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Blackout-Szenarien in der „GummiCelle“ vor "LGBTQ Plus"


Thomas Deist, Evangelos Tzavaras, Andreas Fiemel (von links) sind die "GummiCelle" Fotos: Peter Müller

CELLE. Ahhhh, nun wissen wir, weshalb die Blackout-Broschüre der Stadt so gut gelungen ist – sie stammt gar nicht aus dem Neuen Rathaus. Thomas Deist hält den Flyer in der Hand und ist empört: „Die haben uns beklaut“, schreit er in den Saal der vollbesetzten „#Kunst & #Bühne“, die am Samstagabend die „#GummiCelle“ zu Gast hatten.


Nur mit Stirnlampe um den Kopf, ganz sacht und sanft können die drei Kabarettisten sich durch die Tisch- und Stuhlreihen hin zur Bühne bewegen. „Alles dunkel – Stromausfall“, berichten sie ihrem Publikum. Evangelos Tzavaras ist froh, dass für ihn ein Stuhl bereitsteht, um erstmal zur Ruhe zu kommen. Aber keine Sorge, die drei sind gewappnet, immerhin ist ihr Programm mit „#Blackout – Leben hinterm Mond“ überschrieben. Wenn nichts mehr geht, dann gehen Gespräche. Von der konkreten Situationsbeschreibung: „Es ist unheimlich hier, gruselig und gespenstisch“, schlagen die Künstler den Bogen zum Abstrakten: „Das Gespenst des Faschismus geht um in Europa – Ungarn, Italien, Polen.“ „Wir müssen uns erheben!“ „Na, los steh auf!“ „Kann ich nicht, ich bin festgeklebt am Stuhl“, begründet Evangelos sein Sitzenbleiben. „Kleben“ – das Stichwort für die Annäherung an den Puls der Zeit – Energiewende, Robert Habeck, Tempolimit, oder besser kein Tempolimit wegen der FDP, hin zum geistigen Blackout der AfD. Zu dieser gehört Alice Weidel, und schon ist man bei den „rechten Frauen in Europa“ gelandet – Marine Le Pen, Giorgia Meloni.


Das Trio offeriert einen Rundumschlag der aktuellen gesellschaftspolitischen Schlagwörter, Inflation ist eines davon: „Alles wird teurer, nur die Ausreden immer billiger.“ Die „Woke-Debatte“ darf nicht fehlen: „Ich bin ein alter weißer Mann, und das bin ich gerne“, konstatiert Thomas Deist. „Liebe LGBTQ-Plus“, begrüßt Andreas Fiemel zum Start des zweiten Teils die Gäste. Keine Frage, die drei Herren sind offen für die großen Themen, weiten den Blick nach Europa und in die Welt. Keineswegs geben sie sich so, wie sie es den hiesigen Bewohnern unterstellen: „Kleinkariert wie ihre Fachwerkhäuser.“ „Die kennen hier nur eine Kultur – die Streitkultur.“


Thomas Deist und Andreas Fiemel werfen sich beim Thema Celle die verbalen Bälle zu, der Dritte im Bunde mit Migrationshintergrund Evangelos Tzavaras gibt den Zugereisten aus Braunschweig. „In Celle ist immer was los, titelt die CZ“, „CZ, was ist das?“, erkundigt sich Deist. „Na, das Lokalblatt, in dem sich der ‚Gigant von Celle‘ hemdsärmlig im Interview präsentiert“. „Das Zeitalter des Absolutismus ist hier noch nicht beendet. König Nigge will einen Hofstaat errichten, in dem jeder, der ihm nicht nach dem Mund redet, mundtot gemacht wird.“ Der Name des früheren Stadtkämmerers Thomas Bertram, dessen Vertrag der Oberbürgermeister Jörg Nigge nicht verlängert hat, wird genannt. „Der Verwaltung fehlt der Durchblick!“ „Was ist mit dem Stadtrat?“ „Ratlos“. „Dabei könnte sich hier so viel bewegen.“ „Ja, Zweige von abgeholzten Bäumen zum Beispiel.“


Die drei Mitglieder der „GummiCelle“ sind keine Profis, sie betreiben Kabarett als Hobby neben ihren Berufen, vor diesem Hintergrund ist das, was sie für ihr Publikum bereithalten, beachtlich, vor allem gehören sie zu den wenigen, die das lokale Geschehen satirisch beleuchten. So lautete eine der prägnantesten, resümierende Zeile im Laufe des Programms: Man könnte ein großes Plakat ans Neue Rathaus hängen mit der Aufschrift: „Bauerntheater – ganzjährig geöffnet!“



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