Mira - Das Wort zum Montag, Folge 103




Annalena Baerbock, unsere Außenministerin, hat ihre erste Rede vor den Vereinten Nationen in New York vor einigen Tagen damit begonnen, dass sie von Mira und ihrer Mutter sprach. Mira ist in einer Metrostation tief unter der Erde in Kiew geboren worden, weil Krieg herrscht in der Ukraine - und die russischen Armee Krieg führt, auch gegen neugeborene Kinder wie Mira.

Eindrücklicher kann man die Grausamkeit von Putins Krieg nicht zur Sprache bringen als durch solch eine Geschichte, die vom Leid, aber auch vom Überlebenwillen von Frauen und Kindern und auch der Alten handelt.

Bloße Zahlen allein können die Herzen von Menschen nicht berühren.

Das wissen wir aus unserer deutschen Geschichte und der Aufarbeitung des Krieges und des Holocausts. Erst 1979, als der Hollywood-Film Holocaust in Deutschland ausgestrahlt wurde, eine vierteilige amerikanische TV Serie über die Berliner Arztfamilie Weiß, haben viele Menschen in Deutschland zum ersten Mal wirklich mit dem Herzen verstanden, was die Vernichtung von sechs Millionen Jüdinnen und Juden tatsächlich bedeutet. Und sie waren erschüttert bis ins Mark.

Bloße Zahlen allein können die Herzen der Menschen nicht berühren.

Und darum ist es gut, dass wir den Frauen und Kindern und Alten, die zu uns kommen oder schon da sind, nicht nur ein Dach über dem Kopf anbieten und Essen und Trinken, sondern Ihnen auch unsere Ohren und Herzen leihen und zuhören. Ich weiß, das wird uns an den Rand unserer Vorstellungskraft und darüber hinaus führen, aber diese Kriegsflüchtlinge brauchen eine Raum, dass wir ihnen zuhören und uns trauen, mit ihnen zu weinen.

Ich möchte in diesem Zusammenhang ein Jesuswort abwandeln und sagen: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern auch von den Geschichten, die wir uns erzählen – seien diese auch noch so traurig. Ich glaube, dass Annalena Baerbock nicht ohne Grund ihre Rede vor den Vereinten Nationen mit einer Geburtsgeschichte begonnen hat, weil eine Geburtsgeschichte zentral für unseren Glauben und unsere Kultur ist.

Wir glauben, dass in einer kalten Nacht, in einem schäbigen Stall, bedroht von der Willkür der Machthaber, ein Kind geboren wurde, in dem Gott selbst sich zeigt. Wir bezeichnen dieses Kind als den Friedefürsten. Das Kind von dem unsere Außenministerin gesprochen hat, trägt den Namen Mira, das kommt vom slawischen Miroslav und bedeutet: „Friede“. Der Friede, der in die Welt kommt, beginnt immer unscheinbar und klein, aber er wächst dort, wo sich Menschen nach Frieden sehnen.

Wie der Weg dorthin aussieht? Ich weiß es nicht. Wiederum sagt Jesus zu seinen Freunden: Seid klug wie die Schlangen – das deute ich so, dass es auch möglich ist, dem Feind bewaffnet entgegenzutreten und ihn zu stoppen, Tod und Schrecken zu verbreiten. Was wir machen können, in Celle, Nienhagen, Lachendorf – oder wo immer wie wohnen, hat keinen unmittelbaren Einfluss auf den Krieg in der Ukraine. Aber wie können als Menschen denen zur Seite stehen, die jetzt neben unseren tätigen Händen und Spenden auch unsere Ohren und Herzen brauchen.



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