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Auf Traditionsunternehmen folgt Start-up


Martin Depner Tim Petersen IT-AG Aftermarket Drilling Service
Fotos: Peter Müller

CELLE. Analog im besten Sinne präsentierte sich der Tag der offenen Tür des jungen Unternehmens Aftermarket Drilling Service IT-AG GmbH. Schon am Vormittag war die Industriehalle auf dem früheren ITAG-Gelände in Westercelle prall gefüllt, die Celler Industrie-Branche traf sich zum geselligen Beisammensein. Von Digitalem keine Spur, stattdessen Industriekultur pur. Und dennoch ist die im September 2020 von fünf Gesellschaftern gegründete Firma auf dem Weg in die Zukunft. „Anfangs wurden wir belächelt“, erzählt Tim Petersen, „aber mittlerweile sind wir ein wachsendes Unternehmen mit zehn Mitarbeitern.“


Allein der Name gibt einen Hinweis auf die historische Basis, aus der nun Neues entsteht. Im Jahr 2020 meldete das in mehrere Tochterfirmen untergliederte Celler Traditionsunternehmen ITAG Insolvenz an. „Ich kaufte mit ein paar Jungs die gesamte Insolvenzmasse des ehemaligen ITAG Bohrbetriebes“, berichtet Depner. Innerhalb eines Jahres sollte alles gewinnbringend verkauft werden. Doch es kam anders.


Der Geschäftsführer der Firma „Martin Depner technischer Großhandel“ tat sich mit Tim Petersen zusammen, der selbst der Insolvenz einer weiteren ITAG-Gesellschaft zum Opfer gefallen war. „Ich habe meine Ausbildung bei der ITAG absolviert, bin viele Jahre im Ausland, z.B. Saudi-Arabien und Abu Dhabi, gewesen“, erzählt der 32-Jährige, der sein von der Pike auf erlerntes Fachwissen nun als Geschäftsführer einbringt, er kümmert sich ums Tagesgeschäft und greift dabei auch auf das Know-how seiner früheren Kollegen zurück. „Sie haben eine schwere Zeit durchgemacht“, blickt Petersen zurück. Acht der zehn Mitarbeiter rekrutieren sich aus dem Stammpersonal der ITAG, die für ihre gute Ausbildungsqualität bekannt war. Ihre Kompetenz und Erfahrung widmen die Männer nun dem Kerngeschäft der IT-AG, das in der Reparatur, Wartung und Instandsetzung von bohrtechnischem Equipment besteht.


Wie so etwas aussieht, demonstrieren sie am Tag der offenen Tür. Herzstück der Ausstellung von Tiefbohrtechnik ist ein Preventer, der zur Absicherung von Bohrungen dient. „Wir haben im Sommer 2021 den Preventerservice der ehemaligen Maschinenfabrik in der Itagstraße gekauft, nachdem diese ebenfalls in die Insolvenz gegangen ist“, erzählt Depner, der über 25 Jahre lang das Celler Traditionsunternehmen aus dem Jahr 1913 belieferte, seine Erfahrungen nutzt er aktuell für den kaufmännischen Bereich und die Finanzen. Die weiteren drei Mitgesellschafter sind im Hintergrund ebenfalls aktiv und immer da, wenn sie benötigt werden. Beide Geschäftsführer verfügen über gute Kontakte in der Branche, was sich als eine Säule für den Neuanfang erwies. Firmen aus aller Welt lassen beschädigtes Zubehör in Westercelle aufarbeiten.


Ein beispielhafter Leistungskatalog bietet: Komplette Demontage, Reinigung, Prüfung aller Komponenten, Bestimmung und Beschaffung der Ersatzteile, Testung und Montage.

„90 % können wir reparieren und retten“, berichten Depner und Petersen. Ihre Stärken sehen sie in einer schlanken Organisation, Flexibilität und Schnelligkeit. „Zeitdruck spielt in der Branche eine große Rolle“, erläutert Tim Petersen, während er die Testanlage vorführt. Noch bedient sich diese keiner digitalen Technik. Doch die Erläuterungen machen deutlich, die Digitalisierung wird auch in die Werkshalle Einzug halten, in der Verwaltung ist sie längst Standard: „Die Firmeninhaber wollen ja bei der Testung dabei sein, aber nicht extra anreisen. Daher werden wir sie in naher Zukunft über Kamerasysteme live per Internet zuschalten.“


Die erste Ausgabe eines Tages der offenen Tür dürfte dementsprechend die letzte analoge Version, dem Optimismus der beiden Firmenbetreiber zufolge jedoch nicht die letzte ihrer Art gewesen sein.



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