Biotop- und Artenschutz: Artenreiche Wegraine fördern

CELLE. Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) organisierte in Kooperation mit dem Bauhof der Samtgemeinde Flotwedel die Wegeseitenrand-Veranstaltung in Bockelskamp. Mehr als 40 Teilnehmende aus Kommune und Politik, Landwirtschaft und Naturschutz folgten Ende August der Einladung in das Dorfgemeinschaftshaus. Vorrangige Zielgruppe waren die Praktiker der Bauhöfe und die Bürgermeister der Ortschaften. Die Idee für die Veranstaltung kam vom „Runden Tisch zum Biotop- und Artenschutz“ im Landkreis Celle, dessen Mitglieder ebenfalls dabei waren.
„Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem“
Dr. Olaf Anderßon, Leiter der Ökologischen Station Flusslandschaft Ilmenau, Luhe und Neetze, stellte seine Projekterfahrungen zur Wegrand- und Gewässerrandpflege im Landkreis Lüneburg vor. Der Biologe machte deutlich, dass für die artenarmen Wegeseitenränder die zu späte Mahd auf nährstoffreichen Böden, der Nährstoffeintrag aus der Luft und das Liegenlassen des Grünschnitts auf der Fläche verantwortlich sind. An ausgefeilten Praxisleitfäden mangelt es nicht. „Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem“, erklärte der Wissenschaftler.
Naturnahe Pflege in der Samtgemeinde Flotwedel
Der Bauhof der Samtgemeinde Flotwedel pflegt 170 Kilometer Wegeseitenränder. Mitarbeiter Markus Finck referierte über praxistaugliche und zugleich naturnahe Maßnahmen, die hier seit Jahren umgesetzt werden. Eine einmalige, 1,5 Meter breite Mahd pro Jahr entlang der Wirtschaftswege gehört dazu. Der übrige Teil zwischen Weg und landwirtschaftlicher Nutzfläche wird sich selbst überlassen. Hier entwickeln sich sukzessiv Heckenstrukturen. Zwecks Biotopvernetzung stellt die Verwaltung jährlich 6.000 Euro pro Gemeinde Materialkosten für Bäume und Sträucher zur Verfügung.
Wegeseitenrandthematik in die Fläche bringen
Kerstin Fricke, Beraterin zum Biotop und Artenschutz der LWK machte deutlich: „Wir wollen mit dem Treffen die Wegeseitenrandthematik in die Fläche bringen, für deren ökologischen Wert sensibilisieren und eine Vernetzungsplattform schaffen zwischen Praktikern und Behörden. Sie hatte für den Bauhof ein grob gefasstes Wegeseitenrand-Konzept erstellt, das auch andere Kommunen in Anspruch nehmen können.
Exkursion zu ausgewählten Wegeseitenrändern
Im Anschluss an die Vorträge folgte eine Exkursion zu ausgewählten Wegeseitenrändern, die Bauhofleiter Sebastian Krüger vorstellte und die mit einem Doppelmessermähwerk gepflegt werden. Die Teilnehmenden informierten sich über die ausgestellte Technik, ebenso über die Zusammensetzung des ausgebrachten Regiosaatgutes aus konkurrenzschwachen Gräsern und einer langen Liste heimischer Kräuter.
Text: Landwirtschaftskammer














