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Karnevalsmuffel und Fastengegner - Das Wort zum Montag, Folge 153



In der letzten Woche hat Christina Bernschein, sie ist Pastorin in Hambühren, zum ersten Mal einen Beitrag für das Wort zum Montag geliefert. Judith, Loic, Titus und ich – wir freuen uns, dass Christina unser Team verstärkt.


Als ich Christina gefragt habe, ob sie mitmacht, hat sie sofort gesagt: „Na klar“ – und sich den Rosenmontag für ihren ersten Auftritt gewünscht. Für die Herzenskölnerin war das ein passender Start. Sie ist Karnevalsfan – oder muss ich jetzt korrekt gendern und sagen: Karnelvalsfänin? Das klingt ziemlich blöd, darum lasse ich das. Außerdem ist heute nicht mein Punkt.


Stattdessen möchte ich an Ihren Beitrag anschließen und die Behauptung aufstellen: Karnevalsmuffel und Fastengegner sind beide ziemlich gleich. Warum? Beide verstehen offenbar nicht, dass unser Leben ohne Rhythmen und Spannungen ziemlich fad wird.


Ich bin davon überzeugt, dass Rhythmen einen tiefen Sinn haben, nicht nur in der Musik. Oder biblisch ausgedrückt: Alles hat seine Zeit. So wie das ausgelassene Feiern hoffentlich zu unserem Leben dazugehört, braucht das Feiern ein Ende, sonst verliert es seine Bedeutung und seinen Wert. Feiern und Fasten, Verzichten und Genießen, beides gehört zusammen. Ausgelassenheit und Disziplin, Weite und Enge, Überfluss und Mangel, all das gehört zum Menschen und macht ihn ganz.


Der Karnevalsmuffel leugnet doch seine Ausgelassenheit, er verlernt, sich zu vergessen, er weigert sich, über seine Grenze zu gehen, der Arme oder die Arme gerät nie in Ekstase.


Der Fastengegner aber leugnet die andere Seite in sich: Er erprobt nie, was in ihm steckt. Er wird sich nie frei fühlen. Es gehört doch zu unserer Würde, dass wir über uns selbst bestimmen, autark sind und nicht Getriebene unserer Wünsche und Lüste.


Die Extreme berühren sich, sagen die Franzosen: darum sind Faschingsmuffel und Fastengegner ziemlich gleich. Sie leben nur einen der beiden Pole in sich.


Heute wollen wir immer nur eines, entweder wahllos essen oder nur vegetarisch; immer nur Askese oder immer Vergnügen. Alles Übermaß ist aber vom Teufel, sagen die alten Mönche. Wer beides kann: feiern und fasten, wer den Sinn spürt von Karneval und Fastenzeit, der lernt, Mensch zu werden. Den führt sein Weg in die Lebendigkeit, in die Freiheit und die Liebe. Bleibt behütet.


Pastor Uwe Schmidt-Seffers

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