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"Normaler Ölsand" oder Gefahr für Gesundheit? Wietzer suchen Antworten





WIETZE. „Betreten verboten – #kontaminierter Bereich“ war an dem Zaun zu lesen, der den früheren Standort einer Erdölraffinerie abschirmte. Dort mussten Altlasten im Auftrag der Eigentümerin "RWE Dea" beseitigt werden - von #Ölschlamm und Ölresten war die Rede. Mittlerweile ist diese #Sanierung zwölf Jahre her, seitdem liegt das Gelände brach. Nur der Besitzer hat gewechselt, verantwortlich ist inzwischen die "#Wintershall Dea".


Alle Spuren der #Raffinerie, die bis in die 1920er Jahre hinein betrieben wurde, scheinen getilgt. Kein Gebäude steht mehr, kein Schild, das erinnert - lediglich der Straßenname gibt einen Hinweis. Doch wer den Blick auf den Boden richtet, vielleicht weil ihm ein teerartiger Geruch in die Nase gestiegen ist, sieht – es ist nicht alles verschwunden.


"Altlasten kein Geheimnis"

Entlang des 15.000 Quadratmeter großen Areals an der #Raffineriestraße tritt eine zähflüssige Substanz an die Oberfläche, die je nach Witterung eine unterschiedliche Konsistenz aufweist, mal mehr, mal weniger geruchsintensiv ist. “Es stinkt im Sommer, als wenn die Straße frisch geteert wurde – nur täglich. Kann mir nicht vorstellen, dass dies gesund ist. Es treten auch jedes Jahr mehr Flecke zu Tage“, berichtet ein Anwohner.


Woher diese Vorkommen rühren, ist kein Geheimnis. Auf Nachfrage von CELLEHEUTE bezieht sich der Sprecher der Wintershall Dea, Derek Mösche, auf die Rekultivierungsarbeiten 2010. Er bestätigt mit seinen Ausführungen die Beobachtungen von Anliegern, wonach eine Flüssigkeit vom Seitenrand der für den Bodenaustausch ausgehobenen Grube stetig in diese hineinlief. Am Rand zur Straße hin sei daraufhin eine Folie eingezogen worden. „Um eine Beschädigung der Straße (Kurve) zu verhindern, wurde ein Böschungswinkel von etwa 45 Grad mit ölhaltigem Sand nicht ausgetauscht. Die Folie wurde eingezogen, um eine Verunreinigung des neuen, sauberen Füllsandes mit Öl zu vermeiden. Den Landkreis Celle hatten wir damals über das Vorgehen informiert“, teilt Mösche schriftlich mit.


„Ob der Landkreis über die zähflüssige Masse informiert wurde, lässt sich nicht nachvollziehen“

Während eines Ortstermins Ende Oktober dieses Jahres berichtet er von Verkaufshandlungen mit der Gemeinde Wietze. Die Wietzer Baudezernentin Ute Harms bestätigt gegenüber CH, Gespräche mit dem Unternehmen zu führen, um das Gelände zum Zweck von Bauland zu erwerben. Die Nachfrage sei groß. Bürgermeister Wolfgang Klußmann spricht einige Wochen später – zwischenzeitlich, am 10. November, hatte der Bauausschuss getagt – nicht mehr von Bauland, sondern von Ausgleichsflächen für andere Bebauung.


Bedenken, das ehemalige Raffineriegelände in ein Neubaugebiet zu verwandeln, gab es von Seiten der Wietzer Gemeinde nicht. Die damalige Sanierung sei von einem unabhängigen Sachverständigen für Altlastenuntersuchung begleitet worden, dieser habe keine Gefährdung über den sogenannten "Wirkungspfad Boden – Mensch" festgestellt und eine uneingeschränkte Nutzung bescheinigt. Eine Abnahme von Seiten des Landkreises ist nie erfolgt. Der Landkreis sieht sich nicht in der Verantwortung, ihm lägen zwar Berichte vor, aber die Firma habe auf Eigeninitiative gehandelt, eine Pflicht zur Meldung habe nicht bestanden.


"Keine Gefahr für die Gesundheit" - aber direkt gegenüber aufwendige Altlastensanierung"

„Ob die Firma den Landkreis auch über die zähflüssige Masse informiert hat, lässt sich aus den Akten nicht mehr nachvollziehen“, teilt Landkreissprecher Tore Harmening mit. Der Wietzer Bürgermeister Wolfgang Klußmann stuft die Substanz zwischen Straße und Grundstück als den im Ort nicht unüblichen Wietzer Ölsand ein, der keine Gesundheitsgefährdung darstelle. Eine Erklärung, wieso es sich an dieser Stelle nicht um Altlasten wie am unmittelbar angrenzenden Areal oder einem Mix aus beidem handeln solle, liefert er nicht - und eine Untersuchung auf gemeindeeigenem Grund stellt er ebenso wie der Landkreis nicht in Aussicht.


"In die Biotonne gehört das bestimmt nicht - Eine Analyse könnte Sicherheit geben"

Bei der Frage, was sich denn auf dem direkt gegenüberliegenden 200 Quadratmeter großen Grundstück, das derzeit von der Wintershall Dea aufwendig und für einen sechsstelligen Betrag von Altlasten befreit wird (s. Fotos, CH berichtete), befunden habe, muss er passen. Dieses sei nicht bekannt. Der Landkreis spricht davon, die Altlasten dort gingen auf den Rückbau der Raffinerieanlagen zurück.


Einige Anwohner fühlen sich indes alleingelassen. Eine Analyse der an der Oberfläche auftretenden Substanz würde Sicherheit geben. „Man fragt sich da schon, was ist, wenn sowas auch auf meinem Grundstück ist? In die Biotonne gehört das bestimmt nicht. Und einen höheren sechsstelligen Betrag zur Sanierung habe ich leider auch gerade nicht“, sagt ein Hausbesitzer in unmittelbarer Nachbarschaft.

Fotos: Michael Schäfer



Der Landkreis erklärt im Wortlaut:

Wietze ist ein sehr besonderer Landstrich, was das natürliche Auftreten von Rohöl an die Oberfläche angeht. Davon ab hat Wintershall/DEA den Landkreis 2010 über die Sanierung des Bodens auf dem von Ihnen benannten Grundstück informiert, ob auch über die zähflüssige Masse, lässt sich aus den Akten nicht mehr nachvollziehen. Die Firma hat in diesem Bereich auf Eigeninitiative gehandelt und uns den Abschlussbericht eines Gutachters zukommen lassen, eine Pflicht zur Meldung an den Landkreis bestand nicht.


Im Erdölfeld Wietze ist die Lagerstätte auf verschiedene Weise ausgebeutet worden. Teilweise wurde das Öl- Wasser- Sandgemisch durch Pumpen oder auch mit Schlämmbüchse gefördert. Dadurch gelangte der Ölsand an die Oberfläche, örtlich sieht man heute noch Ölsandhaufen und kann mittels flacher Bohrungen damit gefüllte Mulden finden. Manchmal findet man im Untergrund auch fließfähige Ölphasen, deren Herkunft nicht ganz klar ist. Vielleicht sind es Hinterlassenschaften der Aufbereitung oder Lagerung des Öles. Je nach den tatsächlichen Gegebenheiten und den Witterungsverhältnissen kann z.B. der Ölanteil des Ölsandes fließfähig werden und zutage treten. Um eines der möglichen Phänomene könnte es sich auch bei den von Ihnen angesprochenen Masse handeln. Die von Ihnen angesprochene aktuell laufende Sanierung bezieht sich nach unserer Kenntnis auf die Sanierung einer Altlast, deren Ursache vermutlich der Rückbau der Raffinerieanlagen ist. In Bezug auf das Grundwasser ist es bekannt, dass es in Teilbereichen des Wietzer Erdölfeldes auf dem Grundwasser natürlich bedingt eine aufschwimmende Ölphase gibt. Das Erdöl tritt hier aus der Erdöllagerstätte in den grundwassererfüllten Bereich ein und schwimmt dann aufgrund der geringeren Dichte auf dem Grundwasser auf. Man kann dieses natürliche Phänomen nicht verhindern, auch eine Kartierung ist nicht möglich.


Wietzes Bürgermeister Wolfgang Klußmann erklärt im Wortlaut:

"Nach Ankündigung der Wintershall Dea Deutschland GmbH 2018/2019, den Standort Wietze aufzugeben und die wesentlichen Teile des Grundvermögens aufgeben zu wollen, wurde ein grundsätzliches gemeindliches Interesse der Gemeinde Wietze an verschiedenen Flächen, u.a. auch der in Rede stehenden Fläche an der Raffineriestraße an Wintershall Dea gemeldet.

Die Fläche wurde auf eigenständiges Betreiben der damaligen Eigentümerin RWE Dea AG rekultiviert und saniert, mit dem Ziel, für die Grundstücke Raffineriestraße 53 und 55 bis 57 eine möglichst uneingeschränkte Nutzbarkeit zu erreichen. Diese Arbeiten wurden von einem externen unabhängigen Sachverständigen für Altlastenuntersuchung und –sanierung begleitet. Durch diesen Sachverständigen wurde abschließend festgestellt, dass „durch die vollständige Sanierung bis in eine Tiefe von 1,50 m unter Geländeoberkante die Gefährdung über den Wirkungspfad Boden – Mensch auf den betroffenen Flächen vollständig unterbunden worden und diesbezüglich eine uneingeschränkte Nutzung der Grundstücke ermöglicht worden ist. Damit sind auch die Anforderungen der Niedersächsischen Bauordnung an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse bezüglich des Baugrundes erfüllt.

Aufgrund dieser fachkundigen Bewertung besteht für die in Rede stehende Fläche nach aktuellem Stand keine Veranlassung, eine Gesundheitsgefährdung zu besorgen.

Wie Sie wissen, gab es Diskussionen, diese Fläche als Wohnbebauung auszuweisen. Nach aktuellem Stand ist diese Option, und nur das war es, von der Politik nicht mehr favorisiert. Derzeit wird darüber nachgedacht, die Fläche als Ausgleichsfläche für andere Bebauung zu nutzen. Vor diesem Hintergrund laufen auch die Gespräche mit der Wintershall Dea zu einem möglichen Kauf der Fläche, die jedoch noch nicht abgeschlossen sind.

Mit Blick auf die von Ihnen geschilderte, zu Tage tretende Substanz zwischen der Grundstücksgrenze und der Straße, und der gegenüber einer anderen Pressevertreterin getätigten Schilderung von Anwohnern, dass an warmen Tagen in dem Bereich der Fahrbahn eine zähflüssige Substanz austritt, die an kalten Tagen erstarrt, lässt auf den sog. Wietzer Ölsand schließen. Diese harzartige Substanz, die je nach Außentemperaturen zäh oder hart wird, findet sich in vielen Bereichen der Gemeinde Wietze und ist eine lange bekannte und überhaupt nicht unübliche Begebenheit in Wietze. Der Direktor des Erdölmuseum kann Ihnen dazu nähere Auskunft erteilen. Nach meinem Kenntnisstand gibt es aber keinerlei Erkenntnisse über eine Gesundheitsgefährdung durch den Ölsand."

Gleichwohl: Soweit Sie darauf hinweisen, dass Sie mit einem Experten gesprochen haben, der sagte, dass dies Altlasten sein müssten und Rohöl ausgeschlossen sei, wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir schnellstmöglich den Kontakt zu dem Experten herstellen könnten. Denn eines steht für mich fest. Wenn es eine gerechtfertigte Sorge einer Gesundheitsgefährdung für Mensch und/oder Umwelt gibt, werde ich diese sehr ernst nehmen und ggf. notwendige Maßnahmen veranlassen."


Derek Mösche, Sprecher Wintershall Dea erklärt im Wortlaut: Um eine Beschädigung der Straße (Kurve) zu verhindern, wurde ein Böschungswinkel von etwa 45 Grad mit ölhaltigem Sand nicht ausgetauscht. Die Folie wurde im Zuge der Sanierung vor 12 Jahren eingezogen, um eine Verunreinigung des neuen, sauberen Füllsandes mit Öl zu vermeiden. Den LK Celle hatten wir damals über das Vorgehen informiert.

Die Schilderung der Anwohner in Bezug auf die zähflüssige Substanz, die an kalten Tagen erstarrt, lässt darauf schließen, dass es sich wahrscheinlich um Wietzer Ölsand handelt. Das darin enthaltene Rohöl tritt in der Region in und um Wietze an mehreren Orten geogen an die Oberfläche. Historische Bekanntheit erlangten solche Spots als Wietzer Teerkuhlen. In früheren Zeiten haben die in Wietze lebenden Menschen das Öl abgeschöpft und als Schmierstoff, als medizinisches Heilmittel, zur Wege- oder Hofbefestigung sowie zur Imprägnierung von Holzbauten verwendet.

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