Kreistag verständigt sich auf Raumluftkonzept für Schulen

Aktualisiert: 7. Juli


CELLE. Über Monate wurde das Thema Lüftungskonzept für Schulen in den Ausschüssen des Kreistags teils hitzig und kontrovers diskutiert. Nun haben sich Politik und Verwaltung auf einen Kompromiss geeinigt.


Lediglich die AfD stimmte geschlossen dagegen mit der Begründung, Fensterlüften genüge. Susanne Führer (CDU) enthielt sich.


Künftig werden alle Schulneubauten in Trägerschaft des Landkreises Celle mit raumlufttechnischen Anlagen (RLT) ausgestattet. Bestandsbauten werden nicht nachgerüstet, für diese kämen lediglich dezentrale Systeme in Frage, die eine Öffnung in der Fassade für Zu- und Abluft benötigen, was ein Ausschlusskriterium für denkmalgeschützte Häuser darstellt. Zentrale Anlagen sind geknüpft an einen eigenen Technikraum und setzen zudem zusätzlichen Platz für ein Kanalsystem voraus.


„Das Umweltbundesamt weist dies aus als ‚nachhaltige Maßnahme zur Verbesserung der Innenraumlufthygiene, deren Erfolg auch nach Beendigung der Pandemie anhält‘“, zeigte sich Reinhard Rohde (Die Linke) in seinem Redebeitrag (in voller Länge im Anhang) sehr zufrieden mit dem für die Abstimmung im Kreistag nochmals überarbeiteten Konzept der Landkreis-Verwaltung. Die eingangs von Jörn Schepelmann (CDU) eingebrachte Ergänzung des Beschlussvorschlages, die RTL-Anlagen sollten im Sinne der Nachhaltigkeit mit vor Ort erzeugtem Strom aus Photovoltaik-Anlagen betrieben werden, begrüßte er im Namen des Klimabündnisses.


Er wies darauf hin, die Entscheidung bedeute, dass bei einem relevanten Pandemiegeschehen im nächsten Schuljahr weiterhin das Stoßlüften nach 20 Minuten Unterricht die wichtigste Maßnahme sein werde.

Ulrich Kaiser (WG) stellte den Aspekt, die Rahmenbedingungen für Schüler zu optimieren, in den Vordergrund. „Bei der Bildung sollten wir keine Abstriche machen.“ Weitere Schritte unter dieser Überschrift würden folgen.

Walter-Christoph Buhr (FDP) betonte indes die zu sammelnden Erfahrungswerte, beispielsweise hinsichtlich des Stromverbrauchs für die Anlagen.


Nachfolgend die Rede von Reinhard Rohde (Die Linke) *andere Reden lagen bis Artikelfertigung nicht vor*

Für das Klimabündnis kann ich sagen, dass wir mit der Beschlussvorlage sehr zufrieden sind. Künftig werden also alle Schulneubauten mit raumlufttechnischen Anlagen ausgestattet. Das Umweltbundesamt weist dies aus als "nachhaltigste Maßnahme zur Verbesserung der Innenraumlufthygiene, deren Erfolg auch nach Beendigung der Pandemie anhält".


Selbstverständlich hilft uns dies nicht mehr beim aktuellen Pandemiegeschehen. Aber: Wie das Umweltbundesamt feststellt, ist dies eine nachhaltige Maßnahme. Denn neben der Raumlufthygiene hat dieses Vorgehen einen zweiten zukunftweisenden Vorteil, nämlich: die Wärmerückgewinnung. Bis zu einem Drittel der eingesetzten Heizenergie kann so gespart werden. In der letzten Periode hat die Fraktion Bündnis '90/Die Grünen genau deshalb schon diesen Antrag gestellt gehabt. Seinerzeit fand er leider keine Mehrheit.


Zur Lösung akuter Probleme hat die Verwaltung bereits in 18 Räumen, die sich nicht über Fenster lüften lassen, mobile Raumluftfilter installiert. Wir haben in den Diskussionen im Fachausschuss aber gesehen, dass mobile Raumluftfilter nicht die Wirkung entfalten, die das schlichte Lüften über Fenster hat. Sie können nur eine Notlösung sein.

Auf der anderen Seite hat die Verwaltung plausibel dargelegt, dass ein Einbau von Raumlufttechnischen Anlagen in Bestandsbauten technisch kaum möglich ist, u.a. weil die Raumhöhen dies nicht hergeben.


Das heißt: Bei einem relevanten Pandemiegeschehen im nächsten Schuljahr wird weiterhin das Stoßlüften nach 20 Minuten Unterricht die wichtigste Maßnahme sein.


Dass die Verwaltung dies im Fachausschuss als Konzept dargestellt hat, hat für Diskussionen und Fragezeichen gesorgt. Dahinter steckt meines Erachtens die Vorstellung, dass eine Gesellschaft wie die unsere in der Lage sein müsste, alle Probleme technisch zu lösen. Ich denke, das ist falsch. Im Rückblick auf den Beginn der Pandemie lässt sich feststellen, dass es das Fehlen von Materialien und Regeln zur Basishygiene war, das viele unnötige Tode gefordert hat.


Nichtsdestotrotz ist es richtig und wichtig, ab sofort alle Schulneubauten mit raumlufttechnischen Anlagen zu versehen. Das fällt dann, wenn man so will, unter das Fortschritts-Paradigma, das die Mehrheitsgruppe im Namen trägt.



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