Hohe Anmeldezahlen an Schulen: SPD will zweite IGS, FDP fordert mehr Lehrkräfte
- Stefan Kübler
- vor 1 Tag
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CELLE. Die Integrierte Gesamtschule Celle (IGS) bleibt die beliebteste weiterführende Schule im Landkreis Celle. Das geht aus aktuellen Zahlen der Kreisverwaltung hervor. Demnach seien für das Schuljahr 2026/27 an der IGS 309 Schülerinnen und Schüler (ohne Losverfahren) angemeldet worden. Zum Vergleich: Das Gymnasium mit den meisten Anmeldezahlen ist derzeit das Immanuel-Kant-Gymnasium Lachendorf (139), die beliebteste Oberschule ist die in Winsen (169). Die Celler SPD sieht in den aktuellen Zahlen den dringenden Bedarf an einer zweiten Gesamtschule im Landkreis Celle.
„Es kann nicht sein, dass das Los darüber entscheidet, ob ein Kind die gewünschte Schulform besuchen darf.“
„Jahr für Jahr wollen deutlich mehr Familien ihre Kinder an einer Gesamtschule anmelden, als es Plätze gibt“, erklärt Maximilian Schmidt, Vorsitzender der SPD im Landkreis Celle, in einer Mitteilung. „Eine einzige Gesamtschule für den gesamten Landkreis wird diesem Elternwillen längst nicht mehr gerecht.“ Das Problem laut SPD: Weil die Nachfrage die Kapazität regelmäßig übersteige, müsse die Schule Kinder über ein Losverfahren abweisen, da es keinen Rechtsanspruch auf einen Platz an einer bestimmten Schule gebe. „Es kann nicht sein, dass das Los darüber entscheidet, ob ein Kind die gewünschte Schulform besuchen darf“, so Maximilian Schmidt weiter. „Deshalb brauchen wir eine zweite Gesamtschule bei uns im Landkreis Celle.“
Oberschule möglicherweise in IGS umwandeln
Möglichkeiten für diese Forderung sieht die SPD in einer Novelle des Niedersächsischen Schulgesetzes. Eine bestehende Oberschule soll demnach bei ausreichenden Schülerzahlen in einem Zug in eine IGS umgewandelt werden können. Dieses Instrument möchte die SPD gerne auch im Landkreis Celle angewendet sehen, um in der kommenden Wahlperiode des Kreistags eine zweite Gesamtschule zu schaffen.
Landkreis und Schulleitungen lehnen Veränderungen ab
Für den Landkreis Celle sind diese Überlegungen nicht neu. Eine Veränderung der hiesigen Schullandschaft wird es dennoch zunächst nicht geben. Im vergangenen Jahr sei die Frage nach einer zweiten IGS bereits umfassend geprüft worden. In die Beratungen seien Eltern, Schulleitungen, politische Gremien, Ausschüsse, Landesämter und Beratungszentren eingebunden gewesen. „Im Ergebnis bestand Einigkeit, die bestehende Schulstruktur derzeit nicht zu verändern“, teilte die Landkreisverwaltung auf CelleHeute-Anfrage mit. „Von den betroffenen Schulleitungen wurde dabei ausdrücklich der Wunsch geäußert, den Schulen nach den Veränderungen der vergangenen Jahre zunächst die notwendige Planungs- und Entwicklungssicherheit zu geben und von erneuten Strukturänderungen abzusehen.“
Aktuelle Anmeldezahlen für die weiterführenden Schulen
So sehen die aktuellen Anmeldezahlen für die weiterführenden Schulen im Landkreis Celle für das Schuljahr 2026/27 aus (Stand 1.6.2026):
Schule | Anmeldezahlen (ohne Losverfahren) | Gesamt (inkl. Inklusion) nach evtl. Losverfahren |
Gymnasien | ||
IKG Lachendorf | 139 | 139 |
KAV | 133 | 137 |
Christian-Gymnasium Hermannsburg | 132 | 134 |
HBG | 122 | 125 |
Hölty-Gymnasium | 121 | 123 |
Gymnasium Ernestinum | 119 | 109 |
Oberschulen | ||
ObS Winsen | 169 | 184 |
ObS Westercelle | 153 | 150 |
ObS Wathlingen | 117 | 126 |
ObS Lachendorf | 106 | 115 |
ObS an der Welfenallee | 90 | 101 |
ObS Hermannsburg | 86 | 98 |
ObS Bergen | 69 | 77 |
ObS Flotwedel | 44 | 45 |
Gesamtschule | ||
IGS Celle | 309 | 173 |
(Quelle: Landkreis Celle)
Künftig ein großer Standort für IGS
Die kürzlich gestarteten Baumaßnahmen am Schulzentrum Burgstraße zielen laut Landkreis übrigens nicht darauf ab, die Kapazitäten der IGS zu erhöhen. Nach der Erweiterung soll die Außenstelle an der Bahnhofsstraße aufgelöst werden, damit alle Schülerinnen und Schüler an einem zentralen Ort beschult werden können. Dieser Schritt stärke die Schulgemeinschaft und die pädagogischen Bedingungen, so der Landkreis. Gleichwohl werde die Entwicklung der Schülerzahlen und der Schullandschaft als Ganzes weiterhin fortlaufend beobachtet.
„Wir erleben derzeit einen Verdrängungswettbewerb um Lehrkräfte.“
Die FDP-Kreistagsfraktion spricht sich ausdrücklich nicht für eine weitere IGS aus. Aus ihrer Sicht bräuchte es zunächst mehr Lehrkräfte, denn bereits jetzt liege die Unterrichtsversorgung an einzelnen Schulen im Landkreis bei unter 70 Prozent. Lehrkräfte würden zwischen unterschiedlichen Schulformen wechseln, um Ausfälle aufzufangen. „Wir erleben derzeit einen Verdrängungswettbewerb um Lehrkräfte. Das löst kein Problem – es verschiebt es lediglich“, sagt Charles Sievers, schulpolitischer Sprecher der FDP-Kreistagsfraktion. Der sozialpolitische Sprecher Steffen Lenzen ergänzt: „Unser Anspruch muss sein, jedem Kind dieselben Chancen zu ermöglichen – nicht durch immer neue Strukturdebatten, sondern durch ausreichend qualifizierte Lehrkräfte im Klassenzimmer.“














