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Dorfleben ungeschminkt: Film-Premiere von „Alles, was man braucht“


(von links) Tanta Hanna-Marktleiter Thomas Dietz, Jörn Schepelmann, Antje Hubert, Tante Hanna-Geschäftsführer Michael Gebers, Henning Otte, Kirsten Lühmann. Fotos: Peter Müller

CELLE. Die Kulissen ähneln einander: Leere Straßen, gepflegte Grundstücke, Häuserfassaden. Nur das Leben scheint zu fehlen in den Dörfern, in denen Antje Hubert ihren Film „Alles, was man braucht“ gedreht hat. Zwei Jahre lang war sie unterwegs, um in diesen Dörfern die Orte kennen zu lernen, in denen die Bewohner aufeinander treffen: die Dorfläden. Gestern war der bundesweite Kinostart in den Celler Kammerlichtspielen. Nicht nur Filmemacherin Antje Hubert war dabei, sondern auch zahlreiche Müdener. Schließlich ist „ihr“ Dorfladen Tante Hanna einer der Protagonisten des Films.


„Das Dorf braucht einen Treffpunkt, um es am Leben zu halten. Wenn es keinen Treffpunkt mehr gibt, ist das Dorf verloren“, sagt der Bürgermeister von Christiansholm in Schleswig-Holstein in dem Film. „Es geht nicht nur um Konsum, sondern eigentlich um was ganz anderes“, sagt Antje Hubert über ihren Film. Denn fast in jedem der Orte, in denen sie Menschen und ihre Dorfläden portraitiert hat, gibt es im Umkreis genügend Discounter und Lebensmittelmärkte, oder sogar Verkaufswagen, die vorbeikommen und an denen man Gemüse, Fleisch oder Backwaren kaufen kann. Aber trotzdem scheint etwas zu fehlen: eine Umgebung, in der man zusammen mit anderen ein bisschen mehr Zeit als nötig verbringt und der Bezug zu den regionalen Produkten, .


Ein Dorf- oder Hofladen bietet aber noch weitere Aspekte, über die der Film anregt, nachzudenken. Auf wieviel Fläche darf Nahrung pro Person maximal produziert werden, damit es weltweit noch gerecht ist? Wieso bezahlt ein Kleinabnehmer - der Dorfladen - im Einkauf mehr als die großen Märkte? Sind kleine Läden in unserem Wirtschaftssystem überhaupt möglich?


Diese Fragen berührt der Film nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern indem er die Menschen beim Einkaufen, in ihren Wohnzimmern oder Gärten in ihrem ungeschminkten Lebensalltag begleitet. Und ihnen Zeit gibt, ihre Gedanken zu formulieren. Dass die meisten dieser Menschen keine Routine darin haben, vor einer Kamera zu stehen, macht den Charme und die Authentizität des Streifens aus, der mehr ist als ein reiner „Dokumentarfilm“. Er ist eine Liebeserklärung an Menschen auf dem Land, an das reale Dorfleben und ein erfrischender Kontrast zu allen „Landlust“-Verklärungen.


Das empfindet offenbar auch das Publikum so, in dem mit Kirsten Lühmann als stellvertretende Landrätin, dem Bundestagsabgeordneten Henning Otte und dem Landtagsabgeordneten Jörn Schepelmann, auch die Politik vertreten ist. „Der Film hat alles in sich – das Schöne, und das Bedrückende, was das Dorfleben ausmacht. Und er hat gezeigt, was geht, wenn ein Dorf anpackt“, fasst Jörn Schepelmann, beim anschließenden Gespräch mit der Regisseurin und Produzentin und den Protagonisten des Müdener Tante Hanna-Ladens zusammen. In vielen der Beispielprojekte hat eine Krise zur Gründung geführt, sei es der Zusammenbruch der DDR oder die Schließung des bisherigen Ladens. Auch die jetzige Krise durch den Krieg in der Ukraine, könnte eine Chance für den ländlichen Raum sein, meint Henning Otte.


„Zwei Dinge müssen zusammen kommen“, sagt Kirsten Lühmann: „Menschen müssen sich engagieren. Und sie müssen die für sie passende Lösung finden. Das hat Müden gemacht.“


Im Film ist das Müdener Projekt, bei dem BürgerInnen 250.000 Euro in eine GmbH eingezahlt haben, eines von sechs, die Antje Hubert mit Kameramann Henning Brümmer über einen längeren Zeitraum begleitet haben. Schon vor der Eröffnung des Ladens hat sie in ihrem Heimatort gedreht, Michael Gebers als Geschäftsführer und Marktleiter Thomas Dietz nach ihren Erwartungen gefragt. An den Marktleiter, der unter anderem in der Schweiz als Koch gearbeitet hat, gewandt sagt sie: „Deine Liebe zu Lebensmitteln macht diesen Markt zu etwas Besonderem.“


In Celle wird „Alles, was man braucht“ noch einmal am 23. Mai im Kino achteinhalb zu sehen sein. Alle weiteren Termine: https://antjehubert.de/film/alles-was-man-braucht/





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