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Gute Laune aus dem Regal? Das Wort zum Montag, Folge 113



Gute Laune gibt’s nicht aus dem Regal zu kaufen

Ich bekenne, das ich ein leidenschaftlicher Kaffeetrinker bin, in jeder Variation. Aber hin und wieder ein Tee, das ist auch in Ordnung. Ich habe mir gerade Nachschub geholt, drei Tees: Kräutermischung, „Hol dir Kraft“, „Träum schön“ und „Innere Ruhe“. Als ich vor dem Regal stand, habe ich etwas geschmunzelt. Wenn das doch so einfach wäre, mir gute Laune, Kraft oder einen guten Schlaf zu kaufen.

Teebeutel raus, heißes Wasser drauf – und dann geht´s Dir gut. Aber so leicht geht das leider nicht. Was an dieser Werbestrategie deutlich wird: Immer offensiver werden in unserer Konsumgesellschaft Produkte mit unseren Wünschen oder Gefühlen verknüpft. Nicht nur wie hier bei Tees. Das macht man mit allem: mit Kleidung, mit Kosmetik - und natürlich vor allem bei der Werbung für Autos.

Da sieht man verliebte Paare, glückliche Familien mit Hund, wunderschöne Landschaften mit einsamen Stränden - und auf den Straßen sucht man andere Autos vergeblich. Eine perfekte Welt ohne Stau. Träume werden wahr, das will uns Werbung unterschwellig glauben machen, wenn wir dieses oder jenes kaufen.

Ich will jetzt gar keine moralisierende Konsumkritik üben. Aber doch daran erinnern, vorsichtig zu sein, damit wir nicht in die vielen Verkaufsfallen tappen, die im Alltag aufgestellt sind. Dinge, die wir kaufen können, sie mögen uns für einen Moment ein gutes Gefühl geben, aber glücklich machen sie uns nicht! Jesus hat seinen Freunden einmal gesagt: „Was hilft es euch, wenn ihr die ganze Welt gewinnt, aber nehmt doch Schaden an Eurer Seele!“

Ich finde, wir sollten uns daran erinnern, was uns zuletzt wirklich Energie gebracht hat, oder einen guten Schlaf, oder was uns zufrieden gemacht hat. Ich wette, das waren meisten gute Kontakte und gelungene Beziehungen zu Menschen.

Vielleicht haben wir ein Missverständnis ausräumen können, das eine Freundschaft belastet hat. So etwas kann einen unendlich leicht machen und beflügeln. Etwas in Ordnung bringen, das ist großartig. Oder man befreit jemandem von seinem schlechten Gewissen. Das hat meine Schwiegermutter getan. Sie hat uns gesagt, neulich an einem Sonntag, als wir zusammen Kaffee getrunken haben: „Ich habe noch keinen Tag bereut, ins Pflegeheim gegangen zu sein“ Das hat meiner Frau und mir wirklich gutgetan – und gute Laune gemacht: Dass es Schwiegermutter gut geht, nach einem halben Jahr in neuer Umgebung.

Ein glückliches Leben kann man sich nicht kaufen. Das bedeutet nicht, dass Geld unwichtig wäre. Ich bin nicht naiv. Aber wir können viel dafür tun, dass es uns und anderen gut geht. Dazu braucht es Fantasie, Offenheit, ein gutes Wort, vielleicht ganz altmodisch einen Brief – oder man trifft sich ab und zum Reden, vielleicht auch mit einem Tee. Bleibt behütet.

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