Bald auch in Celle? Die Asiatische Hornisse breitet sich in Norddeutschland aus
- Sheenara Wiebke
- 9. Juni
- 2 Min. Lesezeit

CELLE. Sie breitet sich in Europa aus, jagt heimische Bienen und bedroht die hiesige Imkerei – über die Asiatische Hornisse kursieren viele Mythen, die nicht gerade ein gutes Licht auf das in Südostasien heimische Insekt werfen. Im LAVES-Institut für Bienenkunde forschen zahlreiche Expertinnen und Experten zu Themen rund um Bienen und der Imkerei. CelleHeute hat bei Dr. Otto Boecking nachgefragt, was es mit der Asiatischen Hornisse wirklich auf sich hat.
Der schlechte Ruf eilt ihr voraus
2014 wird die Asiatische Hornisse zum ersten Mal in Deutschland nachgewiesen. Der Blick nach Frankreich verrät: Die invasive Art kann sich bereits innerhalb eines Jahrzehnts im gesamten Land ausbreiten. Ende 2023 kam es zu ersten bestätigten Meldungen in Niedersachsen. Dr. Otto Boecking vermutet auch eine baldige Ausbreitung im Celler Land: "Der nächst gelegene Nachweis aus dem vergangenen Jahr stammt aus Peine. Von daher ist es nur eine Frage der Zeit, dass sie auch in Celle nachgewiesen wird."
Warum die Asiatische Hornisse als Problem gilt
Doch warum ist die Asiatische Hornisse so gefürchtet? In erster Linie geht es um ihre Essgewohnheiten. Erwachsene Hornissen ernähren sich zwar von Blütennektar, Baum- und Obstsäften, ihre Laven benötigen hingegen einen proteinreicheren Speiseplan. "Neben Insekten, Spinnen und Käfern werden auch Aas toter Fische, Vögel und Säugetiere als Proteinquelle für die Larven-Aufzucht genutzt", sagt Dr. Otto Boecking. Auch heimische Honigbienen würden von der Asiatischen Hornisse gejagt werden, wenn sich ein Bienenvolk in der Nähe des Hornissennests befindet. So kämen im Jahr etwa elf Kilogramm Insekten-Biomasse pro Hornissenvolk zusammen.
Keine wissenschaftlichen Belege für Schäden an der Biodiversität
Die Angst, die Asiatische Hornisse würde der heimischen Honigbiene den Garaus machen, hält Dr. Otto Boecking allerdings für unbegründet. Der Proteinbedarf eines Hornissenvolkes steige für gewöhnlich Anfang Juni an. Zu dieser Zeit hätten Bienenvölker bereits ihre maximale Größe überschritten. Auch die Honigernte sei für die meisten Imkerinnen und Imker dann beendet. "Zu dieser Zeit verlieren die Bienenvölker natürlicherweise täglich einige tausend Arbeiterinnen durch Alterung der Bienen. Diese werden zum Teil von den Hornissen erbeutet. Der damit einhergehende Verlust wird jedoch durch den Schlupf junger Bienen im Volk ausgeglichen."

Bislang gäbe es auch keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass die Asiatische Hornisse die Biodiversität negativ beeinflusse, betont Dr. Otto Boecking. Im Gegenteil: Durch ihre Vorliebe für Blütennektar, sei sie ein wertvoller Bestäuber im hiesigen Ökosystem.
""Würde jeder in seinem eigenen Garten mehr Wildwuchs zulassen, würden auch die Insekten davon profitieren."
Wer Bienen und andere Insekten unterstützen möchte, kann schon mit einfachen Maßnahmen helfen: Entscheidend sind ein größeres Nahrungsangebot und mehr Lebensraum. Naturschützer Oliver Boe sieht dabei vor allem im Siedlungsbereich großes Potenzial. Ein vielfältiges Blühangebot könne die Insekten insgesamt stärken und Verluste durch Fressfeinde ausgleichen. Sein Appell: "Würde jeder in seinem eigenen Garten mehr Wildwuchs zulassen, würden auch die Insekten davon profitieren."














