Krebs mit KI erkennen: Celler Praxis bietet regional einzigartiges Lungenscreening an

CELLE. Bei der Krebsfrüherkennung können die Menschen in Celle ab sofort auf ein neues Angebot zurückgreifen, dass es längst noch nicht überall gibt. Dabei geht es um ein schonendes Lungenscreening, das durch Künstliche Intelligenz unterstützt wird und bösartige Tumore früher und zuverlässiger erkennt als bisherige Verfahren. Das Screening wird bei uns derzeit nur in der Radiologie-Praxis am Neumarkt angeboten und ist in der Region rund um Celle und Hannover bisher einzigartig.
„20 Prozent aller Todesfälle durch Krebs sind auf Lungenkrebs zurückzuführen.“
Lungenkrebs gehört nach wie vor zu den häufigsten Krebserkrankungen. Laut aktueller Statistiken sind 2024 in Deutschland rund 45.000 Menschen an einem Lungenkarzinom gestorben. „20 Prozent aller Todesfälle durch Krebs sind auf Lungenkrebs zurückzuführen“, sagt Dr. Paul Bronzlik von der Radiologischen Gemeinschaftspraxis. Das Ziel des neuartigen Lungenscreenings sei, Tumore zu entdecken, bevor Beschwerden auftreten. Als erste zugelassene Praxis in Celle bietet der Radiologe mit seinem Team diese Früherkennung an.
KI erstellt 3D-Modell der Auffälligkeit
Das Besondere an der neuartigen Untersuchung ist die Unterstützung durch Künstliche Intelligenz. Nach einer gewöhnlichen Computer-Tomografie (CT), die in diesem Fall nicht länger als 60 Sekunden dauern soll, werden die Bilder mit Hilfe einer KI analysiert. Verdächtig aussehende Bereiche werden nicht mehr nur in ihrer Länge und Breite, sondern auch in ihrem Volumen erfasst und berechnet. Den Medizinerinnen und Medizinern liegt hinterher ein 3D-Modell der Auffälligkeit vor, das sie beliebig von allen Seiten betrachten können. Die Fachleute erhoffen sich davon, dass mögliche Tumore frühzeitig erkannt werden und öfter in den Kategorien eins und zwei (behandelbar) als drei und vier (palliativ) eingeordnet werden können.

Schonende Untersuchung dank Niedrigdosis-CT
Das Lungenscreening soll zudem schonender sein als andere Röntgenuntersuchungen. Im Vergleich zu einem regulären CT sollen nur rund 20 Prozent der Strahlenmenge anfallen. „Das ist weniger als die Dosis, der wir draußen tagtäglich ausgesetzt sind“, erläutert Facharzt Dennis Golub. Zudem werde der zu untersuchende Körper mittels Laseroptik exakt positioniert, wodurch die Strahlen zielgerichteter eingesetzt werden können.
Celle hat das Screening eher als Hannover
Um die neue Technik samt KI nutzen zu können, seien lediglich Software-Updates nötig gewesen. Prüfung und Zulassung seitens des Gewerbeaufsichtsamtes seien aufgrund des neuartigen Vorhabens jedoch komplizierter gewesen. „Wenn man der Erste ist, muss man mehr machen“, sagt Praxismanagerin Viktoria Simon. Doch die Zusammenarbeit mit den Behörden sei gut gelaufen, betont sie. Das Screening ist rund um Celle bisher einzigartig. Die nächsten Möglichkeiten befinden sich in Göttingen und Hildesheim. Hannover soll demnächst folgen.
Lungenscreening in Celle wird von Krankenkasse übernommen
Das Lungenscreening in der Radiologischen Praxis am Neumarkt richtet sich an Frauen und Männer zwischen 50 und 75 Jahren, die mindestens 25 Jahre lang im Schnitt eine Schachtel am Tag geraucht haben. Bei stärkerem Konsum verkürzt sich die Vorgabe. Auch ehemalige Raucherinnen und Raucher kommen in Frage, wenn die Rauchpause nicht länger als zehn Jahre beträgt. Das Niedrigdosis-CT erfolgt ohne Kontrastmittel und dauert nach Angaben der Ärzte nur eine Minute. Bei unauffälligem Befund ist ein erneutes Screening nach zwölf Monaten möglich. Wer die Untersuchung in Anspruch nehmen möchte, sollte zur Prüfung der Voraussetzungen einen Hausarzt aufsuchen. Mit entsprechender Überweisung werden die Kosten für die Untersuchung von den Krankenkassen übernommen.
„Gut wäre, wenn die Leute mit dem Rauchen aufhören würden.“
So gut die Früherkennung auch ist, die beste Prävention bei Lungenkrebs ist der Rauchstopp. „Gut wäre, wenn die Leute mit dem Rauchen aufhören würden“, so Dr. Paul Bronzlik. Eine Hoffnung ist, dass das jährlich wiederkehrende Screening eine psychologische Wirkung bei den Menschen auslöst und dadurch die Motivation steigt, von selbst mit dem Rauchen aufzuhören.














