spätestens das abschließende Rollstuhlbasketballspiel zeigte, wie viel Kraft, Technik und Übersicht dieser Sport verlangt. Der Muskelkater am nächsten Tag konnte diese wertvollen Erfahrungen aber nicht trüben.
Das Projekt „Von Behindertensportler*innen lernen!“ wird vom Behinderten-Sportverband Niedersachsen sowie weiteren Sponsoren ermöglicht. Bei ausreichend finanziellen Mitteln soll der Tag im kommenden Jahr wiederholt werden, hieß es vom Hölty-Gymnasium.


















