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Besuch aus dem Kriegsgebiet: Ärzte aus Sumy holen sich Expertenwissen in Celle

Zwei Damen und vier Herren stehen im Eingangsbereich einer Arztpraxis.
Facharzt Dennis Golub (links) zeigte der Delegation aus Sumy die Radiologiepraxis am Neumarkt. (Foto: Yuriy Didevych)

CELLE. Der Krankenhausalltag in Sumy ist durch den Krieg zwischen der Ukraine und Russland von Herausforderungen geprägt, die man sich bei uns kaum vorstellen kann. Celles ukrainische Partnerstadt liegt nur 25 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Das Grenzgebiet ist vermint. Viele Kriegsverletzte kommen ins Regionalkrankenhaus nach Sumy, darunter auch russische Kriegsgefangene. Eine Gruppe von Ärztinnen und Ärzten aus Sumy ist in den vergangenen Tagen in Celle zu Gast gewesen, um neue Behandlungsmethoden kennenzulernen und Kooperationen zu knüpfen.


Durch Phosphorbomben viele Verbrennungsopfer in Sumy


Celle und Sumy pflegen seit vielen Jahren eine Städtepartnerschaft. Der Aufenthalt in der Herzogstadt stand für die Besuchsgruppe deswegen im Mittelpunkt. Bevor sie in Celle Einblicke in die hiesige medizinische Arbeit gewann, standen jedoch Besuche in Göttingen und Hannover auf dem Programm. In Göttingen sprachen die Medizinerinnen und Mediziner mit Experten auf dem Gebiet der Verbrennungen. „Wir haben Patienten, die von Angriffen mit Phosphorbomben schwere Verletzungen davongetragen haben“, schilderte Inna Lazorenko, Leiterin der Abteilung für Verbrennungen an der Klinik in Sumy. An der Medizinischen Hochschule Hannover traf sich die Gruppe mit Experten aus der Chirurgie.


Großes Interesse an Radiologie


Ein Schwerpunkt des Besuchs in Celle lag auf der Radiologie. Facharzt Dennis Golub zeigte der Delegation aus Sumy die Radiologiepraxis am Neumarkt und gab Einblicke in die Arbeit mit CT, MRT und Röntgengerät. Auf großes Interesse stießen die Themen Brustkrebs und Mammografie-Screening. „Wir behandeln hier viele Patienten aus der Ukraine. Die kommen regelmäßig“, so Dennis Golub. Insgesamt würden aber viel zu wenig Menschen zur Krebsvorsorge gehen. In der Ukraine seien die Fälle und Probleme ähnlich, erzählte Yuliia Shapoval, Leiterin der Radiologie im Regionalkrankenhaus Sumy.


Gruppenbild von neun Personen vor einem Fluss und grünem Besuchs.
Auf Initiative von Carsten Braun (Vierter von links) und Prof. Dr. Axel Wellmann (Mitte) waren die Ärztinnen und Ärzte aus Sumy sechs Tage in Celle zu Gast. (Foto: Stefan Kübler)

Digitaler Datenaustausch bringt Vorteile in Kriegszeiten


In den Praxisräumen bekam die Gruppe einen Einblick in die Online-Anwendung „easyRadiologie“, mit der Bilder und Befunde nach einer radiologischen Untersuchung ganz einfach digital an Patienten und Ärzte weitergeben werden können. Dazu wurde Peter Lucks von der Herstellerfirma aus Köln online dazugeschaltet. Die ukrainische Delegation zeigte großes Interesse an einer Kooperation. Yuriy Didevych, der die Gruppe für die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) begleitete, fragte, ob das System auch bei einem kriegsbedingt instabilen Internet wie in der Ukraine betrieben werden könne. Das System brauche nicht viel und sei auf eine geringe Bandbreite ausgelegt, so die Antwort. „Wir denken viel an die Ukraine. Wir drücken die Daumen und unterstützen, wo wir können“, sagte Peter Lucks zum Abschied.


Celler Netzwerk macht Besuch aus Sumy möglich


Der Besuch des Krankenhausteams aus Sumy war schon lange geplant. Er geht zurück auf die Initiative von Carsten Braun, stellvertretender Vorsitzender des Celler Wirtschaftsclubs, sowie Prof. Dr. Axel Wellmann vom Pathologischen Institut Celle. Gemeinsame Grundlage ist die Städtepartnerschaft mit Sumy und die daraus folgenden Hilfstransporte der Stadt Celle in die Ukraine nach Ausbruch des Krieges. „Durch den Kriegszustand und Angriffe auf das Krankenhaus hatte sich der Besuch immer wieder verschoben. Ich freue mich, dass es jetzt endlich geklappt hat“, so Carsten Braun.


„Es ist wie ein großer Schluck frische Luft.“

Um der Delegation den Aufenthalt in Celle so angenehm wie möglich zu gestalten, aktivierte Carsten Braun sein Wirtschaftsnetzwerk. Der Gruppe wurden günstige Ferienwohnungen vermittelt und ein örtlicher Autohändler stellte für die vielen Fahrten einen Kleinbus zur Verfügung. Von der Celler Stadtverwaltung war Kristina Barz als Dolmetscherin dabei. „Wir sind total beeindruckt von der Wärme und Gastfreundschaft, die wir hier erfahren durften“, sagte Volodymyr Horokh, Direktor des Regionalkrankenhauses Sumy. „Es ist wie ein großer Schluck frische Luft. Sich mit freundlichen Menschen austauschen, ist enorm wichtig.“


Hoffnung auf weiteren Austausch mit Deutschland


Die Ärztinnen und Ärzte aus Sumy hoffen, dass der Austausch mit Deutschland weiter ausgebaut wird, besonders in den Bereichen Neurochirurgie und Verbrennungsmedizin. Die Belastungen im Kriegsgebiet seien hoch, viele würden unter einem Kriegstrauma leiden. „In Celle fühlen wir uns mental ausgeruht“, so Volodymyr Horokh. Vor ihrer Abreise betonte die Gruppe ihre große Dankbarkeit für die humanitäre Unterstützung aus Celle.

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