IHKN-Ausbildungsumfrage: Unternehmen fehlen BewerberInnen


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HANNOVER. Knapp drei Viertel der niedersächsischen Ausbildungsbetriebe wissen bereits, wie viele Ausbildungsplätze sie im Ausbildungsjahr 2022 anbieten wollen: Erneut planen die Betriebe im Vergleich zum Vorjahr mit einem leichten Plus; durchschnittlich bieten sie zwei Prozent mehr Ausbildungsplätze an. Gleichzeitig sehen über zwei Drittel der befragten Unternehmen den fehlenden Zugang zu BewerberInnen als größte Herausforderung bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze. Das sind die zentralen Ergebnisse der Ausbildungsumfrage der IHK Niedersachsen (IHKN), an der sich vom 17. bis 28. Januar rund 2.150 niedersächsische Ausbildungsbetriebe beteiligt haben.


„Wir beobachten aktuell mehr denn je, dass das Matching von Angebot und Nachfrage am Ausbildungsmarkt nicht so erfolgreich funktioniert, wie es sollte“ kommentiert Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der IHK Niedersachsen (IHKN) die Ergebnisse der Ausbildungsumfrage. „Umso mehr freuen wir uns, dass die Betriebe an ihrem Ausbildungsengagement festhalten.“

Praktika entscheidend für die Berufsorientierung

85 Prozent der Betriebe setzen laut Umfrage für das Azubi-Recruiting auf Praktika. Knapp zwei Drittel beteiligen sich zudem am Zukunftstag; rund ein Drittel an Messen. Durchschnittlich 83 Prozent der angebotenen Ausbildungsplätze konnten die Unternehmen in den vergangenen beiden Ausbildungsjahren besetzen. Neben fehlenden Bewerbungen (71 Prozent; ein Plus von 29 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr) sind die mangelnde Berufsorientierung durch Corona-Beschränkungen (34 Prozent; Minus sieben Prozentpunkte) und wirtschaftliche Perspektiven der Branche (20 Prozent; Minus sechs Prozentpunkte) weiterhin die Top drei der Herausforderungen aus Sicht der Betriebe.

„2022 muss der Fokus auf einer systematischen Berufsorientierung liegen, um neue Zielgruppen für die Ausbildung zu erschließen und das Zusammenbringen von Betrieben und Ausbildungsinteressierten zu fördern“, so Bielfeldt. „Mit unserer landesweit ausgerollten Ausbildungskampagne ‚Moin Future‘ setzen wir genau dort an“.

Qualifiziertes Personal und gute Unterrichtsversorgung haben Priorität

In der IHKN-Umfrage wurden die Unternehmen auch zur Digitalisierung des Berufsschulangebots befragt: im Vergleich zum letzten Ausbildungsjahr findet die Beschulung wieder überwiegend in Präsenz statt. Zwei Drittel der Betriebe gibt an, dass weniger als ein Viertel des Unterrichts (43 Prozent) oder aktuell gar kein Unterricht (26 Prozent) digital stattfindet.

Wenn es um die Beschulung ihrer Auszubildenden geht, sind den Betrieben laut der Umfrage zwei Dinge besonders wichtig: Jeweils knapp zwei Drittel der Befragten wünscht sich gut ausgebildete Lehrkräfte (65 Prozent) und eine gute Unterrichtsversorgung bzw. wenig Unterrichtsausfall (64 Prozent). Für ein Viertel der Unternehmen ist die Wohnortnähe ein wesentlicher Faktor bei der Beschulung ihrer Auszubildenden.

Die Unternehmen wurden zudem erneut befragt, wie sie einzelne Aspekte ihrer dualen Partner, den Berufsschulen, auf einer Skala von eins (sehr gut) bis fünf (mangelhaft) einschätzen. Ergebnis: eine deutliche Verbesserung attestieren die Betriebe in punkto Kommunikation zwischen Berufsschule und Betrieb; diese wird in diesem Jahr im Mittel mit 3,1 bewertet, im Vorjahr vergaben die Unternehmen eine 3,4.

Die Bereitstellung von Lernplattformen und Blended-Learning-Angeboten, die Umsetzung des digitalen Unterrichts durch die Lehrkräfte sowie die Qualität der digitalen Lernmaterialien und des Distanzunterrichts bleiben mit Werten zwischen 3,1 bis 3,3 auf Vorjahresniveau. Auffällig ist, dass zunehmend viele Betriebe angeben, die befragten Aspekte nicht beurteilen zu können. „Hier empfiehlt es sich, zu einem regelmäßigen und systematischen Austausch zurückzufinden und die Lernortkooperation zu vertiefen“, rät Bielfeldt.

„Unsere Betriebe wünschen sich qualifizierte und verfügbare Lehrkräfte“, so die IHKN-Hauptgeschäftsführerin. „Aktuell können die berufsbildenden Schulen vielerorts nicht ihren bestmöglichen Beitrag leisten, weil notwendige personelle Kapazitäten, pädagogische Konzepte, Sachausstattung und Infrastruktur fehlen“, so Bielfeldt. „Alle Stakeholder in der beruflichen Bildung sollten die berufsbildenden Schulen dabei unterstützen, diese Herausforderungen zu meistern.“

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