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Lüftungskonzept für Schulen erhitzt Gemüter


Lüftungskonzepte Schulen Burghalle zentral dezentral
Die Burghalle ist mit einer zentralen Lüftungsanlage ausgestattet Fotos: Peter Müller

CELLE. In die Luft gehen wie ein HB-Männchen – dieser einstige Werbeslogan der gleichnamigen Zigarettenmarke beschreibt die Befindlichkeit der Kreistagsverwaltung und -politiker beim Thema Lüftungskonzepte für Schulen am treffendsten und im doppelten Sinn. „Der Landkreis geht immer vom worst case aus“, echauffierte sich Mathias Pauls (SPD) in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Klimaschutz und Gebäudewirtschaft in Reaktion auf eine Präsentation der Verwaltung mit dem Titel „Technisches Lüftungskonzept des Landkreises“, zu der sie vom Kreistag in seiner Zusammenkunft am 10.3. aufgefordert worden war: Für alle Gebäude der Schulen in Trägerschaft des Landkreises Celle solle ein technisches Raumluft-Klima-Konzept erarbeitet werden, das eine ausreichende Be- und Entlüftung der Klassenräume sicherstellt, lautete der Auftrag.


Der Amtsleiter für Liegenschaften, Marcel Ruthe, legte die vier Varianten Fensterlüftung, dezentrale und zentrale sowie hybride Lüftungsanlage im Einzelnen mit Vor- und Nachteilen einschließlich einer Kostenkalkulation auf Basis von 1.080 auszustattenden Klassenräumen dar sowie der Unterteilung in Neu- und Bestandsbau. Am Ende stand die Empfehlung des Landkreises - Fensterlüftung mit der Begründung: keine zusätzlichen Kosten, kein zusätzlicher Wartungsaufwand, gute Luftqualität, geringer Ressourcenverbrauch, hohe Nachhaltigkeit.


Die anderen drei Varianten verbrauchen Strom, wobei zentrale und dezentrale raumlufttechnische Anlagen (RLT) den Vorzug der Wärmerückgewinnung aufweisen. Dezentrale RLT sind als Nachrüstung für Bestandsbauten geeignet, benötigen jedoch eine Öffnung für Zu- und Abluft in der Fassade, damit kommen sie für denkmalgeschützte Gebäude ebenso wenig in Frage wie zentrale RLT. Letztere funktionieren nur für Neubauten wie beispielsweise die Burghalle (s. Fotos) und sind geknüpft an einen eigenen Technikraum und zusätzlichen Platz für ein Kanalsystem, das die Zu- und Abluft im Haus verteilt. Beides erhöht die Gesamtbaukosten. Beim Vergleich des finanziellen Aufwands insgesamt ist die Fensterlüftung mit 0 bei den investiven und 1.080.000 Euro bei den konsumtiven Kosten (Stand Febr. 2022) unschlagbar günstiger.


Einzelne Ausschuss-Mitglieder wie Annegret Pfützner (Grüne) und Walter-Christoph Buhr (FDP) zeigten sich von der Präsentation, speziell von der Berechnung der Kosten, wenig überzeugt. „Man muss sich Schule für Schule ansehen, nicht pauschal vergleichen“, kritisierte Hans-Joachim Bartsch (FDP). „Das ist ein pauschaler Vergleich verschiedener Lüftungsmöglichkeiten“, beanstandete Mathias Pauls (SPD).


Kreisrat Frank Reimchen verteidigte die Verwaltung mit Nachdruck und sichtlich ungehalten: „Gefordert waren Raumluft-Klima-Konzepte, die eine ausreichende Be- und Entlüftung der Klassenräume sicherstellen. Das haben wir“, betonte er und fügte hinzu: „Nicht wir propagieren das, sondern das Kultusministerium, dieses sieht keinen Sinn in Lüftungsanlagen und gibt keine Fördermittel.“ An dieser Stelle schaltete sich der Ausschuss-Vorsitzende Ulrich Kaiser (WG) moderierend ein: „Andere Bundesländer wie Baden-Württemberg, Hamburg und Berlin sehen das anders. Das Umweltbundesamt empfiehlt, schrittweise alle Räume mit raumlufttechnischen Anlagen auszustatten.“ Unter dem Strich handele sich bei dieser Thematik um eine Gemengelage unterschiedlicher Ansichten. Dennoch müsse man sich als Politik frühzeitig damit auseinandersetzen und in Erfahrung bringen, wie die Pläne der Verwaltung aussehen, damit rechtzeitig gehandelt werden könne.


Der Ausschuss folgte seinem Vorschlag, noch keinen Beschluss zu fassen, sondern erst einmal mit den neuen Informationen in die Fraktionen zu gehen.



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