"Was will das Leben von mir?" - Das Wort zum Montag, Folge 121





Ferien. Das Ende des Schuljahrs ist erreicht. Für viele Schüler:innen sogar das Ende ihrer Schulzeit. Und bei Abschlussfeiern oder auch bei Berufsberatungen empfiehlt man den jungen Erwachsenen, sich Fragen zu stellen: Was ist mein Lebensziel? Was will ich vom Leben? Welche Dinge sind mir wirklich wichtig – Dinge, die ich nicht nur deshalb tue, weil ich anderen gefallen will oder sie beeindrucken. Wenn man die Antworten hat, dann soll man sein Leben wie einen Geschäftsplan organisieren: Ziele beschreiben, Meilensteine setzen, die Umsetzung messen. Fähig sein zur Selbstbestimmung. Oder mit einem Zitat von William Ernest Henly: „Ich bin der Herr meines Schicksals/ich bin der Kapitän meiner Seele.“

Das sind wichtige Fragen, aber diese Fragen sind, meine ich, nicht alles. Scherzhaft sagen wir manchmal zu den jungen Erwachsenen, dass jetzt der Ernst des Lebens beginnt. Dass sie eben arbeiten und sich noch stärker disziplinieren müssen, um ihre Ziele zu erreichen.

Der Spruch vom Ernst des Lebens, er bewahrt für mich noch eine andere Dimension. Dass es neben Selbstverwirklichung, guter Stimmung und dem Vermeiden von Schmerz, um noch eine Ernsthaftigkeit im Leben geht. In früheren Zeiten fragte man nach dieser Dimension nicht mit: Was will ich vom Leben? Man stellt stattdessen eine Reihe umgekehrter Fragen: Was will das Leben von mir? Welche Handlungsweise verlangen meine Lebensumstände von mir? In dieser Perspektive sind wir nicht die Schöpfer:innen unseres Lebens, vielmehr nimmt uns das Leben selbst in die Pflicht.

Wohin hat mich das Leben zufällig hingesetzt? Die Erde, das Leben sind schon lange vor uns da und werden auch nach uns da sein. Durch Schicksal, Zufall oder durch Gott finden wir uns an einem bestimmten Ort, vor bestimmten Herausforderungen und Krisen. 2022 im Sommer, in dem die Trockenheit den Urlaub mit Bränden herausfordert, indem unsere Solidarität mit der Ukraine vielleicht bald mehr von uns fordert, als unser Profilfoto mit einer ukrainischen Flagge zu verzieren …

Die Frage: Was will das Leben von mir? Und meine Antwort darauf, sind, glaube ich etwas, was wir brauchen werden angesichts der dunklen Wolken am Zukunftshimmel. Sie bereiten uns vor, Haltung zu bewahren, Charakter zu zeigen, demokratisch zu bleiben, wenn das Wohl anderer Menschen uns etwas kosten wird.

Übermorgen ist der 20. Juli, wo wir uns an die Widerstandskämpfer:innen gegen Hilter erinnern, ihr Ringen darum, das Richtige zu tun, zu erkennen, wem sie verpflichtet sind. Haltung bewahren, Charakter zeigen, sich dem Leben verpflichten, das hat auch einen Preis.

Wie findet man also seinen Weg? Feredrick Buechner hat es mal so ausgedrückt: Der Platz, an den Gott dich stellt, liegt dort, wo Deine Freude und der tiefe Hunger der Welt sich treffen.“

Haben Sie einen schönen Sommer und Zeit für die Frage: Was will das Leben von mir?

(Ich habe mich dicht orientiert an dem spannenden Buch von David Brooks: Charakter. Die Kunst, Haltung zu zeigen)

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