Gut gelaunt Gutes tun: Ein Tag Action beim Water Walk durch den Landkreis Celle

CELLE. Nix los im Landkreis Celle. Dienstagnachmittag. Die Heideblüte ist vorbei. Die Wanderwege sind verwaist. Nur eine Gruppe gut gelaunter Wandersleute bahnt sich den Weg durch die Wälder zwischen Celle und Hermannsburg. Bunte Fahnen wehen im Wind. Ein Lastenrad rumpelt der Gruppe hinterher. Aus der Musikbox tönt „Last Christmas“ von Wham! Es ist der Water Walk der Organisation Viva con Agua, der auf seiner 350 Kilometer langen Route von Kassel nach Hamburg Station bei uns macht und den wir für einen Tag begleiten.
Aus Allerwasser soll Kunstwerk werden
Wir starten am Dienstagvormittag in der Bergstraße in Celle. 28 Kilometer bis nach Hermannsburg liegen vor uns. Die Sonne scheint bei 15 Grad. Das Potenzial für einen schönen Tag ist erkennbar. Unser Weg führt uns aus der Altstadt hinaus in Richtung Dammaschwiesen. Neben der Pfennigbrücke wird eine Glasflasche in die Aller getaucht, um etwas Flusswasser mit auf die Reise zu nehmen. Das hat die Gruppe an anderen Orten auch schon gemacht und damit am Ende etwas Künstlerisches vor. „Mit dem Wasser soll Kleister angerührt werden, der dann für die Entstehung eines Kunstwerks aus Pappmaché in unserem Büro in Hamburg genutzt werden soll“, erklärt mir Carina Czasny von Viva con Agua.
Manche hupen, wir winken
Wir verlassen Celle Richtung Nordosten und wandern am Stadtfriedhof vorbei. Am Kindergarten blicken uns neugierige Augen entgegen. Spontan werden Sticker mit dem Water-Walk-Logo an die Mädchen und Jungen verteilt, was mit strahlendem Lächeln honoriert wird. Zu Fuß geht es weiter nach Altenhagen und Garßen. Treckergespanne, Autos und LKWs düsen an uns vorbei. Manche hupen zur Begrüßung. Wir winken zurück.
Für ein Kunstprojekt hat die Gruppe auch an der Aller etwas Flusswasser gesammelt (links). Die Etappe führte zunächst an der Straße entlang (Mitte), später dann nur noch durch Wald und Heide (rechts).
Weltweiter Einsatz für sauberes Trinkwasser
Viva con Agua ist ein gemeinnütziger Verein aus Hamburg, der sich seit 20 Jahren für den sicheren Zugang zu sauberem Trinkwasser auf der ganzen Welt einsetzt. „Wir nutzen kreative Aktionen und Events, die auf das Thema aufmerksam machen und Spenden zu generieren“, erzählt Projektmanager Rouven Schuette. Aktuell werden mehrere Projekte in Afrika und Asien unterstützt. In den vergangenen Jahren hat die Nichtregierungsorganisation (NGO) immer wieder Spendenwanderungen veranstaltet, beispielsweise von Hamburg nach Basel und von Kigali in Ruanda nach Kampala in Uganda.
„Gleichzeitig haben wir nette Konversationen mit den Menschen über die Wasserherausforderungen in der Region.“
Zum 20. Geburtstag möchte Viva con Agua auf ein Projekt in Uganda hinweisen. Mit dem Water Walk von Kassel nach Hamburg sollen 50.000 Euro für die Trinkwasserversorgung in Yumbe gesammelt werden. „Wir machen Halt an den verschiedensten Orten und veranstalten kleine Aktionen auf dem Weg“, so Rouven weiter. „Gleichzeitig haben wir nette Konversationen mit den Menschen über die Wasserherausforderungen in der Region.“ Möglicherweise werde das dazu führen, dass Viva con Agua in Zukunft auch Trinkwasserprojekte in Deutschland unterstützt.
Kommando „Ingwershot“ mit Blick aufs Wasser
„Fahrrad!“, ertönt es plötzlich von hinten. Manchmal wird auch „Auto“, „Pferdeäpfel“ oder „Achtung, Raupe!“ gerufen. Die Mitglieder der Gruppe achten aufeinander, damit Hindernisse umfahren werden. Nachdem wir Garßen hinter uns gelassen haben, geht es an Hornshof vorbei links in den Wald. Für die weiteren Kilometer erwartet uns viel Ruhe und Natur. Wir wandern durch den Sonnenschein und freuen uns, als am Wegesrand das erste Heidekraut auftaucht. An den Wildecker Teichen legen wir eine Pause ein. „Ingwershot“ lautet das Kommando. Eine Routine, die einmal am Tag mit dem Blick aufs Wasser zelebriert wird.
„Das hat uns alle gerührt.“
Weiter geht es über Stock und Stein. Das Lastenrad leistet ganze Arbeit. Anekdoten werden mir erzählt. Schöne und unschöne. Ein paar Tage zuvor hätten sie zufällig einen Fahrradunfall beobachtet und Erste Hilfe geleistet, bis der Krankenwagen kam. Das Erlebnis steckt der eigentlich gut gelaunten Gruppe noch sichtlich in den Knochen. Glücklicherweise überwiegt unterwegs das Positive. In Hildesheim hätten sie einen Mann getroffen, der jeder und jedem von ihnen eine Kastanie als Glückbringer zugesteckt hätte. Und in Alfeld seien sie auf den ersten Kilometern von 150 Schülerinnen und Schülern begleitet worden. Diese hätten selbst entschieden, 500 Euro aus dem Schulbudget für die Aktion zu spenden. „Ein kleines Mädchen hat uns ganz stolz etwas Kleingeld in die Spendendose gesteckt und gesagt, das sei wichtiger als ein neues Kuscheltier“, erzählt Nele Lüppen. „Das hat uns alle gerührt.“
Die übliche große Pause am Begleitfahrzeug ist erst spät möglich (links). Nach gut 28 Kilometern und 8,5 Stunden Wanderung ist das Ziel in Hermannsburg erreicht (rechts).
Viel Heide, Wald und Naturdenkmäler
Es sind Begegnungen wie diese, die den Water Walk für alle Beteiligten zu etwas Besonderem machen. Auf der Etappe von Celle nach Hermannsburg begegnen wir jedoch kaum einem Menschen. Die Höhepunkte in der Herzogstadt waren eine Stadtführung mit VR-Brille und der Besuch des Bieneninstituts. Jetzt mitten im Wald bestimmen Stille, Sonne und Natur das Bild. Wir laufen ein Stück auf dem Heidschnuckenweg, passieren den „Citronenberg“, die Severloher Heide sowie alte Bäume, die als Überlebende des Waldbrands von 1975 gekennzeichnet sind.
Große Pause verzögert sich
Eine große Pause ist normalerweise nach der Hälfte der Strecke geplant. Key Account Managerin Olea Overhage steuert dann mit dem Begleittransporter einen guten Platz an, stellt Liegestühle auf und hält Getränke bereit. Bei uns verzögert sich die Pause merklich, denn wir wandern lange durch Naturschutzgebiete, in denen Autos nicht fahren dürfen. Erst am Angelbecksteich wartet die Zwischenstation auf uns, da sind es nur noch gut sechs Kilometer bis ins Ziel. Frisch gestärkt geht es anschließend weiter. Bei einem wilden Hitmix aus 90er-Krachern, Beatles und Protestsongs geht es teilweise sogar tanzend auf die letzten Kilometer.
Netter Empfang in Hermannsburg
Hermannsburg erreichen wir bei einsetzender Dämmerung. Im Familien- und Begegnungszentrum werden wir von Bürgermeisterin Katharina Ebeling und weiteren Gemeindemitarbeitenden empfangen. Abendbrot steht bereit mit Käseplatte und Gemüse. In gemütlicher Runde geht der Abend zu Ende. Trotz müder Beine gehe ich mit dem guten Gefühl ins Bett, als Teil des Water Walks etwas Sinnvolles bewirkt zu haben.
In den kommenden Tagen ist der Water Walk noch weiter im Norden unterwegs, bevor am Sonntag das Ziel in Hamburg erreicht werden soll. Wer noch mitmachen oder spenden möchte, findet Infos bei Viva con Agua.














