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Neues Leben für Lederfabrik: Das haben die Architekten an der Biermannstraße vor

Christoph Jeßnitz und Andreas Brüggemann vor der alten Lederfabrik.
Christoph Jeßnitz (links) und Andreas Brüggemann sanieren die alte Lederfabrik im Auftrag des Eigentümers. (Fotos: Stefan Kübler)

CELLE. Zwei Celler Architekten hauchen der alten Lederfabrik an der Biermannstraße neues Leben ein. Viele Jahre lang standen die historischen Backsteingebäude leer oder wurden illegal genutzt, jetzt haben Andreas Brüggemann und Christoph Jeßnitz mit ihrem Architekturbüro und gemeinsam mit dem Eigentümer eine neue Nutzung erarbeitet. Im Mittelpunkt der Planung steht das ehemalige Kantinengebäude, das die beiden Ingenieure so modernisieren und umgestalten möchten, dass sie später mit ihrem eigenen Unternehmen dort einziehen können. Den Ort bezeichnen sie als „Glücksgriff“.


Eigentümer wird mit „Ideenflirten“ überzeugt


Dass aus der ehemaligen Lederfabrik einmal der neue Standort des Architekturbüros werden würde, sei am Anfang noch kein Thema gewesen. „Ursprünglich sollten wir nur ein paar Löcher im Dach reparieren“, erzählt Andreas Brüggemann. Nach Begutachtung der Schäden und einem ersten Blick in die alte Werkskantine seien jedoch eigene Ideen entstanden, die dem Eigentümer nach und nach präsentiert worden seien. „Ideenflirten“ nennen die beiden das. Der Eigentümer fand die Ideen offenbar gut und geht den Weg der Umgestaltung nun gemeinsam mit den Architekten. „Ihm liegt genauso viel daran wie uns, dass nach vielen Jahren wieder Leben auf das Gelände zurückkehrt und die Geschichte dieses besonderen Ortes weitergeschrieben wird“, so die Ingenieure.


  • Ins ehemalige Kantinengebäude möchten die Architekten einziehen.
  • Die ehemalige Lederfabrik wird bereits saniert.

In das ehemalige Kantinenhaus (links) möchten die Architekten mit ihrem Büro selbst einziehen. Das Gebäude an der Straße soll nach der Sanierung als Lager genutzt werden.


Lederfabrik, Linkentreff, Leerstand


Die Geschichte des Fabrikgeländes begann kurz nach 1900, als die Celler Lederwerke und die Wehlsche Lederfabrik ihren Betrieb aufnahmen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden dort Deckel und Gummidichtungen für Weck-Gläser produziert. Nach dem Ende der Produktionsstätten standen die Gebäude leer. Später wurde eines von der linksalternativen Szene besetzt und illegal als Partylocation und Wohnraum genutzt. Aus dieser Zeit stammen zahlreiche negative Schlagzeilen, die der Eigentümer, ein Nachfahre der ursprünglichen Unternehmerfamilie, gerne vergessen machen möchte.


Kutscherhaus war nicht zu retten


Eine sinnvolle Nutzung des ehemals besetzten Hauses an der Straße ist offenbar schwierig. Für Büros seien sie ungeeignet und Wohnen sei auf dem Grundstück generell nicht möglich, weil es Teil eines Gewerbegebietes sei. Doch das Gebäude ist eingerüstet und wird saniert und soll im Anschluss zunächst als Lagergebäude dienen. Ein weiteres Gebäude auf dem Gelände konnte dagegen nicht gerettet werden. Das ehemalige Kutscherhaus mit dem markanten Uhrentürmchen sei nicht mehr zu retten gewesen und musste abgerissen werden. „In die porösen Wände konnte man teilweise seine Finger reinstecken“, erzählt Christoph Jeßnitz. Die Sanierung hätte einen sechsstelligen Betrag verschlungen. Zumindest die Zeiger der Uhr seien gerettet worden.


  • Hier wurden illegale Partys gefeiert. Bald sollen hier private Lagerräume entstehen.
  • Die Hausbesetzer haben ihre Spuren hinterlassen.
  • In den 2000er-Jahren wurde das Gebäude illegal besetzt.

Die Sanierung des ehemaligen Fabrikgebäudes hat bereits begonnen. Aus der Zeit der Hausbesetzung sind Spuren zurückgeblieben.


Modernes Architekturbüro mit 25 Arbeitsplätzen geplant


Interessant wird es in den kommenden Monaten im ehemaligen Kantinenhaus weiter hinten auf dem Gelände, auf das man nach dem Abriss des Kutscherhauses einen guten Blick hat. Vor dem geistigen Auge der Architekten ist bereits alles fertig. Der ehemalige Speisesaal im Obergeschoss hat eine Deckenhöhe von fünf Metern und soll in Zukunft 25 Arbeitsplätze, einen Zeichenraum und vieles mehr beherbergen. Historische Elemente wie Malereien, besondere Fliesen und der alte Speiseaufzug sollen erhalten werden. In einem Einliegerbüro, das zuletzt einem Graffiti-Künstler als Atelier diente, sollen Flächen an Externe vermietet werden.


„Wenn wir solche Gebäude nicht retten, müssen wir irgendwann (…) unter der Erde leben“

Mit viel Leidenschaft soll in den kommenden Monaten ein moderner Arbeitsplatz entstehen. Die beiden Architekten rechnen damit, dass sie in spätestens eineinhalb Jahren in ihr neues Büro einziehen können. Für sie ist das Projekt auch ein Bekenntnis zum Erhalt eines historischen Gebäudes im Sinne des Eigentümers mit Traditionsbewusstsein. „Wenn wir solche Gebäude nicht retten, müssen wir irgendwann in Container einziehen oder unter der Erde leben“, sagt Andreas Brüggemann.      

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