Proteste erfolglos: Bundestag beschließt neue Bahnstrecke durch den Landkreis Celle

CELLE. Jahrelang ist diskutiert und protestiert worden, jetzt ist es beschlossene Sache: Der Bundestag hat entschieden, dass zwischen Hannover und Hamburg eine neue Bahnstrecke gebaut werden soll. Am späten Donnerstagabend stimmten laut Bundestag 414 Abgeordnete für den Neubau, 132 waren dagegen. Enthaltungen habe es nicht gegeben. Zuvor hatte bereits der Verkehrsausschuss des Bundestages empfohlen, den Plänen für eine neue Bahnstrecke zuzustimmen. Neben den Verkehrsexperten bevorzugen auch die Deutsche Bahn und mehrere Bundesländer und Landkreise den Neubau. Der Landkreis Celle gehörte bisher nicht dazu.
250 Millionen Euro für Verbesserungen auf Bestandsstrecke
Der Beschluss des Bundestages beinhaltet gleichzeitig auch Verbesserungen auf der Bestandsstrecke über Celle, Uelzen und Lüneburg. Nach Medienberichten geht es dabei beispielsweise um einen Ausbau des Lärmschutzes, der über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen soll sowie der Bau neuer Regionalbahnhöfe im Landkreis Harburg und im Heidekreis. Insgesamt sollen 250 Millionen Euro in die Aufwertung der Bestandsstrecke gesteckt werden.
Schutz der „Rampe Bergen“ soll beachtet werden
Wichtig für den Landkreis Celle ist, dass in dem Beschluss des Bundestages festgehalten wird, dass bei der Trassenführung der neuen Strecke auf den Schutz der Gedenkstätte Bergen Belsen geachtet wird. Bei der ursprünglichen Planung hätte die neue Trasse mitten durch den Gedenkort „Rampe Bergen“ geführt und das Mahnmal an der Winsener Straße vom Verladebahnhof abgeschnitten. Die neue Streckenvariante soll nun ein paar hundert Meter weiter südwestlich am Mahnmal vorbeiführen. Die Folge ist, dass Bleckmar dann nicht mehr im Westen, sondern im Osten umfahren wird.
„Wir brauchen jetzt eine Verbesserung und nicht erst in Jahrzehnten!"
Der Landkreis Celle hatte sich bis zuletzt vehement gegen den Neubau ausgesprochen, weil er durch weite Teile des Kreisgebiets verlaufen soll. Auch nach der Entscheidung des Bundestages überwiegt die Skepsis. „Ich hoffe, dass die Zusagen für die Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Bestandstrasse dieses Mal eingehalten, und dass diese Maßnahmen unverzüglich umgesetzt werden. Wir brauchen jetzt eine Verbesserung und nicht erst in Jahrzehnten!“ , äußerte sich Landrat Axel Flader gegenüber CelleHeute. Trotz des Beschlusses sei es aus seiner Sicht nicht absehbar, ob der Neubau nicht an fachlichen und rechtlichen Hindernissen scheitern werde. „Falls es doch zu dem Bau kommen sollte, erwarte ich, dass es dann auch zu Verbesserungen des schienengebundenen Verkehrs für die örtliche Bevölkerung führen wird.“
Stadt Bergen sieht möglichen neuen Bahnhof skeptisch
Weitere Kommunen hatten sich in der Vergangenheit der ablehnenden Haltung der Landkreisverwaltung angeschlossen. Kurz vor der Entscheidung hatte beispielsweise Bergens Bürgermeisterin Claudia Dettmar-Müller ihre Bedenken zum Neubau geäußert. „Das bedeutet für unsere Stadt große Herausforderungen für die Zukunft“, sagte sie am Donnerstag in einem Statement bei Instagram. Sie bezog sich dabei unter anderem auf den möglichen neuen Regionalbahnhof für Bergen. Der Bau dieses Bahnhof liege nicht in der Hand der Deutschen Bahn, sondern die Finanzierung würde beim Land Niedersachsen und der Stadt Bergen liegen. Das Land habe dem bereits eine Absage erteilt. „Die Stadt Bergen ist als defizitäre Kommune in der Herausforderung, dass sie diese finanziellen Aufwendungen nicht aufbringen kann.“
Zeitplan unklar, Fertigstellung bis etwa 2050 geplant
Auch die Gemeinden Hambühren, Südheide und Winsen (Aller) hatten sich zuletzt gegen einen Neubau der Bahnstrecke ausgesprochen. Als Gründe wurden unter anderem Eingriffe in die Natur und Belastungen für Anwohnerinnen und Anwohner genannt. Der genaue Zeitplan für den Neubau ist noch unklar. Laut Medienberichten ist die Fertigstellung bis etwa 2050 geplant. Die Kosten sollen bei circa 8,8 Milliarden Euro liegen.
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