Jahwe, Adonai, Bezos oder Musk? Welchen Namen trägt Gott? Das Wort zum Montag, Folge 116


Welchen Namen trägt Gott ?


Neulich habe ich wieder einmal ein „Vadder“ von unserem Sohn geerntet. In dieser bestimmten Betonung von Vadder klingt eine Portion Amüsiertheit und Kopfschütteln mit - und führt bei mir zu der Einsicht, schon etwas älter geworden zu sein.


Ich habe nämlich einen Begriff benutzt, der schon lange nicht mehr gebräuchlich ist: „Badeanstalt“, habe ich gesagt – schon im selben Moment, als ich dieses Wort ausgesprochen habe, war mir klar, dass ich ein Kopfschütteln und ein Vadder von Paul ernten würde.


Alles klar: eine Badeanstalt ist heute ein Freibad, die „Aktion Sorgenkind“ ist zur „Aktion Mensch“ umgetauft, Raider heißt schon lange Twix und ein Mensch, der mit den Problemen zurechtkommt, die er bewältigen muss, ist kein widerständsfähiger Mensch mehr, sondern einer mit Resilienz.


In den Worten, die wir benutzen, spiegelt sich also auch so etwas wie der Geist einer Zeit wider, der Zeitgeist. Womit ich nicht sagen will, dass es nicht auch gute und wichtige Namensänderungen gibt. Die „Aktion Sorgenkind“ zum Beispiel wurde damals zur Recht in „Aktion Mensch“ umbenannt, weil die ehemaligen „Sorgenkinder“ längst erwachsene Frauen und Männer geworden sind – und Menschen mit Behinderungen nicht allein über ihre Einschränkungen definiert werden sollten. Manche Namen passen einfach nicht mehr.


Auch die Namen und Bilder, die Menschen für Gott gefunden haben, spiegeln immer eine bestimmte Geisteshaltung wider. In der Hebräischen Bibel, unserem Alten Testament, gibt es tausend Bilder von Gott: der Schöpfer, König, Richter, Retter, der Freund, der Hirten und das Licht. Tausend Bilder von Gott, aber gleichzeitig waren sich die Bildermacher der Bibel bewusst, dass sie dieses eigentlich nicht durften. Schließlich öffnen Bilder (auch die, die wir uns voneinander machen) nicht nur neue Horizonte zum Verstehen, sie engen auch ein und grenzen ab.


Darum gingen die Schreiber der hebräischen Bibel sehr behutsam mit sogenannten Eigennamen Gottes um. Jahwe nennen sie Gott. Doch immer, wenn diese Buchstaben auftauchen, sprechen sie aus Ehrfurcht von „Adonai“ und das bedeutet: Mein Herr, obwohl dort eigentlich Jahwe auf dem Pergament stand. Über verschlungene Wege gelangte schließlich diese Namensänderung in das Neue Testament und wurde zur bestimmenden Bezeichnung sowohl für Gott als auch für Jesus Christus. Gott, der Herr: Diese Gottesbezeichnung hat eine ganze Glaubenswelt geprägt – bis heute.


Von dem ursprünglichen Gottesnamen Jahwe findet sich keine Spur mehr in unserer deutschsprachigen Bibel. Schade. Denn der Name Jahwe meint übersetzt mit großer Wahrscheinlichkeit: „Ich bin für dich da“. So wie Johanna die Begnadete ist und Alexander der Beschützer, zeigt der Gottesname Jahwe liebevolle Nähe an.


Keine Spur einer Hierarchie: von Herr und Knecht, oben und unten, Befehl und Gehorsam. „Ich bin für dich da“ – dieser Gottesname ist ein großes Versprechen. Ich glaube nicht an die Herren der Welt, Jeff Bezos, Elon Musk oder Vladimir Putin, aber ich glaube auch nicht an einen Aufpasser-Gott, der irgendwo im Himmel thront und unberührt bleibt vom Getümmel auf Erden. Ich hänge mein Herz an den, der verspricht: Ich bin für dich da ! Und nicht nur für mich, sondern für jede und für jeden, der sich ihm anvertraut. Welchen Namen trägt Gott? „Ich bin für dich da“. Dieser Name ist großartiges Programm. Bleibt behütet. Pastor Uwe Schmidt-Seffers

51 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

CELLE. Am Samstag, 09.07.22 von 11:00 – 13:00 Uhr, findet der Auftakt für den Wiederbeginn der Kindergottesdienste in der Blumlage statt. Bei einer Kirchenrallye kann die Kirche ganz genau angeschaut

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Ob kleine Geschichten aus der Region oder exklusive TV-Interviews mit nationaler Prominenz, ob Live-Streams oder Pläne im Original - mit diesem Konzept bundesweit Vorreiter, auch auf allen wichtigen sozialen Kanälen mit der höchsten Reichweite der Region und "echten Followern“ statt gekaufter.

 

Wir beleuchten alle Seiten und decken auf, was andere nicht veröffentlicht haben möchten, anstelle dem Trend zur "Hofberichterstattung“ zu folgen. Das alles kostenlos, dank engagierter Medienpartner, unzensiert seit 2010.

 

Wollen auch Sie unabhängigen Journalismus unterstützen? Ihre Patenschaft, ob einmalig, monatlich oder jährlich, sichert unsere Neutralität und Ihre Information.