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Abschied von der Pusteblume: Andrea Tanke gibt Kultladen nach 30 Jahren auf


Andrea Tanke vor der Pusteblume in Winsen an der Aller
Nach 30 Jahren ist Schluss: Andrea Tanke gibt das Winser Kultgeschäft "Pusteblume" auf. (Foto: Sheenara Wiebke)

WINSEN. Es wird ein spürbarer Verlust für die Haupteinkaufsstraße in Winsen. Andrea Tanke gibt ihr Geschäft "Pusteblume" in der Poststraße auf – und das nach 30 Jahren. Die Gründe dafür sind vielfältig. Wenn die Inhaberin an die bevorstehende Veränderung denkt, wechselt ihre Stimmung zwischen Euphorie und Wehmut. "Alles hat seine Zeit – und für mich ist es an der Zeit nochmal etwas Neues anzufangen."


Eine Winser Erfolgsgeschichte


Wohlduftende Cremes und Seifen, feine Liköre und ausgefallene Geschenkartikel: Was als Lädchen für hausgemachte Naturkosmetik begann, ist über die Jahrzehnte zu einer festen Anlaufstelle für eine breite Kundschaft geworden. Andrea Tanke erinnert sich noch gut an ihre Anfänge: "Nach meiner Schwangerschaft wollte ich mich selbstständig machen." Wenn man sie fragt, gehört Naivität eben genauso zu guten Lebensentscheidungen wie Mut.


"Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass ich richtig viel Glück im Leben habe."

Die gelernte Dekorateurin findet nach der Geburt ihres Sohnes zunächst ein passendes Ladengeschäft, fährt auf Messen und kauft Ware ein. Dann die Überraschung: Die fest zugesagten Verkaufsräume stehen plötzlich doch nicht zur Verfügung. Ein anderer Plan muss her. "Dann habe ich das gemacht wie bei Tupper", erinnert sich Andrea Tanke lachend. Ihre Ware verkauft sie kurzerhand aus dem Kofferraum ihres Autos.


Nach einer Weile ergibt sich eine neue Möglichkeit: Sie kann in ein bestehendes Geschäft mit einziehen – die Pusteblume. Malise Diehl und Eva Storr hatten das Geschäft gegründet und sich zunächst auf die Herstellung von Naturkosmetik spezialisiert. Andrea Tanke erweiterte das Sortiment um Dekoartikel. Es sind Momente wie diese, die Andrea Tanke Vertrauen schenken. "Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass ich richtig viel Glück im Leben habe."



Nach und nach kommen Feinkost, Kleidung und Geschenkartikel hinzu. Später folgt der Umzug in ein größeres Ladengeschäft direkt im Dorf. Seit 20 Jahren befindet sich die Pusteblume nun in der Poststraße. Ihre Mitstreiterinnen haben sich nach und nach zurückgezogen – Andrea Tanke ist geblieben.


Geschichten, die nur der Einzelhandel schreibt


In 30 Jahren kann viel passieren – vor allem im Einzelhandel. "Ich könnte ein Buch über Kuriositäten schreiben", sagt Andrea Tanke und lacht. So erinnert sie sich an Kunden, die mit einer frischen Ananas in den Laden kamen und sie als Geschenk verpacken lassen wollten. Gekauft hatten sie nichts – und selbst für den Verpackungsservice wollten sie nicht zahlen.


"Es gibt auch Leute, die sich beraten lassen oder die Qualität prüfen und dann im Internet bestellen."

"Es gibt auch Leute, die sich beraten lassen oder die Qualität prüfen und dann im Internet bestellen", sagt Andrea Tanke und spricht damit eines der größten Probleme des stationären Einzelhandels an. Hinzu kämen steigende Kosten und immer mehr bürokratische Vorgaben. Statt Selbstständige zu entlasten, würden ihnen zunehmend Steine in den Weg gelegt. Unternehmertum werde in Deutschland aus ihrer Sicht nicht mehr ausreichend wertgeschätzt.



Nachfolge nicht ausgeschlossen


Die Schließung möchte Andrea Tanke ganz in Ruhe angehen. Einen konkreten Termin hat sie noch nicht. Fest steht nur: Im Laufe des Jahres wird die Pusteblume ihre Türen schließen. Was sie schon jetzt vermisst? Die Gespräche mit den Kunden, den guten Zusammenhalt mit den Lieferanten, das Miteinander unter den Geschäften und die Winser Feste. In ihren zehn Jahren als Vorsitzende des Winser Gewerbevereins hat Andrea Tanke zahlreiche Veranstaltungen wie das Brückenfest, das jährliche Hasenrasen oder „Winsen brennt“ mit auf den Weg gebracht.


Was aus den Geschäftsräumen wird, weiß Andrea Tanke noch nicht. Eine Nachfolge ist bislang nicht geplant, ausgeschlossen ist sie jedoch auch nicht. Sollte sich jemand finden, wäre sie bereit, zu unterstützen wo sie kann.


Neustart am Meer?


Sie selbst zieht es nach dreißig Jahren Winser Geschäftstreiben nun ans Meer. "Ich habe mich in einen Ort an der Ostsee verliebt." Auch hier zeigt sich wieder ihr Optimismus: "Wenn das nicht klappt, ist es auch okay. Ich habe ja ein schönes Leben hier."



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