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Mehr Großzügigkeit wagen - Das Wort zum Montag, Folge 150




Mensch, ich muss sagen, ich hatte ziemlich viel Glück. Vor einigen Jahren, als es am Krankenhaus noch keine Parktickets gab mit Schranke, sondern nur die Parkscheiben genutzt wurden – damals musste ich mir das Auto meiner Eltern leihen, um dort einen dringenden Krankenbesuch zu machen.

Einen Parkplatz hatte ich schnell gefunden. Aber dummerweise war keine Parkscheibe im geliehenen Auto. Weil ich wusste, dass am Krankenhaus streng kontrolliert wird, habe ich sehr leserlich einen Zettel mit meiner Ankunftszeit, mit meinem Namen und der Telefonnummer sichtbar unter die Windschutzscheibe gelegt. Und der Satz „Leider keine Parkscheibe“ stand auch drauf. Und jetzt ahnt Ihr schon, was kommt.


Gerade als ich vom Krankenbesuch zurückkomme, klemmt die Politesse ein Knöllchen unter den Scheibenwische. Ich frage wirklich, so freundlich wie ich kann, ob sie nicht ein Auge zudrücken könne, ich habe doch die Maximalparkdauer nicht überschritten – und darum geht es doch, habe ich gemeint.

Ich will es kurz machen: Ich konnte das Herz der Politesse nicht erweichen, dafür aber das Herz des Mitarbeiters im Straßenverkehrsamt. Auf meinen wiederum freundlichen Widerspruch hin schrieb er mir: Weil nächste Woche Weihnachten ist, wird Ihnen das Bußgeld erlassen. Und dem Brief beigelegt war eine doppelseitige Kopie einer Parkscheibe, damit ich mir, dass heißt meinen Eltern auch die richtig kaufen könne. Hab ich auch getan. Man sollte ja aus Fehlern lernen.


An diese Geschichte mit Happy End musste ich denken, als ich jetzt in der Zeitung folgende Geschichte las, hier in Celle passiert: Eine Frau parkt und betankt betankt für alle sichtbar ihr E-Auto auf einem dafür vorgesehen Parkplatz – und trotzdem bekommt sie ein Knöllchen wegen Falschparkens. Warum? Weil ein E- Auto nur dann als E-Auto anerkannt wird, wenn auch auf dem Nummernschild am Ende des Kennzeichens ein E für Elektrisch steht. Verrückt nicht? Aber diesmal hat sich niemand im Straßenverkehrsamt der Frau erbarmt. Sie musste zahlen. 55 Euro Bußgeld. Kein Pappenstil.


An diesen beiden Alltagsgeschichten zeigt sich: Es gibt einen Buchstaben des Gesetzes gibt und einen Sinn, den die Buchstaben transportieren. Wo allein die Buchstaben des Gesetzes im Blick sind und nicht die eigentliche Absicht, geht schnell verloren, worauf es im Miteinander ankommt: Auf Großzügigkeit – im Geschäftsleben nennt man das Kulanz, in der Bibel würde man das auch Barmherzigkeit nennen.

Schade, dass sich der Celler Bürgermeister - oder sonst ein Verantwortlicher – nicht eingemischt und eingestanden hat: Unsere Verordnung ist einfach Mist, denn wenn es offenbar keine Pflicht ist, ein Nummernschild mit einem E zu haben, wenn man ein E-Auto fährt, warum sollte man dann nicht mit einem E-Auto ohne E auf dem Nummernschild einen E-Auto Parkplatz zum Betanken nutzen dürfen?


Die Deutschen und ihre Gesetzesverliebtheit. Ich finde, wir sollten ernster nehmen, was Jesus über den Sinn von Gesetzen gesagt hat, eben dieses: Die Gesetze sind für den Menschen da und nicht die Menschen für die Gesetze. Wo Regeln, Gebote oder Gesetze unser Miteinander stören und nur Verdruss produzieren, sollten wir großzügiger sein – oder aufmüpfiger.


Das haben in der vorletzten Woche Angehörige getan, die ihre sterbende Mutter in einem Pflegeheim besucht haben, obwohl dort die Parole ausgegeben wurde: Nur eine Person darf pro Tag eine Stunde einen Angehörigen besuchen. Ist uns egal, haben die Angehörigen gesagt – und von der Mutter und Ehefrau gemeinsam Abschied genommen.


Richtig, habe ich sie bestärkt: Die Gesetze sind für den Menschen da und nicht die Menschen für die Gesetze. Wir sollten die Menschlichkeit nicht vergessen – und auch nicht die Großzügigkeit.


Pastor Uwe Schmidt-Seffers

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