15. Niedersächsisches Tierschutzsymposium in Oldenburg
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CELLE/OLDENBURG. Mehr Tierschutz, Verbraucherschutz und Umweltschutz - die Nutztierhaltung in Niedersachsen befindet sich in einem dynamischen Veränderungsprozess. Gemeinsam mit dem Tierschutzdienst des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) arbeitet das Landwirtschaftsministerium seit Jahren kontinuierlich an Verbesserungen in diesem wichtigen Aufgabenfeld.
Das Niedersächsische Tierschutzsymposium, das alle zwei Jahre vom LAVES gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium ausgerichtet wird, ist dabei ein Baustein. Durch den fachlich kollegialen Austausch zwischen Fachleuten und Kommunen, zwischen Wissenschaft und insbesondere der Praxis werden hohe Expertise und Erfahrungen in die Veranstaltung eingebracht. Dr. Andrea Luger, seit 1. März Präsidentin des LAVES, und Frauke Patzke, Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium, haben heute das 15. Niedersächsische Tierschutzsymposium im ehemaligen Landtag in Oldenburg eröffnet.
Das Symposium dient Amtstierärzten, Vertretern aus Landwirtschaft, Wissenschaft und Tierschutzorganisationen als Fortbildungsveranstaltung und als Erfahrungsaustausch. „Es sollen neue wissenschaftliche Erkenntnisse und in der Praxis erprobte, erfolgreiche Modelle der Tierhaltung weitergegeben und bekannt gemacht werden“, so Dr. Andrea Luger, Präsidentin des LAVES.
Zu der zweitägigen Fachtagung am 5. und 6. März werden mehr als 140 Teilnehmende sowie 18 Referierende aus dem gesamten Bundesgebiet erwartet.
„Tierschutz und Tierwohl sowie der Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft sind ein wesentlicher Teil der politischen Agenda der niedersächsischen Landesregierung“, sagt Frauke Patzke, Staatssekretärin des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Hierzu leistet die konsequente Umsetzung des „Tierschutzplans Niedersachsen“ einen wichtigen Beitrag.
Ein bedeutender Schritt für den Tierschutz betrifft die Anbindehaltung von Rindern: Sie soll in Niedersachsen untersagt werden. Das Ministerium hat kürzlich ein Ausstiegskonzept vorgestellt, das im Rahmen des Tierschutzplans in der Arbeitsgruppe Rinder erarbeitet und gemeinsam mit Landwirtschaft sowie Tierschutzverbänden präsentiert wurde. „Vor dem Hintergrund einer mittlerweile jahrzehntelangen Debatte gehen wir in Niedersachsen zum Wohl der Tiere einen eigenen Weg, um langfristig die Anbindehaltung von Rindern zu beenden.“ Der Tierschutzplan wurde unter dem damaligen Landwirtschaftsminister Gert Lindemann im Jahr 2011 mit dem Ziel des Ausstiegs aus der Anbindehaltung beschlossen.
Das Themenspektrum des Symposiums ist breit gefächert, der Schwerpunkt liegt auf der Nutztierhaltung. Ziel der Veranstaltung ist die Diskussion und Umsetzung neuer Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis zur Weiterentwicklung des Tierschutzes. Ein Themenblock befasst sich mit der Rinderhaltung. So wird die Weidehaltung von Rindern unter tierschutzfachlichen Gesichtspunkten in einem Vortrag näher beleuchtet. In einem weiteren Beitrag wird über Erfahrungen aus der Praxis eines Landkreises mit einer besonderen Situation berichtet: Über mehrere Monate hielt sich eine entlaufene Gallowayherde in freier Natur auf. „Die Rinder zeigten bereits nach kurzer Zeit wieder natürliche Verhaltensweisen, ganz im Sinne ihrer wilden Vorfahren. So verbrachten die Tiere den Tag im dichten Unterholz und kamen erst in der Abenddämmerung auf freie Flächen, um dort auf Wiesen oder Feldern Ackerfrüchte zu fressen“, heißt es in dem Bericht. Über Monate gelang es jedoch nicht, die Tiere einzufangen – „Die Galloways sind los – ein Landkreis im Ausnahmezustand“.
Auch Fragen rund um das Vorführen von Rindern auf Schauen werden thematisiert. Der Vortrag „Fitting & Showing? Tierschutzgerechtes Vorbereiten auf das Vorführen von Rindern auf Schauen“ erläutert entsprechende Vorgaben.
Die Herausforderungen im Tierschutz sind vielfältig. Dazu gehört unter anderem die Gruppenhaltung von Sauen mit Ferkeln, auch Gruppensäugen genannt. Diese Form der Haltung, die bisher vor allem in der ökologischen Schweinehaltung genutzt wird, kommt dem natürlichen Verhalten der Tiere entgegen und ermöglicht ihnen, bei entsprechender Gestaltung der Umgebung eine arttypische Sozialstruktur auszubilden. Das Interesse an dieser Haltungsform hat auch bei konventionellen Erzeugerbetrieben zugenommen. Mit den damit verbundenen Fragen beschäftigt sich der Vortrag „Die Gruppenhaltung von ferkelführenden Sauen aus tierschutzrechtlicher und tierschutzfachlicher Sicht“. Ein weiterer Beitrag stellt Projektergebnisse zur Einzel- und Gruppenhaltung in der ökologischen Tierhaltung vor.
Auch die Haltung von Puten wird thematisiert. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat kürzlich die landwirtschaftliche Putenhaltung bewertet. In dem Gutachten werden unter anderem Probleme wie zu hohe Besatzdichten, feuchte Einstreu oder Federpicken beschrieben. Der Vortrag „Freiland-Puten. Unsere Haltung ist der Unterschied“ stellt Erfahrungen vor, wie Puten auch im Freiland erfolgreich gehalten werden können.
Das Tierschutzgesetz schützt alle Tiere, die sich in menschlicher Obhut befinden. Daher werden in einem weiteren Vortrag auch Mindestanforderungen an die Haltung von Nutzfischen sowie Hinweise zur tierschutzgerechten Schlachtung vorgestellt.
Text: Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit














