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Krieg in der Ukraine: Landwirtschaftskammer rechnet mit steigenden Preisen


Foto: stock.adobe.com

OLDENBURG. Krieg bringt stets größtes Leid über die Bevölkerung der betroffenen Regionen. Wirtschaftlich gehen die Folgen eines solchen Konflikts meist weit über das umkämpfte Territorium hinaus. Das trifft nach Ansicht der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in besonderem Maße auf den Krieg in der Ukraine zu: Dieser Staat gehöre zu den weltweit größten Weizen-Exporteuren.


Die Marktfachleute der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) rechnen daher auch hierzulande mit steigenden Preisen für Getreide, Futtermittel, Betriebsmittel und Dünger. Bereits vor einigen Tagen hätten die Sorgen um einen Krieg in der Ukraine die Getreidepreise nach oben getrieben. Bis zum 24. Februar 2022 waren es nur Spekulationen. „Seitdem ist es leider Realität – die Kurse an den Warenterminbörsen gehen durch die Decke“, berichtet Stephanie Stöver-Cordes, bei der LWK Fachreferentin für Markt- und Absatzfragen. Doch warum steigt gerade der Weizenpreis so extrem an?


Russland und die Ukraine gehören zu den Top-Exporteuren

Russland und die Ukraine gehören Stöver-Cordes zufolge zu den wichtigsten Getreideexporteuren weltweit: „Russland steht auf der Rangliste der Weizenexporteure auf Platz zwei, die Ukraine auf Platz vier.“ Die Exportmenge beider Staaten umfasse mehr als ein Viertel der Weltexportmenge.


Die großen Importregionen der Welt im mittleren Osten, Nordafrika und Südostasien fürchteten bei einem Stillstand des Getreidehandels in der Schwarzmeerregion um ihre Versorgung: „Manche Analysten sprechen bereits von einer möglichen weltweiten Nahrungsmittelknappheit“, so Stöver-Cordes. Sollte aus Russland und der Ukraine kein Weizen mehr verschifft werden können, werden sich die globalen Einkäufer Europa und den USA zuwenden. „Diese Tendenzen lassen sich bereits an der Entwicklung der Weizenkurse an den Börsen in Chicago und Paris ablesen“, ergänzt Dr. Albert Hortmann-Scholten, bei der LWK Leiter des Fachbereichs Betriebswirtschaft, Markt, Unternehmensberatung.


„Im vorbörslichen Handel schossen die Kurse an der Chicago Board of Trade nach der Veröffentlichung der Meldungen über die russische Invasion so stark in die Höhe, dass der Handel am Donnerstag ausgesetzt wurde“, berichtet Hortmann-Scholten. „An der Warenterminbörse in Paris legte der März-Weizen zwischenzeitlich um mehr als 14 Prozent zu und erreichte einen neuen Höchststand von 344 Euro pro Tonne.“


Neben dem Weizen gibt es noch weitere Kulturen, die nach Einschätzung der LWK-Marktfachleute von einem Lieferstopp aus der Schwarzmeerregion betroffen sein könnten. Da wäre zum einen der Mais. Die Ukraine ist ein großer Mais-Anbauer: Laut Schätzungen des US-Agrarministeriums liegt die Produktionsmenge im Wirtschaftsjahr 2021/22 bei 42 Millionen Tonnen. Ein Großteil davon wird exportiert – auch in die EU. Die Maisexporte der Ukraine belaufen sich auf 33,5 Millionen Tonnen.


Zum anderen ist es noch der Bereich der Ölsaaten, der von dieser Kriegssituation betroffen sein könnte. Die Ukraine ist ein großer Exporteur von Ölsaaten. Laut EU-Kommission gehört die Ukraine beim Raps, Rapsschrot, Rapsöl, Sonnenblumenschrot, Sonnenblumenöl und Sojaöl zu den Haupt-Lieferländern. „Schon vor der Ukraine-Krise galt der Raps durch enttäuschende Ernten als knappes Gut“, sagt LWK-Marktexpertin Stöver-Cordes. „Diese Situation wird durch den Krieg noch weiter verschärft: Die Rapskurse an der Börse Euronext in Paris sind am Donnerstag zweitweise um 100 Euro auf 835,75 Euro pro Tonne gestiegen.“


Große Unsicherheit beherrscht auch die Betriebsmittel-Märkte


Der Krieg sowie die verhängten Sanktionen werden nach Einschätzung der LWK deutliche Folgen für die Rohstoffmärkte und die Warenströme haben: „Neben steigenden Getreidepreisen ist auch der Energiesektor betroffen“, hebt Hortmann-Scholten hervor. „Nicht zuletzt durch fehlende Erdgaslieferungen aus Russland.“ Der Rohölpreis habe bereits die 100-Dollar-Marke überwunden.


Hohe Energiepreise werden auch die Situation am Düngemittelmarkt weiter belasten. Russland gilt als wichtiges Exportland für Düngemittel und Ammoniumnitrat, Phosphat und Phosphordünger. Kali und Kalidünger aus Belarus könnten ebenfalls knapp werden. „Damit rückt eine Entspannung der preislichen Entwicklung am Düngemittelmarkt in weite Ferne“, befürchtet Stöver-Cordes. „Zudem wird die Verfügbarkeit noch einmal deutlich eingeschränkt.“


Für die Futtermittelpreise wird sich die Krisensituation ebenfalls preistreibend auswirken. Stöver-Cordes: „Mit den steigenden Getreidepreisen legen auch die Einkaufspreise für die Mischfutterhersteller zu – das schlägt sich entsprechend auf die Mischfutterpreise nieder.“


Sowohl die hohen Futtergetreidepreise als auch die Preise für Soja- und Rapsschrot könnten der LWK-Fachreferentin zufolge die Mischfutterpreise in die Höhe treiben. „Erschwerend kommt hinzu, dass schon vor einigen Wochen die Knappheit von Raps sowie die Trockenheit in Südamerika die Preise in die Höhe trieb.“ Nun werde eine kriegsbedingte weitere Verknappung der Preisentwicklung neuen Zündstoff geben.


„Manche Ökonomen rechnen bereits mit einem hohen Risiko für die Nahrungssicherheit einiger Länder“, sagt Hortmann-Scholten. „Fakt ist, dass sich die Preise zunächst weiterhin auf einem hohen Niveau bewegen werden.“ Das gelte sowohl für den Getreide- und Ölsaaten-Markt als auch für den Energie- und Betriebsmittel-Sektor.

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