„Glasnost und Perestroika“ - Das Wort zum Montag, Folge 128



CELLE. Glasnost und Perestroika – zwei russische Worte, die wohl jedem Erwachsenen, der eine gute Schulausbildung genossen hat – und/oder das richtige Alter hat – etwas sagen.


Glasnost und Perestroika – Offenheit und Umbau, besser: Umgestaltung – zwei Worte, benutzt, eingeordnet und gebraucht von Michail Sergejewitsch Gorbatschow – ehemaliger Staatspräsident der Sowjetunion. Diese Woche ist er im Alter von 91 Jahren verstorben.

Glasnost und Perestroika – nur zwei gewöhnliche Worte, die aber große Bedeutung bekommen haben. Selbst Honecker soll sich erschrocken haben, als der große sozialistisch-kommunistische Bruder, Vorbild und Vorreiter der eigenen politischen Ausrichtung, diese Worte als Zukunftsworte formulierte. Und er meinte nichts Anderes, als die zukünftige Art und Weise, wie die Länder im sog. Ostblock zukünftig ausgerichtet sein sollten. Für Demokratie und Menschenrechte hat Gorbatschow sich eingesetzt. Für andere.


Diese Idee hat nachhaltig zur Wiedervereinigung geführt. Und ihm den Friedensnobelpreis beschert. Verdient, möchte ich als DDR-Kind persönlich anmerken. Denn sonst hätte ich nicht all die schönen Dinge gefunden, die ich hier gefunden habe.


Wenn ich aber sehe, was weltweit geschieht, dann mach ich mir große Sorgen. Nicht nur um meine Familie. Zäune werden wieder gezogen zwischen Ost und West, an Frontlinien wird Krieg geführt, ausgelöst von einem Staat, der die Werte der Sowjetunion wieder heraufbeschwört. So scheint es. Und auch an anderen Ecken dieser Welt.


Glasnost und Perestroika – es sind zeitlose Gedanken, die weltweit wieder einen Schub brauchen. Offenheit füreinander, für Menschen, für offene Grenzen, für fruchtbare Zusammenarbeit in der Welt. Gemeinsame Umgestaltung. Denn nur gemeinsam haben wir Zukunft.


Das sind große Gedanken! Ich verstehe, dass man angesichts dieser Größe der Verantwortung sich lieber verstecken möchte.

Aber es bringt ja nichts, sich zu verstecken. Es macht ja nichts besser, die Scheuklappen hochzuziehen und das Elend und die Krisen um einen herum nicht sehen zu wollen. Denn die Zukunft dieser Welt können wir nur gemeinsam gestalten – Glasnost und Perestroika.

Auch ich spüre manchmal diesen Zweifel in meinem Herzen. Und dann hilft mir ein Satz, der im Galaterbrief steht: „Einer trage des anderen Last, so werdet Ihr das Gesetz Christi erfüllen.“

Es ist der Blick für die, die neben mir sind. Es ist der Blick für die, von denen ich weiß: Sie brauchen dringend Hilfe. Es ist dieser Blick, ein Blick, der gestärkt ist durch das Vertrauen in Gott, der mich begleitet und mir Kraft gibt – dieser Blick ist es, der mir Mut gibt zur Offenheit und zur Umgestaltung – in Frieden.

Und diesen Blick wünsche ich Euch auch. Damit wir alle den Glauben an Offenheit und Umgestaltungsmöglichkeiten nicht verlieren – und den Mut haben, Gutes zu tun in dieser Welt.


Bleibt behütet.

Euer Titus Eichler, Pastor

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