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„Wolfsmanagement hat weitestgehend versagt“

Der Wolf ist weiterhin auf dem Vormarsch.

LÜSCHE/STEINHORST. Wolf versus Weidetier! Städter gegen Dorfbewohner! Streichler gegen Hasser! Rund fünf Jahre liegt dieser Auftakt eines mit „Wolfsmüde“ überschriebenen Artikels in der lokalen Presse des Landkreises Celle zurück. „Wolfswut“ hatte der SPIEGEL im Januar 2019 getitelt. Obwohl in den Jahren, die seitdem vergangen sind, die Regierungen wechselten, neue Verordnungen erlassen, Beschlüsse gefasst, Brandbriefe geschrieben sowie Resolutionen und Erklärungen an die politisch Handelnden übermittelt wurden - an der grundsätzlichen Problematik, die die Rückkehr Isegrims nach Deutschland vor mehr als 20 Jahren auslöste, hat sich nichts geändert. Die vor fünf Jahren verwendeten Titel sind heute so gültig wie damals. Getan hat sich dennoch etwas, denn Erkenntnisse sind gereift, Erfahrungswerte konnten gesammelt, Prognosen und Thesen widerlegt werden.


Auch EU-Abgeordnete Düpont war zu Gast


Eine aktuelle Veranstaltung, auf der dieses deutlich wurde, fand am Wochenende in Lüsche (Kreis Gifhorn) im Saal der Familie Pelzer statt. Die FREIEN WÄHLER hatten unter anderem den Dozenten für Wildökologie und Jagdwirtschaft an der TU Dresden, Prof. Dr. Dr. Sven Herzog, sowie die EU-Abgeordnete der CDU, Lena Düpont, zu Gast. Der gelernte Förster Herzog hielt seinen Vortrag „Wolf – wie weiter?“ vor einem fachkundigen Publikum, insofern als dass etliche Zuhörer im voll besetzten Saal mit dem Thema aus der Sicht von Förstern, Jägern oder Tierhaltern bereits in Berührung gekommen waren.


„Hat unser Wolfsmanagement versagt?“, fragte der Experte rhetorisch und antwortete mit „Ja, weitestgehend, rund 25 verlorene Jahre.“


Experte fordert: Akzeptanzmonitoring einführen


„Es ist wichtig, dass wir faktenbasiert diskutieren. Wölfe sind weder Bestien noch heilige Tiere. Wir sollten sie normal behandeln“, betonte er zum Auftakt seines Referates und ergänzte, der fachliche Umgang sei gar nicht so schwer: „Um die Situation zu lösen, braucht es den politischen Willen.“


„Es ist wichtig, dass wir faktenbasiert diskutieren. Wölfe sind weder Bestien noch heilige Tiere."

So sei zum Beispiel der viel zitierte Begriff „Erhaltungszustand“ kein biologischer, sondern ein hausgemachter naturschutzpolitischer Begriff. Lege man seine gängige Definition aktuell zugrunde, dann sei dieser mittlerweile erreicht. Die Zahl der erfassten Wölfe belaufe sich für Deutschland auf 1500 bis 3000, die Zahl der Übergriffe auf Nutztiere, darunter auch Pferde und Rinder, steige.


Prof. Dr. Dr. Sven Herzog hielt den Vortrag „Wolf – wie weiter?“ (Foto: Anke Schlicht)
Prof. Dr. Dr. Sven Herzog hielt den Vortrag „Wolf – wie weiter?“ (Foto: Anke Schlicht)

„Wenn davon gesprochen wird, dass Übergriffe abnähmen, dann liegt dieses darin begründet, dass weniger gemeldet wird“, denn die Erfahrungen mit Wolfsberatern seien nicht immer positiv. Man müsse sich rechtfertigen, die belastende Situation, in der sich Tierhalter nach Rissen befänden, würde nicht ausreichend berücksichtigt.


Wolfsberater sollten nach Herzogs Meinung auch im Umgang mit Menschen geschult werden. „Die gesellschaftliche Akzeptanz ist so wichtig“, betonte der Experte, auf keinen Fall dürfe es so weit kommen, dass Betroffene die vermeintliche Lösung des Problems selbst in die Hand nehmen.


„Die Wölfe müssen erkennen, dass der Mensch gefährlich und daher zu meiden ist.“

„Die Stimmung in der Bevölkerung sollte erfasst werden, wir brauchen ein Akzeptanzmonitoring“, forderte der Wissenschaftler ebenso wie konsequentere und wirksamere Entnahmeregelungen. „Die Wölfe müssen erkennen, dass der Mensch gefährlich und daher zu meiden ist.“ Die Bejagung sei hierfür jedoch nicht das richtige Mittel. Wolfsfreie Zonen hält Herzog nicht für sinnvoll, wolfsarme Zonen durchaus. Ausführlich stellte Sven Herzog den Umgang mit Isegrim in anderen europäischen Ländern vor. „Langfristig müssen wir von ihnen lernen!“


Schutzstatus des Wolfes herabstufen


Der deutschen Wolfspolitik liegt zugrunde, dass der Beutegreifer immer noch als eine in seinem Bestand gefährdete Art gilt und deshalb streng geschützt werden müsse. So gibt es die entsprechende FFH-Richtlinie der EU vor, die nach „streng geschützten“ und „geschützten“ Arten unterscheidet. Ihre Umsetzung regelt in Deutschland das Bundesnaturschutzgesetz.


Die EU-Kommission unterbreitete im Dezember des vergangenen Jahres den Vorschlag, den Status von „streng geschützt“ auf „geschützt“ herabzustufen. Für dieses Ziel bedarf es einer Voraussetzung. „Die Berner Konvention anzupassen ist einer der Schlüssel zur Lösung des Problems“, erläuterte die EU-Abgeordnete der CDU Lena Düpont.


Volles Haus zum Vortrag über den Wolf.
Volles Haus zum Vortrag über den Wolf. (Foto: Anke Schlicht)

In der Konvention außerhalb des EU-Rechtswesens haben sich 51 vor allem europäische Staaten zur Protektion wildlebender Tiere, Pflanzen und ihrer Lebensräume verpflichtet. „Der niedersächsische Umweltminister Christian Meyer verweist immer auf die EU, wenn es um den Wolf geht, aber der Schlüssel liegt auf Bundesebene. Die EU kann nur den Rahmen herstellen“, ergänzte die Gifhorner Politikerin, bevor der aufschlussreiche Satz fiel: „Es gibt zwei große Blockierer für die Änderung der Berner Konvention, und das sind Spanien und Deutschland. Die beiden Länder lenken in eine ganz andere Richtung.“


„Der Schlüssel liegt auf Bundesebene. Die EU kann nur den Rahmen herstellen“

Am intensiven Applaus zum Abschluss des Nachmittags war abzulesen, dass selbst einem fachkundigen Publikum im Verlaufe dieser Veranstaltung Inhalte geboten worden waren, die das komplexe und scheinbar unendliche Thema Wolf erhellten.

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