„Wir sind nicht neutral“ – Bergen-Belsen-Gedenkstätte startet Demokratiekampagne
- Stefan Kübler
- vor 1 Tag
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BERGEN. Im September wird in Deutschland viel gewählt. Unter anderem steht am 13. September die Kommunalwahl in Niedersachsen an, bei der auch die Menschen in Stadt und Landkreis Celle aufgerufen sind, ihre Stimmen für neue Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie Ortsräte und vieles mehr abzugeben. Aktuell wird viel diskutiert, verhandelt und gestritten, wie es sich in einer Demokratie gehört. Aus Sicht der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, zu der auch die Gedenkstätte Bergen-Belsen gehört, sind derzeit aber viele Versuche zu beobachten, die polarisieren und die Gesellschaft spalten sollen. Mit der Kampagne „Wir sind nicht neutral“ ruft sie dazu auf, demokratisch zu handeln und zu wählen.
„In Zeiten der Gefahr dürfen wir nicht neutral bleiben.“
„Demokratie lebt davon, vielfältige Interessen und Bedürfnisse zuzulassen und immer wieder Kompromisse auszuhandeln, (…) die auch Minderheiten die Möglichkeit geben, frei zu leben“, heißt es in einer Mitteilung der Stiftung. Der Versuch einer Spaltung gefährde dieses Zusammenleben. „Einen Extremfall einer Partei, die demokratisch legitimiert die Demokratie abgeschafft, Politik ausschließlich für ein rassistisch geprägtes ,Wir‘ gemacht und auf dieser Grundlage eine brutale Verfolgungs- und Vernichtungspolitik gegen politische Gegner und Minderheiten geführt hat, zeigt uns die Geschichte des Nationalsozialismus.“ Die Stiftung schließe sich den Worten des Bergen-Belsen-Überlebenden Ivan Lefkovits an, der sagte: „In Zeiten der Gefahr dürfen wir nicht neutral bleiben.“ Neutralität sei eine Last für die Überlebenden und so viele Jahre nach dem Holocaust bedeute sie eher Feigheit.
Gedenkstätten wappnen sich gegen rechtsextreme Einflussnahme
Die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten blickt mit Sorge auf eine Zukunft, in der eine rechtsextreme Partei demokratisch an die Macht kommt. „Der Nationalsozialismus war eine Zeit, in der Hass mit Mitteln der Propaganda gegen bestimmte Gruppen geschürt wurde und diese Hetze in Ausgrenzung und später in Verfolgung und Mord mündete“, sagte Dr. Elke Gryglewski, Leiterin der Gedenkstätte Bergen-Belsen, auf CelleHeute-Anfrage. „Deswegen warnen wir frühzeitig vor antisemitischen, rassistischen und anderen menschenfeindlichen Äußerungen.“
Gedenkstätten seien eng mit der Geschichte der Demokratie verknüpft und würden verstärkt seit 2015 angegangen. „Konkrete Beispiele aus anderen Bundesländern zeigen, dass versucht wird ihnen die nötigen finanziellen Mittel zu entziehen und Einfluss auf Inhalte genommen werden soll“, so Dr. Elke Gryglewski weiter.
Für demokratische Kontroversen ohne Hass und Hetze
Mit der Kampagne „Wir sind nicht neutral“ betont die Stiftung die Wichtigkeit von sachlich und demokratisch geprägten Kontroversen. „Die Grenze ist aber erreicht, wenn dabei menschenverachtende Äußerungen und Falschaussagen genutzt werden, die Hass und Hetze erzeugen“, sagte Dr. Elke Gryglewski. Mit Slogans wie „Diskriminierung ist keine Meinung“ und „Hass und Hetze haben in Demokratien keinen Platz“ wird die Kampagne unter anderem in den Sozialen Medien verbreitet. Weitere Gedenkorte wie die Euthanasie Gedenkstätte Lüneburg, die Gedenkstätte Lager Sandbostel und das Kreismuseum Wewelsburg in Nordrhein-Westfalen haben sich der Aktion angeschlossen.














