„Die Welle“ am Christian-Gymnasium


Fotos S. Salie

HERMANNSBURG. Das Verführungspotenzial antidemokratischer Strukturen und die Schattenseiten von Gruppendynamik thematisierte die Theater-AG am Christian-Gymnasium mit ihrer Inszenierung von Morton Rhues Klassiker „Die Welle“. Vor einer zurückhaltend gestalteten Kulisse boten die SchauspielerInnen eine fesselnde Umsetzung des ernsten Stoffs.


Das Stück handelt von einer Schulkasse und deren Lehrer Rainer (Jamie Webb), die im Rahmen einer Projektwoche das Thema „Autokratie“ behandeln. Sie beschließen dabei, die Arbeit etwas aufzulockern, indem sie nachstellen, wie es zur Bildung einer Diktatur kommen könnte und welche Regeln gelten müssten. Die Lage gerät jedoch außer Kontrolle, als sich die Jugendlichen immer stärker mit ihren Rollen als Mitglieder der eigentlich fiktiven Bewegung „die Welle“ identifizieren und beginnen, gegen AbweichlerInnen in den eigenen Reihen vorzugehen. Als der Lehrer die Simulation abbricht, ist es bereits zu spät und es fallen tödliche Schüsse.


Die zahlreichen BesucherInnen erwartete ein spannender Abend. Das Bühnenbild war bewusst einfach gehalten worden, wodurch die Aufmerksamkeit des Publikums auf die Handlung und die schauspielerischen Leistungen fokussiert blieb. Dies erwies sich als vorteilhaft, denn was die jungen Akteure boten, war angesichts der Authentizität und Textsicherheit wie auch des Körpereinsatzes aller Beachtung wert. Letzterer zeigte sich insbesondere bei den Kampf- und Tanzszenen, die die Sportlehrerin Stephanie Opola und die Abiturientin Fanny Mischuretz choreografiert hatten. Hinzu kam, dass das Skript aus der Feder der AG-Mitglieder stammte, die Abiturientin Jule Pufal das Plakat gezeichnet hatte und die Leitung der Proben ebenfalls von Schülern, Leon Alm und Taro Meyer, übernommen worden war. Unterstützung erfuhren sie hierbei von der Studienreferendarin Constanze Möller.


Weitere Hilfe kam von den AGs Bühnenbild, Maske, Technik und Event Security, der 13. Jahrgang verkaufte Kuchen und es wurden Spenden für die Ukraine gesammelt. Dass die Theaterarbeit am Christian-Gymnasium nachhaltig wirkt, zeigte das Engagement zweier Ehemaliger: Michalis Alexiou absolvierte einen Gastauftritt und Emi Bakemeier sprang für eine erkrankte Schauspielerin ein. Somit zeigte dieser Abend, dass Gemeinschaft auch positive Effekte haben kann, wenn sie nicht auf Ausgrenzung und Zwang beruht, sondern auf Solidarität und Wertschätzung. Text: Sebastian Salie



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