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"Es geht nicht um Dialog"


Dagmar Hecker schreibt zum CELLEHEUTE-Bericht "Spaziergang", Demo, Politik - Dialog? Nein Danke!" vom 16. Januar 2022: Guten Tag liebes Celle Heute-Team,


ich habe mit Interesse Ihren Aufruf zum Dialog der verschiedenen Gruppen gelesen - und mich kaum über die Antwort gewundert. Schon lange stimmt, was Sie schreiben: Alle sehnen sich nach Demokratie, aber in einen Dialog will niemand treten. Jeder ist sich seiner Position sehr sicher; die ‚auf der anderen Seite‘ liegen falsch. Oder so ähnlich.


Ich war gestern Abend in der Stadt; ich wollte mir anschauen, wovon so einseitig berichtet wird - je nachdem, mit wem man spricht. Die Atmosphäre in der Innenstadt habe ich als beklemmend empfunden, aber das kann meinem persönlichen Befinden geschuldet sein. Zunächst einmal wollte ich die Spaziergänger kennenlernen. Die angemeldete Demonstration war früher da - ich ‚verwechselte‘ sie und fragte nach, ob hier der Spaziergang beginne. Die Antwort: „Nein, wir sind hier, weil wir den Spaziergang verhindern wollen.“ Von dem Moment an fühlte ich mich ‚falsch‘. In der ersten Rede von Daniel Beer, der ich aus einiger Entfernung zuhörte, ging es um: „Wir wollen Demokratie!“ Gleich darauf sprach er von ‚Spaziergängern - Querdenkern, Schwurblern, Coronaleugnern - oder wie immer man sie nennen will‘. Ich fand das nicht hilfreich - und die Sätze verstärkten den Eindruck, dass ich mich diesen Leuten auf keinen Fall anschließen könnte/sollte. Denn demokratisch scheint das Spazierengehen nicht zu sein, sondern die Demokratie herausfordernd. Dabei wurden die Spaziergänger, mit denen ich später sprach, alle sagen: „Wir sind für Demokratie!“ Alle. Aber sie befinden sich alle zusammen in einer Schublade - sie sind zwar ein bunter Haufen (wie die Leute vom Aktionsbündnis auch), aber ihre Schublade ist eng: Leugner, rechts, Impfgegner. Auf der Einladung vom Aktionsbündnis sind diese unter anderem gegen Antisemitismus, Wissenschafts- und Demokratie-Feindlichkeit, Rassismus. Damit wollen sie sich von den Spaziergängen abgrenzen - und diese fühlen sich zu Unrecht stigmatisiert.


Ich könnte noch viel mehr dazu sagen; ich habe auch eine Meinung. Aber ich habe gestern empfunden, dass die Fronten sehr klar sind. Es geht eben, wie Sie auch bemerkt haben, nicht um Dialog. Solange das so bleibt, werden Polizisten die Grenze zwischen beiden Lagern dokumentieren, und wir kommen alle keinen Schritt weiter.


Wieso schreibe ich Ihnen das: Ich will Sie ermutigen, dranzubleiben, wie auch immer das aussehen mag.


Viele Grüße,

Dagmar Hecker

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