„ASCHEVOGEL. Tim Berresheim“: Ausstellung im Kunstmuseum Celle

CELLE. 3D-Scanner, Plotter, Renderfarm: Tim Berresheim arbeitet mit Werkzeugen, die man eher im Ingenieurbüro vermutet als im Atelier. Heraus kommt trotzdem Malerei, nur tritt sie als Druck, Film oder AR-Skulptur auf. Für die Ausstellung „ASCHEVOGEL“ im Kunstmuseum Celle zieht sie sich als monumentale Tapete über eine sechs Meter hohe Wand: 1,41 Milliarden Bildpunkte groß und in rund tausend Rechenstunden berechnet. Durch die 3D-Brille betrachtet bekommt das Bild schwindelerregende Tiefe. Das Material dafür stammt aus Celle selbst: Schülerinnen und Schüler des Gymnasium Ernestinum haben im Sommer Oberflächen der Stadt abgerieben. Ihre Frottagen bilden die Haut der Figuren. Nachts wandert das Bild nach draußen, dann bespielt eine Projektion den Kubus des Museums.
In fünf weiteren Kabinetten der Ausstellung zeigt Tim Berresheim „Bilder und Voraussetzungen“, das heißt: nicht nur seine Werke, sondern auch deren komplexe Entstehungsprozesse. Am Anfang steht immer Analoges: Fragmente, Schnipsel, Reste – von der Straße und aus dem Gedächtnis geklaubt. Dann kommt jede Menge Rechnerleistung ins Spiel. Aber – vielleicht überraschend? – kein bisschen KI, also: künstliche Intelligenz.
Das Gegenteil ist hier auf allen Ebenen gefragt. Natürliche Intelligenz. Mit radikaler Andersartigkeit fordert Berresheim das Sehen, Denken und Vorstellen heraus. Seine Werke zeigen machtvolle Möglichkeiten. Sie locken mit Tarnung und Illusionen. Sie geben Impulse für Kritik und Haltung. Sie
erden das Digitale in handfesten, körperlich erfahrbaren Ergebnissen. Dabei nimmt der Künstler eine existentielle Frage in den Blick: Wo bleibt der Mensch unverzichtbar?
Die Ausstellung „ASCHEVOGEL. Tim Berresheim“ startet am Sonntag, 20. September, um 11.30 Uhr im Kunstmuseum Celle. Zur Eröffnung begrüßt Nicole Mrotzek, Kulturdezernentin der Stadt Celle. Es sprechen: Künstler Tim Berresheim und Kuratorin Dr. Julia Otto.
Text: Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon














