Kriminalstatistik Celle: Weniger Straftaten - hohe Aufklärungsquote
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CELLE. Im Rahmen eines Pressegespräches haben Inspektionsleiter Frank Freienberg und die Leiterin des Zentralen Kriminaldienstes, Dilek Baydak-Stadelmann, heute die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2025 der Polizeiinspektion (PI) Celle vorgestellt. Die Zahlen zeigen insgesamt eine positive Entwicklung der Sicherheitslage in Stadt und Landkreis Celle.
Rückgang der Straftaten um fast 12 Prozent
So ist die Gesamtzahl der Straftaten von 12.277 Straftaten im Jahr 2024 um knapp 12 Prozent auf 10.808 Straftaten gesunken. Dies entspricht einer Abnahme von 1.469 Taten. Damit verzeichnet die PI Celle innerhalb der Polizeidirektion Lüneburg die zweithöchste prozentuale Abnahme an Fallzahlen. Landesweit ist die Anzahl der Straftaten um 4,3 Prozent zurückgegangen. Die Häufigkeitszahl beschreibt die Anzahl der Straftaten pro 100.000 Einwohner. Auch dieser Wert sank auf 6.267 und liegt damit unter dem niedersachsenweiten Wert.
Rückgang der Fallzahlen in nahezu allen Deliktsbereichen
Die Vermögens- und Fälschungsdelikte sind um 20,24 % auf 1.529 Fälle zurückgegangen. Auch bei den Rauschgiftdelikten zeigt sich ein deutlicher Rückgang von 55,00 % auf 225 Fälle. Die Rohheitsdelikte nahmen ebenfalls ab und sanken um 10,46 % auf 2.518 Fälle, wobei insbesondere die Körperverletzungen mit einem Rückgang von 11,20 % hervorzuheben sind. Bei den gesamten Diebstahlsdelikten wurde eine Abnahme um 7,05 % auf 3.191 Fälle verzeichnet. Zudem gingen die Sexualdelikte um 18,55 % auf 338 Fälle zurück.
Spitzenposition der PI Celle bei der Aufklärungsquote
Trotz des Rückgangs der Fallzahlen verzeichnet die PI Celle mit 67,34 % die höchste Aufklärungsquote innerhalb der Polizeidirektion Lüneburg. Auch wenn dieser Wert um 1,74 Prozentpunkte unter dem des Vorjahres liegt, bleibt er über dem direktionsweiten Wert (64,61 %) und über dem des Landes (62,72 %).
Wirtschaftlicher Schaden
Der durch Straftaten entstandene finanzielle Schaden verringerte sich von 11,5 Millionen Euro in 2024 um 20,66 % auf rund 9,17 Millionen Euro. Das entspricht einer Reduzierung um zirka 2,4 Millionen Euro.
Betäubungsmitteldelikte
Der starke Rückgang der Rauschgiftdelikte um 55,00 % lässt sich primär auf die gesetzlichen Änderungen im Umgang mit Cannabis zurückführen.
Angaben zu Tatverdächtigen
Im Berichtsjahr 2025 wurden 5.069 Tatverdächtige ermittelt. Dies bedeutet eine Abnahme um 10,31% (-583). Der höchste Rückgang in Prozent ist bei den Heranwachsenden zu verzeichnen (-16,04%), gefolgt von den Jugendlichen (-14,47%). Von den 5.069 ermittelten Tatverdächtigen waren 3.722 deutsche Staatsangehörige, 1.347 Tatverdächtige hatten eine andere Staatsangehörigkeit. Dies bedeutet eine prozentuale Verteilung von 73,43% zu 26,57%.
Die rückläufigen Zahlen bei den deutschen Tatverdächtigen fällt im Vergleich zu den nichtdeutschen Tatverdächtigen prozentual stärker aus. Unverändert kommt ein Großteil der ermittelten Tatverdächtigen aus der gleichen Gemeinde, in der der Tatort liegt: In 2024 waren dies 3.487, in 2025 3.161. Das Phänomen der reisenden Täter ist demnach nicht stark ausgeprägt.
Opfer von Straftaten
Im Berichtsjahr 2025 sind in der Polizeiinspektion Celle 3.446 Personen Opfer einer Straftat geworden und somit 446 weniger als im Vorjahr. Der stärkste prozentuale Rückgang ist in der Altersgruppe der Heranwachsenden festzustellen (-45 bzw. 14,56%), gefolgt von den Erwachsenen (-361 bzw. -12,77%) und Jugendlichen (-44 bzw. -11,40%).
Eine leichte Zunahme gab es leider bei den Kindern mit +4 Opfern. Die höchsten Opferzahlen sind in den Deliktsbereichen Körperverletzung und Bedrohung zu verzeichnen. Bei diesen Zahlen ist aber anzumerken, dass die Beleidigungen im Jahr 2024 neu in die Gruppe der Opferdelikte aufgenommen worden sind; diese sind in 2025 fast gleichgeblieben.
Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit
Ein Absinken der Fallzahlen um -10,46% (-294 Taten) im Vergleich zum Vorjahr liegt bei den Rohheitsdelikten und Straftaten gegen die persönliche Freiheit vor. Der Rückgang ergibt sich insbesondere aus den Körperverletzungen (-194 bzw. -11,20%) und den Straftaten gegen die pers. Freiheit (-102 bzw. -10,10%). In diesen Deliktsfeldern stieg die Aufklärungsquote leicht um + 0,66%-Punkte auf 91,98%.
Diebstahlsdelikte
Die Diebstahlsdelikte gesamt schreiben mit -242 Taten (-7,05%) abnehmende Fallzahlen. Die Aufklärungsquote ist mit 36,60% leicht gestiegen.
Wohnungseinbruchdiebstahl / Tageswohnungseinbruch (WED/TWE)
Bei den WED-/TWE-Taten kam es im Vergleich zum Vorjahr zu einer leichten Abnahme um -8,84% (-13 Taten). Der Versuchsanteil liegt bei 37,31% (50 Taten) und ist somit zum Vorjahr (35,37%) leicht gestiegen. Durch die Taten sind Güter im Wert von 396.019 Euro erlangt worden. Die Aufklärungsquote ist um +2,87%-Punkte auf 17,16% gestiegen.
Kfz-Diebstähle
Bei den Taten "Diebstahl von Kraftwagen" gab es im Vergleich zum Vorjahr eine Abnahme um 22,86% (-16 Taten). Nach dem gesteigerten Wert der Aufklärungsquote in 2024, sank diese in 2025 auf 31,48%. Die Schadenssumme beläuft sich auf 700.507 Euro, das entspricht einer durchschnittlichen Schadenshöhe von 14.594 Euro (48 vollendete Taten). Leichte Tathäufungen sind bei den Herstellern Audi, BMW, Daimler Benz und VW zu verzeichnen.
Straftaten mit Stichwaffen
Im Berichtsjahr 2025 kam es in 66 Fällen zum Einsatz einer Stichwaffe. Dabei wurde ausschließlich das Tatmittel Messer verwendet, überwiegend im Zusammenhang mit registrierten Rohheitsdelikten sowie Straftaten gegen die persönliche Freiheit, etwa Raub, gefährlicher Körperverletzung oder Bedrohung. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang um 33 Fälle.
Damit ist die Zahl der registrierten Taten mit Messern deutlich gesunken. Trotzdem entsteht in der öffentlichen Wahrnehmung häufig der Eindruck, Messerangriffe würden stark zunehmen. Dieses Gefühl wird unter anderem durch eine intensive mediale Berichterstattung über einzelne, besonders schwere oder öffentlichkeitswirksame Fälle verstärkt. Solche Ereignisse prägen die Wahrnehmung stärker als statistische Entwicklungen über einen längeren Zeitraum.
Hinzu kommt, dass überregionale Ereignisse oder Diskussionen über Gewaltkriminalität häufig auf die eigene Umgebung übertragen werden, auch wenn sich die lokale Lage anders entwickelt. Die polizeilichen Zahlen für Celle zeichnen jedoch ein anderes Bild: Sowohl die Gewalt im öffentlichen Raum insgesamt als auch die Angriffe mit Messern sind im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen.
Dazu Frank Freienberg: "Aus der polizeilichen Erkenntnislage ergibt sich, dass die Gewalt im öffentlichen Raum deutlich zurückgegangen ist, die Angriffe mit Messern sogar um ein Drittel. Damit bestätigen die vorliegenden Zahlen nicht das häufig vorhandene Gefühl, dass Messerangriffe stark zugenommen hätten."
Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamte
Im Berichtsjahr 2025 kam es in 94 (2024= 143) Fällen zu Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamte mit 255 Opfern. Davon waren 165 männlich und 90 weiblich. 34 wurden leicht verletzt. Zu schweren Verletzungen ist es nicht gekommen. Insgesamt liegt im Vergleich zum Vorjahr eine Abnahme -49 Taten vor.
Die Anzahl der Opfer ist von 370 auf 255 (2025) gesunken (-115); es wurden auch weniger Polizeivollzugsbeamte durch die Taten leicht verletzt (von 42 auf 34).
In ihrer Pressekonferenz zur Veröffentlichung der PKS für die PD Lüneburg fand Lüneburgs Polizeipräsidentin Kathrin Schuol zu den direktionsweiten Zahlen zur Gewalt gegen Polizeibeamte deutliche Worte: "Die weiterhin hohe Zahl an Gewalttaten, denen unsere Kolleginnen und Kollegen im Dienst ausgesetzt sind, erfüllt mich, wie bereits in den vergangenen Jahren, mit größter Sorge. Polizistinnen und Polizisten, Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner sowie Rettungskräfte leisten tagtäglich einen unverzichtbaren Dienst für unsere Gesellschaft: Sie helfen Menschen in Not, schützen unsere Demokratie und wahren die Rechte jedes Einzelnen. Dafür verdienen sie nicht nur unseren Respekt, sondern auch echten Schutz und Sicherheit bei der Ausübung ihrer Tätigkeit. Jeder tätliche Angriff auf eine Polizeibeamtin oder einen Polizeibeamten ist nicht nur ein Angriff auf die betroffene Person, sondern zugleich ein Angriff auf unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung. Gewalt gegen Einsatzkräfte darf in einem Rechtsstaat keinen Platz haben und muss klar geächtet werden.
Wir stehen in engem Austausch mit unseren Kolleginnen und Kollegen, mit den Gewerkschaften und den Berufsverbänden, um wirkungsvolle Maßnahmen zu erarbeiten, die sowohl Schutz verbessern als auch klare Signale setzen: Wir verurteilen solche Angriffe aufs Schärfste und verfolgen sie strafrechtlich konsequent. Darüber hinaus setzen wir uns dafür ein, dass gesellschaftlich wieder ein stärkerer Respekt gegenüber jenen entsteht, die ihren Dienst zum Schutz aller leisten."
Häusliche Gewalt
Im Berichtsjahr 2025 kam es in der Polizeiinspektion Celle zu insgesamt 937 Fällen der häuslichen Gewalt. Es gab insgesamt 760 Opfer mit direktem Bezug zur häuslichen Gewalt. Davon waren 215 männlich und 545 weiblich. 127 der Opfer waren minderjährig, 633 mindestens 18 Jahre alt. In 323 Fällen handelte es sich beim Opfer um den Ehepartner/Partner, in 186 Fällen um den ehemaligen Partner, in 99 Fällen um die Kinder, in 56 Fällen um die Eltern und in 38 Fällen um Geschwister (Aufzählung nicht abschließend). Im Vergleich zum Vorjahr (2024= 975) liegt eine Abnahme um -38 Taten vor.
Die Anzahl der Opfer (2024= 815) ist ebenfalls gesunken (-55 Opfer). Trotz eines leichten Rückgangs um knapp vier Prozent bleibt die häusliche Gewalt mit 937 registrierten Fällen ein besorgniserregender Schwerpunkt unserer Arbeit. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Gewalt im engsten sozialen Umfeld weiterhin eine enorme gesellschaftliche Herausforderung darstellt, der wir mit konsequenter Strafverfolgung und engmaschigem Opferschutz begegnen.
"Häusliche Gewalt bleibt ein Brennpunkt: Trotz leichtem Rückgang fordern die Zahlen weiterhin unser volles Engagement im Opferschutz. Aus diesem Grunde hat der "Runde Tisch gegen Häuslich Gewalt" als Netzwerk im Landkreis Celle eine besondere Bedeutung", so Frank Freienberg.
Jugendkriminalität
Die Jugendkriminalität in Celle ist im Jahr 2025 stark rückläufig. Insbesondere bei den 14- bis 21-Jährigen sank die Zahl der Tatverdächtigen deutlich stärker als im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Im Berichtsjahr 2025 waren von den 5.069 ermittelten Tatverdächtigen 811 minderjährig. Das entspricht einem Anteil von 16%. Weitere 377 (7,44%) zählen zur Altersgruppe der Heranwachsenden. Jugendliche Tatverdächtige fielen insbesondere bei den Rohheitsdelikten auf, wobei im Vergleich zum Vorjahr eine Abnahme zu verzeichnen ist (von 227 auf 191).
Straftaten durch / gegen Flüchtlinge
Im Jahr 2025 kam es in der Polizeiinspektion Celle zu 62 Straftaten gegen Flüchtlinge, 240 durch Flüchtlinge und 63 unter Flüchtlingen (alles ohne ausländerrechtliche Verstöße). Bei den Straftaten gegen Flüchtlinge bedeutet dies eine Abnahme um -6,06% (-4 Taten). Die Straftaten durch Flüchtlinge haben insgesamt um -30,43% (-105 Taten) abgenommen. Dieser Rückgang verteilt sich auf fast alle Deliktsgruppen in unterschiedlicher Ausprägung.
Fazit
Die Sicherheitslage in der Polizeiinspektion Celle ist im Jahr 2025 als äußerst stabil und sicher zu bewerten. Trotz spezifischer Anstiege wie beim Ladendiebstahl belegen die sinkenden Gesamtzahlen und die überdurchschnittlich hohe Aufklärungsquote die hohe Schutzqualität für die Bürgerinnen und Bürger.
"Mit einem Rückgang der Straftaten um fast 12 % verzeichnet die Polizeiinspektion Celle im Jahr 2025 die zweithöchste Abnahme innerhalb der gesamten Direktion und liegt damit deutlich über dem landesweiten Trend. Auf diesen Zahlen können und werden wir uns aber nicht ausruhen. Jedes Opfer, egal in welchem Deliktsbereich, ist ein Opfer zu viel und wir werden weiterhin daran arbeiten, die Fallzahlen weiter zu senken und die Aufklärungsquote weiter steigern", so Frank Freienberg, Leiter der PI Celle.
Auch die Leiterin des Zentralen Kriminaldienstes, Dilek Baydak-Stadelmann, zeigte sich erfreut über die positiven Zahlen: "Unsere Ermittlungsarbeit bleibt hocheffektiv. Besonders erfreulich ist die Entwicklung bei den jungen Menschen in unserer Region: Der Rückgang der Tatverdächtigen bei Jugendlichen und Heranwachsenden um bis zu 16 % ist ein großartiger Erfolg und ein starkes Signal für die Wirksamkeit unserer Präventionsarbeit."
Text: Polizei














