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IHKLW-Sommerfest in Celle




CELLE. Transformation der Mobilität, wettbewerbsfähige Standortbedingungen und damit verbundene Weichenstellungen in Politik und Verwaltung – Themen, die die regionale Wirtschaft bewegen standen gestern im Mittelpunkt beim Sommerfest der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg (IHKLW) am Neuen Rathaus in Celle. Vor rund 450 Gästen diskutierten Dr. Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies und IHKLW-Präsident Andreas Kirschenmann über Verkehrsanbindungen, Digitalisierung und Elektrifizierung der Automobilindustrie und aktuelle Herausforderungen wie Energiepreise. Auf der anderen Seite des Neuen Rathauses tagte der Stadtrat samt Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge, der folglich nicht mitfeiern konnte.


„Die trimodale Anbindung einer Region ist als Standortfaktor von überragender Bedeutung für Unternehmen“, betonte IHKLW-Präsident Kirschenmann. „Unsere Region bietet mit der geplanten A 39, dem Schienennetz von DB Netz und SINON, dem Elbe-Seitenkanal und der Elbe eigentlich beste Voraussetzungen. Das große Aber lautet: Diese Infrastruktur muss auch in Schuss sein! Deswegen braucht es Instandhaltungsinvestitionen in alle Verkehrsträger. Es ist für die Unternehmen schwierig genug, Lieferketten zu sichern und gegebenenfalls neu aufzubauen. An der heimischen Infrastruktur sollte das nicht scheitern.“


Das Land Niedersachsen habe die Verkehrsinfrastruktur klar im Blick, sagte Wirtschaftsminister Olaf Lies. Im Fokus stünden dabei der Lückenschluss der A 39, der Ausbau des Schienennetzes zwischen Hamburg, Bremen und Hannover über die Alpha-E-Variante und im Bereich der Wasserstraße die Erneuerung der Schleuse Lüneburg am Schiffshebewerk in Scharnebeck. Beim Umbau der niedersächsischen Wirtschaft Richtung Klimaneutralität sagte Lies zu, Investitionsanreize zur Dekarbonisierung schaffen zu wollen. Zusätzlich sei ein Transformationsstrompreis notwendig, um sicherzustellen, dass Energie für Unternehmen bezahlbar bleibe.


Soweit zu den Plänen. Mit Blick auf die Umsetzung drängte IHKLW-Präsident aufs Tempo. „Wir müssen in Deutschland und Niedersachsen schneller werden und die gordischen Knoten aus Bürokratie und Risikovermeidung durchbrechen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Als Beispiel nannte Kirschenmann die A 39: „Das Infrastrukturdefizit in Nord-Ost-Niedersachsen ist eklatant. Mit der A 39 können wir die Region endlich erfolgreich weiter entwickeln. Umso wichtiger ist, dass die beiden Abschnitte bei Lüneburg und nördlich von Wolfsburg bis Ende 2023 Baureife erreichen.“


Ohne Zweifel erhöht die A 39 auch die Standortattraktivität des VW-Stammsitzes in Wolfsburg. Doch ganz unabhängig davon machte Dr. Oliver Blume deutlich: „In Wolfsburg wird auch in Zukunft das Herz des Konzerns sein. Hier entstehen technologisch innovativste Fahrzeuge. Hier wird ein Schwerpunkt der neuen Produktions-Plattform SSP entwickelt. Und hier werden wir unseren Stammsitz so ausrichten, dass die Produktion international wettbewerbsfähig bleibt.“ Die Frage, ob das neue Trinity-Fabrik dazu benötigt werde oder eine Alternativlösung innerhalb des bestehenden Werks denkbar sei, prüfe der Konzern noch. „Wir halten uns Warmenau als Option offen“, sagte Blume.


In seinem Impulsvortrag ging der Volkswagen-Chef unter anderem darauf ein, wie wichtig es für Volkswagen sei, sich weltweit robust aufzustellen und in den richtigen Regionen zu investieren. Chile sei insbesondere wegen der optimalen Bedingungen zur Erzeugung regenerativer Energie für Volkswagen relevant. Elektro-Mobilität sei ganz klar die Zukunft, dennoch brauche es in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren ergänzend E-Fuels vor allem für die Bestandsflotte – und die müssten an Orten produziert werden, an denen nachhaltige Energie im Überfluss vorhanden sei.


Interessant seien darüber hinaus auch Nordamerika und Kanada, da beide Länder eine „sehr industriefreundliche Politik“ umsetzten. In Kanada wird Volkswagen seine bislang größte Batteriezellenfabrik errichten und dafür bis zu 4,8 Milliarden Euro investieren. Blume betonte die große Unterstützung Kanadas durch unbürokratisches Agieren, Subventionen und eine Energiepreisgarantie und mahnte an, Europa müsse bessere industrielle Rahmenbedingungen schaffen. „Es braucht jetzt die richtigen industriellen Rahmenbedingungen, sonst wandern Schlüsseltechnologien nach Asien oder Nordamerika. Ein zentrales Beispiel ist die Planungssicherheit bei den Energiekosten: Ein Cent zusätzlich beim Strompreis pro Kilowattstunde bedeutet in unserer Batteriefabrik in Salzgitter 100 Millionen Euro Mehrkosten pro Jahr.“


Ein wirtschaftsfreundliches Umfeld sei entscheidend, um Unternehmen zu ermutigen, am Standort zu expandieren, unterstrich IHKLW-Präsident Kirschenmann: „Dazu gehören niedrige Steuern, günstige Rahmenbedingungen für Gründungen und Unternehmensentwicklung, eine effiziente Verwaltung sowie eine Unterstützung bei Genehmigungsverfahren und bürokratischen Prozessen.“


Als gute Nachricht wertete Kirschenmann die Verlängerung der Clearingstelle des Landes Niedersachsen bis 2024. „Die Clearingstelle Niedersachsen hilft, bürokratische Lasen zu vermeiden. Angesichts andauernder Krise ist das wichtiger denn je. Es gilt, jetzt die Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands zu fördern.“ Die Clearingstelle Niedersachsen prüft Gesetzes- und Verordnungsvorhaben bereits in ihrem Entstehungsprozess auf vermeidbaren bürokratischen Aufwand für KMU und schlägt mögliche Alternativen vor. Dabei arbeitet die Einrichtung unabhängig und weisungsfrei; organisatorisch getragen von der IHK Niedersachsen. Am Dienstag haben das niedersächsische Wirtschaftsministerium und die IHKN die Vertragsverlängerung unterzeichnet. Weitere Fotos vom IHKLW-Sommerfest gibt es unter: www.ihk.de/ihklw/sommerfest.


Fotos: Peter Müller

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