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Wietzer Schacht Steinförde – Wiederbelebung nach 100 Jahren


Thor Noevig, Thomas Finkeldey und Wolfgang Genannt nehmen den Schacht in Augenschein Fotos: Anke Schlicht

WIETZE. Der Schacht Steinförde ist offen - für die Medienpräsentation, zu der das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) am heutigen Vormittag nach Wietze eingeladen hat, haben Facharbeiter den Deckel mit Hilfe eines Baggers im Vorfeld beiseitegelegt. Nun kann hinabgeschaut werden in den 730 Meter tiefen Schacht, der einst dem Abbau von Kalisalz diente – entdeckt Anfang des 20. Jahrhunderts als Nebenprodukt der Ölförderung in Klein Texas, wie Wietze auch genannt wurde.


Thomas Finkeldey, zuständig für Gefahrenabwehr im Altbergbau beim LBEG, und die Geothermie-Experten Thor Noevig und Wolfgang Genannt sind im Dauereinsatz, um zu erläutern. Langfristig gesehen bereitet der eine den beiden anderen das Terrain. „Seit 100 Jahren ist der Schacht ungenutzt“, sagt der Vorsitzende des Celler Vereins GeoEnergy Thor Noevig. Von 1907 an wurde Kalisalz gefördert, im Jahr 1923 wurde das Bergwerk stillgelegt und später geflutet, aber nicht verfüllt mit einem Feststoff.


Nun besteht die Chance, dass es einer neuen Verwertung zugeführt wird. „Es hat ein Umdenken stattgefunden“, sagt Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Klußmann während des Ortstermins. Der frühere Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann setzte sich noch in den letzten Tagen seiner Amtszeit vor der Landtagswahl im Oktober 2022 dafür ein, dass das Geothermiepotential ausgelotet wird unter Begleitung der Experten von GeoEnergy sowie der Technischen Universität Clausthal und weiterer Hochschulen.


Der Beginn der Vorbereitungsarbeiten steht unmittelbar bevor. „Wir wollen zunächst herausfinden, in welchem Zustand sich der Schacht befindet, welche Standfestigkeit er aufweist“, erklärt Thomas Finkeldey vom zuständigen LBEG. „Wir tragen Schutt, Betonbänke und anderes Material ab.“ Die Schachtöffnung hat einen Durchmesser von 5 Meter, dieser soll mit einer Arbeitsbühne abgedeckt werden, um Messgeräte herunterzulassen, die Daten erheben, die sowohl für die Gefahrensicherer beim LBEG als auch für die spätere Geothermieanalyse wichtig sind. Bis Juni sollen diese Tätigkeiten abgeschlossen sein, dann wird ein Bericht erstellt, auf dem eine Machbarkeitsstudie für die Tiefengeothermie aufbauen kann.


„Wir sind die ersten, die seit 100 Jahren wieder reinfahren“, merkt der Fachmann für Gefahrenabwehr im Altbergbau an, bevor Thor Noevig einen Blick in die Zukunft wirft: „Wir wollen das wärmetechnische Potential ermitteln und könnten uns vorstellen, dass es ausreicht für ein Nahwärmenetz, das das umliegende Quartier versorgt. Wir hoffen, dass es ein Pilotprojekt wird.“ Der stellvertretende Vorsitzende von GeoEnergy Wolfgang Genannt bekräftigt: „Es kann ein Leuchtturmprojekt werden.“ Doch zunächst muss herausgefunden werden, wie tief man heruntergehen kann, welche Temperaturen man dort vorfindet, die Leitfähigkeit muss gemessen werden. Für diese Zwecke werden Sonden eingesetzt.


Derzeit gibt es noch keine Tiefengeothermieprojekte in Niedersachsen. Der Pressereferent des LBEG Eike Bruns spricht von einer außergewöhnlichen Chance vor dem Hintergrund, dass es landesweit zwar rund 3.000 Schächte gebe, „aber nur zehn, die die notwendigen Voraussetzungen erfüllen für Geothermieanalysen.“ Bruns betont: „Wir betreten gemeinsam Neuland im früheren Ölparadies und können damit eine Vorreiterrolle einnehmen.“



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