FAQ: Das ist dran am Pfadfinder-Klischee – Celler Stamm St. Ludwig berichtet
Aktualisiert: vor 15 Stunden

CELLE. Bunte Halstücher und beige Kleidung, Abzeichen und Keksverkauf: So kennt man die Pfadfinder aus US-amerikanischen Filmen. Doch was ist dran am Stereotyp? Annelie Knolle und Magnus Wolter sind seit ihrer frühen Kindheit Mitglied beim Celler Stamm St. Ludwig der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg. CelleHeute haben sie einen Einblick in das Pfadfinderleben gegeben.
Ist Pfadfindern nicht nur etwas für Kinder?
Klare Antwort: Nein. "Man kann auch mit 60 anfangen", sagt Annelie Knolle. Sie berichtet: "Unser ältestes aktive Mitglied ist Barbara mit 69 Jahren – unsere Gitarrenkönigin. Sie ist auch immer noch auf allen Lagern dabei, schläft auf dem Boden und sorgt für gute Stimmung am Lagerfeuer."
Was lernt man bei den Pfadfindern?
Auch wenn es keinen klassichen Unterricht bei den Pfadfindern gibt, lernen Mitglieder allerlei Praktisches in den wöchentlichen Gruppenstunden sowie auf den jährlich stattfindenden Zeltlagern. Und was lernt man da? "Gemeinschaft, Zusammenhalt und Zelten", sagt Annelie Knolle. Magnus Wolter hat besonders viel Spaß am Handwerklichen: Er baute mit den Pfadfindern bereits Vogelhäuser und Schwedenstühle. "Man lernt alles, was praktisch ist. Zum Beispiel wie man einen Reifen flickt", berichtet er.

Sammeln Pfadfinder Abzeichen?
Nein. Deutsche Pfadfinder tragen zwar Aufnäher auf ihrer Kluft, die stehen aber nicht für besondere Errungenschaften oder Fähigkeiten. Sie zeigen zu welchem Verband und zu welchem Stamm man gehört. Es gibt auch Aufnäher für Lager, die man mitgemacht hat. "Das ist wie ein Poesie-Album", erklärt Annelie Knolle.
Verkaufen Pfadfinder Kekse?
Beim Celler Pfadfinderstamm St. Ludwig werden keine Kekse verkauft. Stattdessen tüftelt man gemeinsam an handwerklichen Projekten, geht Zelten oder auf Fahrrad- und Kanutouren.

Tragen Pfadfinder Kluft und bunte Halstücher?
Kein Filmklischee: Auch in Deutschland tragen Pfadfinder beige Klufthemden – allerdings meistens nur auf Zeltlagern und bei Aktionen. Auch bunte Halstücher gehören zur Pfadfinderkluft. Die Farbe des Tuchs gibt Auskunft über die Stufe des Pfadfinders. Orange tragen die Wölflinge – Kinder im Alter zwischen sieben und zehn Jahren. Die Jungpfadfinder, auch Jupy genannt, sind zwischen elf und 13 Jahren alt und tragen Blau. Zwischen 14 und 16 Jahren tragen die Pfadfinder grüne Tücher. Die nächsthöhere Stufe ist die der Rover – sie tragen Rot. Die letzte Stufe erreichen Pfadfinder ab 21 Jahren. Sie werden Leiter genannt und tragen Grau.
Wie viel kostet es, Pfadfinder zu sein?
Der Jahresbeitrag liegt meistens zwischen 60 und 70 Euro. "Ein Großteil davon ist für Versicherungen", sagt Magnus Wolter. Beim Celler Stamm St. Ludwig kostet die Teilnahme beim alljährlichen Herbstlager um die 50 Euro. Sommerlager, die weiter weg stattfinden und länger gehen, kosten in der Regel etwa 200 Euro.

Muss man einen bestimmten Glauben haben, um Pfadfinder zu werden?
Nein. Viele Pfadfinderstämme haben zwar einen kirchlichen Ursprung, doch heute spielt die religiöse Zugehörigkeit der Mitglieder kaum eine Rolle mehr. Der Celler Stamm St. Ludwig ist katholischen Ursprungs. Mitmachen darf heute aber jeder – egal ob katholisch, protestantisch oder ohne Kirchenzugehörigkeit.
Wie wird man Pfadfinder?
Einfach zur Gruppenstunde kommen. Der Celler Stamm St. Ludwig trifft sich immer mittwochs von 17:30 Uhr bis 19 Uhr in der Julius-von-der-Wall-Straße 6b in Celle. Magnus Wolter versichert: "Wir suchen jeden von sieben bis 99 Jahre. [...] Willkommen ist jeder, der Bock hat, rauszukommen und dem Alltag zu entschwinden."














