Modernes Arbeiten hinter altem Fachwerk: Kontor No. 22 bietet Co-Working in Bergen
- Stefan Kübler
- vor 2 Stunden
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BERGEN. Kolonialwarenhandel, Mädchenschule, Kfz-Zulassungsstelle: Das historische Gebäude am Museum in Bergen hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Seit vergangenem Jahr ist in dem alten Fachwerkhaus das Co-Working-Konzept „Kontor No. 22“ untergebracht. Diplom-Ingenieur Uwe Mill und seine Frau Merle haben zwei Jahre lang viel Herzblut in die Transformation des Gebäudes in einen modernen Arbeitsplatz mit Gemeinschaftsatmosphäre gesteckt. Das Angebot richtet sich an Solo-Selbstständige, Start-ups und Kleinbetriebe.
Feste Büros, Co-Working und Veranstaltungen
„Das hat nach Büro geschrien“, erzählt Uwe Mill und meint damit seine ersten Gedanken, die er beim Anblick des Gebäudes vor der Umgestaltung hatte. Er selbst ist Bauingenieur und Energieberater und hätte sich in der Anfangszeit seiner Selbstständigkeit einen Ort gewünscht, an dem er sich schnell hätte einmieten und professionell arbeiten können. Genau solch einen Ort möchte er anderen Selbstständigen nun zur Verfügung stellen. In dem Gebäude sind acht Privatbüros zur Miete untergebracht. Zum flexiblen Co-Working stehen ein Gemeinschaftsraum und ein großer Multifunktionsraum zur Verfügung, der wiederum auch für Veranstaltungen mit bis zu 40 Personen genutzt werden kann.
In dem historischen Gebäude ist ein moderner Arbeitsplatz mitten in Bergen entstanden.
Historisches Highlight: Hölzernes Lastenrad unterm Dach
Die Räume im Erdgeschoss sind alle barrierefrei. Hier befinden sich fünf unterschiedlich große Büros, ein moderner Aufenthaltsraum mit Küche und kleiner Terrasse sowie eine barrierefreie Toilette. Im Obergeschoss sind drei weitere Büros sowie die Seminarräume „Curd“ und „Gustav“ untergebracht. Die Geschichte des Gebäudes geht laut Uwe Mill auf Curd Hornemann zurück, den ersten bekannten Besitzer eines Hauses an dieser Stelle im Jahr 1470. Kaufmann Gustav Schaer errichtete 1857 das heute noch bestehende Gebäude und startete dort einen Kolonialwarenhandel. Spektakuläres Überbleibsel aus dieser Zeit ist das hölzerne Lastenrad, das bei der Renovierung unter dem Dach entdeckt wurde. „Die Decke war abgehängt. Dass das Rad dort ist, wusste niemand“, erzählt Uwe Mill.
Kontorhaus mit bewegter Geschichte
Später sollen in dem Gebäude eine Mädchenschule und eine Unterbringung für Überlebende des Konzentrationslagers Bergen-Belsen eingerichtet gewesen sein. Anschließend habe die Stadt Bergen das Haus für ihre Kfz-Zulassungsstelle, das Stadtarchiv und weitere Büros genutzt. Nach ein paar Jahren Leerstand habe Uwe Mill das Gebäude schließlich für sein Co-Working-Projekt entdeckt. Nach dem Kauf 2022 seien die Bauarbeiten im darauffolgenden Jahr gestartet. „Schnitt und Raumaufteilung haben wir so ähnlich gelassen“, so Uwe Mill. „Ansonsten ist alles neu, auch Elektrik, Wasser, Internet und so weiter.“ Auch sei im Keller eine Pelletheizung eingebaut worden. Der Name „Kontor No. 22“ leitet sich von einer alten Hausnummer ab.
Die Privatbüros sind abschließbar und können individuell eingerichtet werden.
„Wir können uns hier sehr gut über Themen austauschen, die Selbstständige betreffen.“
Das Konzept funktioniert offenbar. Momentan sind alle Einzelbüros in dem alten Kontorhaus belegt. Die Mieterinnen und Mieter fühlen sich wohl, nicht nur im historischen Ambiente, sondern auch im Miteinander mit den anderen. „Wir können uns hier sehr gut über Themen austauschen, die Selbstständige betreffen“, sagt Sonja Dohrmann, die mit ihrem Unternehmen für Buchhaltung, Personal und Verwaltung hier eingezogen ist. „Wir geben uns gegenseitig Tipps zu Neukunden und Marketing oder wenn mal Flaute ist“, ergänzt Gründungsberaterin und Designerin Jeannin A. Geistlinger. Andere Mieterinnen und Mieter kommen beispielsweise aus Faßberg, Müden und Hermannsburg. Der große Seminarraum wird unter anderem von einer Musikschule genutzt sowie von kleinen Vereinen für Vorstandssitzungen und ähnliches.
Kapazitäten fürs Co-Working noch nicht ausgeschöpft
Wer sich für einen festen Arbeitsplatz im „Kontor No. 22“ interessiert, sollte regelmäßig anfragen. Die Laufzeiten für die Büros laufen jedes Jahr Ende Dezember aus. Wenn nicht verlängert wird, wird etwas frei. Die Kapazitäten fürs Co-Working sind dagegen noch nicht ausgeschöpft. Hier sind auch kurzfristige und flexible Anmeldungen möglich, beispielsweise mit einer 10er-Karte. Weitere Infos gibt’s auf kontor-22.de.






























