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„Landkreis Celle - Eine der dichtesten Wolfspopulationen der Welt“


MV Jägerschaft Celle 2022 Stadthaus Bergen
Fotos: Anne Friesenborg

BERGEN. Er war zwar nicht das zentrale Thema der jüngsten Mitgliederversammlung der Jägerschaft des Landkreises Celle im Stadthaus Bergen, aber die vorgetragenen Statements der drei Hauptredner zum Wolf erwiesen sich als sehr klar und deutlich.


Landrat Axel Flader gab zunächst wie Kreisjägermeister Helge John und der Vorsitzende Hans-Heinrich Matthies nach ihm seiner Freude darüber Ausdruck, dass man die gut besuchte Zusammenkunft mit Hegeschau wieder in einem „ansprechenden, jagdlichen Rahmen“ abhalten könne und fand in seiner Begrüßungsrede zum Wolf folgende Worte: „Es gibt auch in der Jägerschaft diverse, unterschiedliche Standpunkte. Die Aufnahme ins Jagdrecht löst nicht alles. Es wird kein Automatismus ausgelöst, jetzt darf geschossen werden.“ Der Beutegreifer unterstehe ggf. sowohl dem Jagdrecht als auch dem Naturschutzgesetz, dieses sei Außenstehenden oft nicht bewusst.


Flader, der im Jahr 2019 selbst die Jägerprüfung abgelegt hat, würdigte die Waidmänner und -frauen: „Die Jägerschaft zeichnet sich durch ein hohes Maß an Bereitschaft, sich zu engagieren aus“, und übergab an Kreisjägermeister John, der den Streckenbericht, also die Zahlen des erlegten Wildes im abgelaufenen Jagdjahr, verknüpfte mit der Aussage: „Wir wissen es alle, wir jagen nicht mehr alleine.“ Die Tendenz des Streckenberichtes weist eine Rückläufigkeit bei Rot- und Schwarzwild aus. Dieses ist nicht ausschließlich der Anwesenheit von Isegrim geschuldet, ein Zusammenhang ist jedoch erkennbar.


„Mit der zunehmenden Zahl der Wölfe nimmt natürlich deren Einfluss auf die Wildtierpopulation deutlich zu, und momentan scheint dieses Land nicht in der Lage zu sein, auf sich ändernde Gegebenheiten mit einer notwendigen Anpassung der rechtlichen Grundlagen reagieren zu können. Die geplante Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht hat konkret überhaupt keine Auswirkungen, und ich befürchte, dass dies im Vorgriff auf kommende Landtagswahlen, dem Wähler die Handlungsfähigkeit von Parteien vorgaukeln soll, ohne dass sich durch diese Aufnahme wirklich die Situation bzw. die Handlungsspielräume ändern“, führte der Kreisjägermeister aus und schloss sein Statement mit dem Resümee: „Bei diesem Thema können wir momentan nur durch Meldungen mitwirken, wir können aber nichts ändern.“


Einen Schwerpunkt legte John in seiner Rede auf ein moralisches und anständiges Jagdverhalten, wobei er durchaus kritische Worte an die Mitglieder richtete: „Wir haben bei einigen Arten deutliche Änderungen hinsichtlich der Streckenhöhe, und wir stehen in der Pflicht, unser Verhalten, unsere Jagd an sich ändernde Gegebenheiten anzupassen. Da, wo notwendig, sollten wir intensiv jagen, aber mit Anstand und jagdlicher Moral.“ Es gebe eine Tendenz, dass die Klasse der reifen Hirsche wegbreche, weil die jungen Tiere zu früh erlegt würden. „Lassen Sie die gut veranlagten jungen und mittelalten Hirsche laufen. Ich weiß, dass das manchmal schwerfällt, aber die alten Hirsche sind wichtig für die Population“, mahnte der Kreisjägermeister, der erst wenige Monate im Amt ist. Darüber hinaus forderte er wie zuvor bereits der Landrat ein „kluges Rotwildmanagement“. Der Druck müsse von dieser Wildart genommen werden. Die Zeiten unerschöpflicher Wildbestände seien vorbei.


Alle übrigen für Waidmänner und -frauen wichtigen Belange von Wildwarnreflektoren, der Beschaffung von Drohnen zur Jungwildrettung über die Änderung des Niedersächsischen Jagdgesetzes bis zu einem Zustandsbericht Schießpark Celler Land übernahm der Vorsitzende Hans-Heinrich Matthies. Ohne den Wolf kam auch seine Rede nicht aus: „Der Landkreis Celle hat unverändert eines der weltweit dichtesten Wolfspopulationen – obwohl oder gerade weil keine unberührte Natur, sondern eine dicht besiedelte Kulturlandschaft vorherrscht. Ohne ein vielfach gefordertes und längst überfälliges Wolfsbestandsmanagement werden die Herausforderungen, die dieses mit sich bringt, nicht geringer. Und die Belastung für Nutztierhalter, insbesondere jene, die extensive Weidetierhaltung betreiben, bleibt hoch.“





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