Das Antiquariat, das fast keiner kennt: Knapp 300.000 Bücher lagern in Eicklingen
- Sheenara Wiebke
- 15. Aug.
- 3 Min. Lesezeit

EICKLINGEN. Im Industriegebiet, hinter Tankstelle und Edeka-Markt, lagern in Eicklingen hunderttausende Bücher. Von hier aus gehen täglich Pakete nach ganz Deutschland, in die USA und nach Asien. Dass sich an diesem kleinen Ort einer der größten Versandantiquariate Niedersachsens befindet, wissen selbst viele Menschen aus der Region nicht.
Vom Maurer zum Antiquar
Thomas Ehbrecht führt das Celler Versandantiquariat seit mehr als 40 Jahren. Heute füllen Bücher drei ganze Lagerhallen bis unter die Decke. Angefangen hat alles im Kleinen: "Ich bin über Flohmärkte gelaufen und habe Bücher gekauft und die dann weiterverkauft", erinnert sich Thomas Ehbrecht. Für Bummeln hat er heute kaum noch Zeit. Die meisten Bücher stammen inzwischen aus Haushaltsauflösungen. Dafür inseriert Thomas Ehbrecht seinen Bücherankauf in zehn Landkreisen. Fast täglich nimmt der Geschäftsführer mit seinem Transporter weite Strecken quer durch die Region auf sich, um Ware für den Handel zu beschaffen.
"Bücher sind relativ out. Die haben nicht mehr den Stellenwert, den sie mal hatten."
Gelernt hat Thomas Ehbrecht dabei eigentlich etwas ganz anderes: Zunächst machte er eine Ausbildung zum Maurer, später zum Physiotherapeuten. Seine Leidenschaft für Bücher und das Sammeln ebnete den Weg zum eigenen Antiquariat. Dass diese Begeisterung gesamtgesellschaftlich nicht mehr selbstverständlich ist, beobachtet Thomas Ehbrecht seit Jahren: "Bücher sind relativ out. Die haben nicht mehr den Stellenwert, den sie mal hatten."
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Das Internet verändert alles
Für diese Entwicklung macht er auch das Internet und die ständige Verfügbarkeit von Informationen verantwortlich. “Wenn man sich früher für etwas interessiert hat, zum Beispiel für Gandhi oder irgendjemand, dann ist man losgegangen und hat sich für zehn Mark eine Mini-Biografie geholt. Heute geht man auf Wikipedia, liest zwei Seiten, sieht vielleicht noch zwei Bilder und dann ist die Sache abgehakt”, sagt Thomas Ehbrecht ganz ohne Bitterkeit.
Das Internet sorgte auch für einen Wandel in der Branche. Während viele Antiquare den Onlinehandel anfangs skeptisch beäugten, hatte Thomas Ehbrecht bereits 12.000 Bücher katalogisiert. Im Zentralen Verzeichnis Antiquarischer Bücher (ZVAB), einer der ersten Online-Gebrauchtbuchhandlungen, ging er direkt online – und machte damit gute Erfahrungen.
Doch der Markt veränderte sich, ZVAB wurde schließlich von Amazon aufgekauft. "Früher konnte ich dort anrufen, wenn ich ein Problem hatte. Heute geht das nicht mehr. Die Firmen sind groß und schwerfällig." Für einen harten Wettbewerb sorgten auch andere Versandhandel, wie etwa das Berliner Unternehmen Momox. Hier bekommt man viele Bücher für unter einem Euro.

Knapp 300.000 Bücher – alle werden von Hand katalogisiert
Im Celler Versandantiquariat beginnen die Preise ab fünf Euro. Jedes Buch wird von einem der zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fotografiert, ausführlich beschrieben und katalogisiert. Dann gehen sie auf ihrer Homepage, sowie auf Ebay und Amazon online. Thomas Ehbrecht verrät: " Wenn wir gut drauf sind, listen wir etwa 200 Bücher am Tag." Dieser Aufwand hat seinen Preis. Lässt sich ein Buch später nur für wenige Euro verkaufen, lohnt sich die zeitintensive Erfassung oft nicht. Der Antiquar sortiert darum viele Bücher von vornherein aus.
Für Thomas Ehbrecht ist das ein Sinnbild dafür, wie sehr sich die Haltung zu Büchern verändert hat. Er erinnert sich an die Zeit, als er noch vor der Universität in Hildesheim Taschenbücher verkaufte. "Wenn man sich heute hinstellen würde – Sie könnten die tollsten Sachen haben für ganz wenig Geld. Da würde keiner kaufen."
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