Gasumlage für Konzerne mit Übergewinnen - Verbraucherberatung fordert Nachbesserungen



HANNOVER. 2,419 Cent müssen Gaskunden bald für die Kilowattstunde mehr bezahlen – für viele eine immense Herausforderung. Das schlage sich bereits im Beratungsalltag der Verbraucherzentrale Niedersachsen nieder: Existenznöte, aber auch Unverständnis über die Kostenverteilung treiben Betroffene aktuell um. Die Verbraucherzentrale fordert dringend einen fairen Lastenausgleich und eine zusätzliche finanzielle Unterstützung für Verbraucher mit unteren und mittleren Einkommen.


Die angekündigte Gasumlage soll im Oktober starten, doch schon jetzt wird der Unmut darüber deutlich: „Uns erreichen vermehrt Anfragen von Verbraucherinnen und Verbrauchern, die über die Einführung der Gasumlage sehr verärgert sind“, sagt Julia Schröder, Energierechtsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Angesichts steigender Preise für Lebensmittel und Energie könnten viele nicht verstehen, dass Privatpersonen zur Kasse gebeten werden und Energiekonzerne, die an den hohen Energiepreisen gut verdienen, finanzielle Hilfen erhalten.


Entschließt sich das Energieversorgungsunternehmen dazu, die 2,419 Cent pro Kilowattstunde zu erheben, müssen Betroffene zahlen. „Für die Umsetzung der Gasumlage ist es daher entscheidend, dass nur den Konzernen diese Gelder zukommen, die ansonsten in eine Insolvenz geraten würden. Die Verordnung darf nicht dazu dienen, dass gut aufgestellte Energieunternehmen weitere Gewinne einfahren“, so Schröder. Falls die aktuelle Regelung dies nicht gewährleiste, müsse nachgebessert und die Einführung der Kostenumlage verschoben werden, fordert die Expertin.


Gassperren befürchtet – Entlastungspaket umso wichtiger

Die Ratlosigkeit darüber, wie die künftige Gasrechnung bezahlt werden soll, ist groß. „Für Betroffene bringt der Tipp, Rücklagen zu bilden, meist wenig. Deshalb stellen wir uns darauf ein, dass wir in Zukunft vermehrt auch zu Gassperren beraten müssen – etwa ab wann der Anbieter diese verhängen darf und welche Rechte und Möglichkeiten Betroffene haben“, erklärt Schröder. Die Bundesregierung müsse dringend ein weiteres Entlastungspaket für untere und mittlere Einkommen aufsetzen. Betroffene können nicht bis zum nächsten Jahr warten. Der Alltag sei für viele schon jetzt finanziell kaum noch zu bewältigen. Für eine faire Kostenverteilung sollte zudem eine Übergewinnsteuer für gutverdienende Energiekonzerne nach dem Vorbild anderer EU-Länder eingeführt werden.


Weitere Informationen unter www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/faq-gasumlage



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