„Keine Instrumentalisierung“: Zwei Kirchen protestieren gegen AfD-Wahlplakate
- Audrey-Lynn Struck

- vor 4 Stunden
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CELLE. Wahlplakate sind schon lange fester Bestandteil im Kommunalwahlkampf. Mal fällt der Slogan ins Auge, mal das Foto des Kandidaten. Auf mehreren Wahlplakaten der AfD in Celle springt beim zweiten Blick jedoch etwas anderes ins Auge: lokale Kirchen im Hintergrund, die subtil unscharf gezeichnet wurden. Genau dagegen wehren sich jetzt zwei evangelische Kirchengemeinden im Stadtgebiet Celle.
„Wir tolerieren keine Vereinnahmung oder Instrumentalisierung kirchlicher Orte und Symbole für parteipolitische Werbung.“
„Wir tolerieren keine Vereinnahmung oder Instrumentalisierung kirchlicher Orte und Symbole für parteipolitische Werbung“, erklärt der Kirchenvorstand der Kirchengemeinde Altencelle. Auch die Kirchengemeinde Klein Hehlen distanzierte sich in einer öffentlichen Stellungnahme von der Verwendung ihres Kirchengebäudes auf den Wahlplakaten.
Gemeinden wussten nichts von AfD-Wahlplakaten
So wussten die Gemeinden vorher nichts von der Veröffentlichung. In Altencelle war das Plakat einem Gemeindemitglied aufgefallen, das daraufhin beim Vorstand nachgefragt hatte. Auch mit der Superintendentin bis hoch zum Landeskirchenamt wurde Kontakt aufgenommen. Nach Informationen von CelleHeute soll auch die Kirche Neuenhäusen auf einigen Plakaten zu sehen sein.
Laut der AfD seien die Kirchen bewusst als ortsprägende Gebäude ausgewählt worden, um die „Verbundenheit mit den jeweiligen Stadt- oder Ortsteilen“ zu zeigen. „Deshalb sind im Hintergrund dezent markante Gebäude der jeweiligen Orte zu erkennen. Dazu gehören vereinzelt auch Kirchen, sofern sie das Ortsbild prägen“, sagt der AfD-Kreisverband.
Kirche distanziert sich von antidemokratischen Parteien
Beide Kirchengemeinden stellten indes ein offizielles Statement auf ihren Homepages online und nahmen auch in den sozialen Medien von den AfD-Wahlplakaten Abstand. „Als Kirchengemeinde protestieren wir entschieden gegen diese Verwendung, die wir nicht erlaubt haben“, schreibt die Kirchengemeinde Klein Hehlen. „Wir distanzieren uns ausdrücklich davon – ebenso wie von allen antidemokratischen Parteien“, so auch die Kirchengemeinde Altencelle.
„Unabhängig von der rechtlichen Bewertung vertreten wir die Auffassung, dass sich die Kirchen auf ihren eigentlichen Auftrag konzentrieren sollten: die Seelsorge.“
Die AfD verweist dagegen auf die aus ihrer Sicht eindeutige Rechtslage. Öffentlich sichtbare Gebäude dürften grundsätzlich fotografiert und verwendet werden. „Unabhängig von der rechtlichen Bewertung vertreten wir die Auffassung, dass sich die Kirchen auf ihren eigentlichen Auftrag konzentrieren sollten: die Seelsorge“, heißt es in der Stellungnahme. „Parteipolitische Auseinandersetzungen gehören aus unserer Sicht nicht zu ihren Aufgaben. Ebenso wenig mischen wir uns in die seelsorgerische Arbeit der Kirchen ein.“

Die Kirchengemeinden wiederum nutzten den Anlass, um ihre Haltung noch einmal grundsätzlich zu verdeutlichen und sich ausdrücklich zur „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ zu bekennen. Beide Gemeinden betonten ihre Offenheit für alle Menschen – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe oder Geschlecht. „Wir stehen für eine Gesellschaft ein, in der jeder Mensch als Ebenbild Gottes gilt und die Menschenwürde unverhandelbar ist.“


















