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Mit Legowelt und Straßenbahn: Jörg Nigge möchte Celles Oberbürgermeister bleiben

Celles Oberbürgermeister Jörg Nigge auf einem Fußweg an der Magnusstraße.
Jörg Nigge möchte am 13. September als Celler Oberbürgermeister wiedergewählt werden. (Foto: Stefan Kübler)

CELLE. Zu Terminen in der Innenstadt geht Jörg Nigge gerne mal zu Fuß. Vom Neuen Rathaus aus sei es ja nicht weit, sagt er. Auch das Treffen mit CelleHeute verbindet der Celler Oberbürgermeister mit einem Spaziergang. Wenn es nach ihm geht, sollen sich die Menschen in Celle auch bald wieder auf andere Weise durch die Stadt bewegen können, nämlich mit der Straßenbahn. Kurz vor der Kommunalwahl wird über dieses Thema in der Stadt heiß diskutiert. Jörg Nigge hat uns erzählt, was dahintersteckt, was er in den kommenden Jahren noch vorhat und warum er überhaupt noch einmal zur Wahl antritt.


Straßenbahn in Celle: Betonung liegt auf „Prüfung“


Jörg Nigge möchte am 13. September als Celler Oberbürgermeister wiedergewählt werden. Seit fast zehn Jahren ist er im Amt und hat noch viele Ideen, wie man an den Überlegungen zur Reaktivierung der Straßenbahn merkt. Mehr als eine Prüfung der Möglichkeiten stecke bislang aber nicht dahinter, betont er. „Wenn ich schon den ÖPNV selbst mache, prüfe ich natürlich die Möglichkeit einer Straßenbahn“, so Jörg Nigge. Vorstellen könne er sich zwei Aspekte: Eine historisch und touristisch geprägte Linie zwischen Bahnhof und Markt sowie weitere richtige Nahverkehrslinien in die Stadtteile, beispielsweise Westercelle und Groß Hehlen. Die Machbarkeit sollen Verkehrsexperten prüfen.  


„Ich brauche keine Gelenkbusse, die durch die Innenstadt fahren.“

An dem Plan, den Busverkehr im Celler Stadtgebiet in ein paar Jahren selbst in die Hand zu nehmen, hält Jörg Nigge fest. Der Antrag auf Übernahme beim Landkreis sei gestellt und die Kündigung damit durch. „Ich glaube, wir brauchen viel mehr Kleinbusse im Stadtgebiet“, sagt er. „Ich brauche keine Gelenkbusse, die durch die Innenstadt fahren.“ Eine Zusammenarbeit mit dem Landkreis werde es in Zukunft trotzdem geben. „Ich will den Landkreisbürger auch weiterhin hier in der Stadt zum Shoppen haben.“


Innenstadt, Freizeitsport und Feuerwehr sind wichtige Themen


Bei der Frage nach weiteren wichtigen Themen für Celle hat Jörg Nigge sofort eine lange Liste parat. Das Kernthema Innenstadt mit der Umwandlung des alten Karstadt-Areals steht bei ihm ganz oben. Dazu kommen weitere Projekte für Kinder und Jugendliche wie die Gestaltung der modernsten Grundschullandschaft Deutschlands. Im Bereich Freizeitsport ist ein weiterer Kunstrasenplatz geplant und auch ein neuer Skatepark und ein Kletterfelsen sollen kommen. „Das sind Sachen, die fehlen hier, finde ich.“ Dazu möchte er die hervorragende Ausstattung der Feuerwehr weiter ausbauen und beispielsweise die Gerätehäuser in Altencelle, Altenhagen und Heese/Neustadt erneuern. „Ehrenamt zählt“, findet Jörg Nigge. „Und wer sich ehrenamtlich für uns zur Verfügung stellt, dem müssen wir auch die besten Rahmenbedingungen zur Verfügung stellen.“


Steckbrief Oberbürgermeister Jörg Nigge

Basketballfeld mit wasserdurchlässigem Belag


Klimafreundliche Maßnahmen würden bei allen Projekten mitgedacht, betont der Oberbürgermeister und nennt tausende neue Bäume sowie Trinkwasserbrunnen und die Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips als Beispiele. „Wir versiegeln natürlich auch, muss man aber auch, wenn man sich als Stadt entwickeln möchte.“ Beim neuen Basketballfeld an den Dammaschwiesen sei jedoch bewusst ein wasserdurchlässiger Belag gewählt worden. „Wir nutzen die neuesten Materialien.“


Bausteinwelt soll Celles Leuchtturm-Attraktion werden


Das neue Lieblingsprojekt von Jörg Nigge ist für die Öffentlichkeit kürzlich recht überraschend um die Ecke gekommen: In der Rathsmühle soll Europas größte Lego-Welt entstehen. Seit fast zwei Jahren werde bereits an der Idee gearbeitet und der Vertrag mit einer Betreiberfirma stehe kurz vor der Vollendung. Geplant sei eine riesige Erlebniswelt mit Klemmbausteinen mehrerer Hersteller. Dazu werde das gesamte Gebäude benötigt, die Einrichtung von Wohnungen oder Arztpraxen sei somit vom Tisch. Starten soll das Projekt Anfang 2027 mit einem Ladengeschäft in der Celler Innenstadt. Dort sollen die Betreiber mit dem Bauen erster Modelle beginnen und dabei auch Schulklassen mit einbinden. „Das wird der Leuchtturm schlechthin“, ist sich der Oberbürgermeister sicher.


„Es hat mir total Spaß gemacht, zu sehen, was man hier in zehn Jahren alles verändern konnte.“

Die Entscheidung, erneut zur Wahl des Oberbürgermeisters anzutreten, habe er sich nicht leicht gemacht, sagt Jörg Nigge. Die vergangenen zehn Jahre im Amt seien teilweise anstrengend gewesen und bezogen auf die wenige Zeit, die für Familie und Hobbys bleibe, bringe es auch viele Nachteile mit sich. „Auf der anderen Seite bin ich aber jemand, der gerne anpackt“, sagt er. „Und es hat mir total Spaß gemacht, zu sehen, was man hier in zehn Jahren alles verändern konnte.“ Auch er selbst habe sich verändert, erzählt er. Er gehe differenzierter und teilweise distanzierter auf Menschen zu. Das lasse ihn öfter arrogant erscheinen, obwohl er sich eher als zugänglich sehe. „Ich glaube, ein bisschen härter wird man dadurch. Was schade ist, weil ich ein sehr offener Mensch bin und auch so erzogen wurde.“


Porträt von Jörg Nigge draußen vor unscharfem Hintergrund.
Obwohl er für die CDU antritt, macht Jörg Nigge Wahlkampf ohne Parteilogo. (Foto: CDU Stadt Celle)

Sachlicher Wahlkampf gewünscht


Öffentlich geäußerte Kritik an seinem Führungsstil und den Vorwurf, im Neuen Rathaus würde ein „Klima der Angst“ vorherrschen, hält er für aus der Luft gegriffen. „Ich finde es unverschämt, solche Aussagen zu tätigen“, sagt Jörg Nigge. Er wünscht sich einen sachlichen Wahlkampf und präsentiert aktuelle Zahlen zur Fluktuationsquote in der Stadtverwaltung. Diese würde aktuell bei sechs bis neun Prozent liegen und damit unterhalb des Durchschnitts von acht bis zwölf Prozent. Dass bei 1200 Mitarbeitenden nicht alle zufrieden sind, sei ganz normal und woanders genauso.


„Als Oberbürgermeister ist man parteipolitisch neutral.“

In Sachen Führung und Kommunikation habe er einiges aus seiner Generalstabsausbildung bei der Bundeswehr mitgenommen. „Ich bearbeite nicht einzelne Politikfelder, sondern habe eine Gesamtstrategie für alle Themen“, sagt Jörg Nigge. Dies sei auch ein Grund dafür, warum er trotz CDU-Zugehörigkeit auf seinen Wahlplakaten nicht mit dem Parteilogo wirbt. „Als Oberbürgermeister ist man parteipolitisch neutral“, findet er. Natürlich wünsche er sich eine starke CDU, aber bei der OB-Wahl gehe es um eine Personenwahl.


Ziel vor Augen, aber keine Zeit für Sport


In seiner Freizeit wünscht sich Jörg Nigge mehr Zeit für Sport. Früher sei er Leichtathlet gewesen und habe Tennis gespielt, heute würde er gerne mehr Fitness machen oder Padel ausprobieren. Das Beachvolleyballturnier auf der Stechbahn im Juni habe ihm großen Spaß gemacht und obwohl ihm Joggen nicht gefalle, könnte er sich vorstellen, auch irgendwann mal beim Celler Wasa-Lauf mitzulaufen. Welche Person bei der Oberbürgermeisterwahl als erstes durchs Ziel geht und in den kommenden Jahren die Geschicke der Stadt Celle lenkt, entscheidet sich am 13. September.



Zur Person Jörg Nigge


Jörg Nigge wurde 1974 in Minden geboren. Nach wenigen Monaten zog die Familie nach Celle und er wuchs in Klein Hehlen auf. Nach dem Abitur 1993 am Hermann-Billung-Gymnasium ging er als Offiziersanwärter zur Bundeswehr und wurde Hubschrauberpilot. Er studierte Wirtschafts- und Organisationswissenschaften an der Bundeswehr-Uni in München und machte 2003 seinen Doktor. 2008 bekam er eine Auszeichnung als Jahrgangsbester der Generalstabsausbildung. 2011 wechselte er in die Senatsverwaltung nach Hamburg. 2016 wurde er zum Oberbürgermeister von Celle gewählt und lebt seitdem wieder hier. In seiner Freizeit spielt er ab und zu Saxofon und wünscht sich mehr Zeit für Sport. Mit seiner Familie und Hündin Buffy wohnt er im Hehlentor.

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