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„Zwischen Note 4 und 5 für ‚Jugend trifft Politik‘“


Podium "Jugend trifft Politik" in der CD-Kaserne Fotos: Peter Müller

CELLE. Es war der Älteste in der Runde, der die erlösenden Worte sprach: „Welche Themen wollt Ihr denn?“, wandte sich Joachim Falkenhagen (FDP) von der Bühne herunter an die rund 300 Kinder und Jugendlichen der Jahrgänge 8 bis 10.


Zu diesem Zeitpunkt neigte sich die Veranstaltung für #politische #Bildung „Jugend trifft Politik“ der #CD-#Kaserne allerdings bereits dem Ende entgegen. Fast zwei Stunden hatten die #Schüler ausgeharrt auf ihren Stühlen, ohne einbezogen worden zu sein. Eingeladen waren sie, um etwas darüber zu lernen, wie Kommunalpolitik funktioniert, welche Gremien gibt es, wie werden Beschlüsse gefasst?


Wer könnte dieses besser erklären als die Akteure, die es bei der jüngsten Kommunalwahl in die lokalen Parlamente geschafft haben. Neben Falkenhagen hatten sich Matthias Pauls (SPD), Dr. Jörg Rodenwaldt (Zukunft Celle), Kira Müller (Grüne), Jens-Christoph Brockmann (AfD), Christian Ceyp (CDU) und Reinhard Rohde (Die Linke) zur Verfügung gestellt, um zu berichten. Als Moderator vorgesehen war der Geschäftsführer der CD-Kaserne Kai Thomsen, der leider krankheitsbedingt absagen musste, der Chefredakteur der Celleschen Zeitung Ralf Leineweber sprang für ihn ein und moderierte an der Seite von Sheenara Wiebke. Die 23-Jährige absolviert eine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau im Jugend- und Veranstaltungszentrum der Stadt, das dafür bekannt ist, nah am Puls der jungen Generation zu sein - dieses allerdings bei der jüngsten Ausgabe des nach Aussagen des CD-Kasernen Teams "bewährten Formates" nicht unter Beweis stellte.


AM PUBLIKUM VORBEI


„#Jugendtrifft“ den Nerv nicht, ließe sich der Titel abwandeln für das gestrige Aufeinandertreffen von Schülern und Lokalpolitikern. Eine Stammtischatmosphäre wollten die Veranstalter erzeugen und wählten als Hintergrund ein Kneipenbild, das als Werbung für Hochprozentiges durchaus tauglich wäre. Kerstin Klein vom Fachdienst Ratsangelegenheiten und Repräsentation führte ins Thema ein, sprach lang, ohne jedoch die Worte Demokratie oder Parlament zu verwenden, Erwachsene hätten sicher mit ihrer Erklärung etwas anfangen können, für 13- bis 16-Jährige sind Begriffe wie Verwaltungsausschuss, Haushalt, freiwillige Aufgaben oder Lückenkompetenz jedoch wenig verständlich.


Schon nach Abschluss der Einführung beginnt es unruhig im Saal zu werden, die Kinder und Jugendlichen widmen sich ihren Smartphones oder tauschen sich mit den Sitznachbarn aus. Das Geschehen auf dem Podium wird zu einer Parallelveranstaltung, die ihr Zielpublikum nicht erreicht. Sheenara moderiert selbstbewusst und forsch, spricht von alten weißen Männern, dem geringen Frauenanteil in der Politik, versucht, mit Aussagen wie „warum wird man denn Lokalpolitikerin, das stelle ich mir schrecklich langweilig vor“ die Perspektive der Schüler einzunehmen. „Jörg, du hast ja mal die Partei gewechselt, wie gestaltet sich der Umgang nach einem solchen Schritt mit den Kollegen?“, fragt Leineweber. Interessant sicherlich für Erwachsene, aber Kinder und Jugendliche holen seine sachlichen Fragestellungen ebenso wenig ab wie Wiebkes jugendlich-kesse Aufforderungen, Auskunft zu geben über den Alltag von Lokalpolitikern. „Ich glaube, wir haben da eine Parallelveranstaltung im Foyer“, lautet ihre Reaktion auf die Abwanderung einiger Schüler ins Foyer nach rund einer Stunde.


JUGENDLICHE VERLASSEN DEN SAAL


Drei 15-jährige Mädchen vom Hermann-Billung-Gymnasium gehören zu denen, die sich eine kurze Auszeit genommen haben: „Wir haben die Notbremse gezogen, sind lieber rausgegangen, um die anderen nicht zu stören“, begründen sie ihren Aufenthalt in der Vorhalle. Das Vorwissen fehle, man habe noch nicht so viel über Politik gelernt, sagt eines der Mädchen. „Wir werden ja auch gar nicht angesprochen, wir können nicht nachfragen, wenn wir etwas nicht verstehen“, ergänzt ihre Freundin. Welche Note würden sie der Veranstaltung geben? „Zwischen 4 und 5“, lautet die Antwort.


Vivien, Gregor und Lea sind noch ein wenig jünger, zwischen 13 und 14, sie harren aus, sitzen in der ersten und zweiten Reihe. Sie stellen sich mit Erlaubnis ihrer Lehrer für ein kurzes Interview zur Verfügung: „Die haben eine andere Sprache“, sagt Gregor, „mir fehlten die Wünsche an uns, die sollten vielleicht mehr mit uns reden, fragen, was wir möchten.“ „Eigentlich fand ich es gut“, antwortet die 14-jährige Lea, aber es war an manchen Stellen doch sehr langweilig, sie haben so viel geredet.“ Ihre Freundin Vivien ist 13: „Mir hat das nicht so gut gefallen, die Themen gingen alle durcheinander, vieles habe ich nicht verstanden. Das Ende fand ich lustig“, kommentiert sie die Schlussphase, in der eine Ratssitzung nachgespielt werden sollte. Endlich durften die Schüler mitmachen, wenn auch nur in Form von Themenvorschlägen. Diese sind nur mehr oder weniger ernst zu nehmend. Die Luft war längst raus, die Stimmung bereits gekippt.


Das Format „Jugend trifft…“ hat sein Ziel, Schüler heranzuführen an kommunale Politik an diesem Vormittag mehr als verfehlt. Ihre Antwort auf Sheenara Wiebkes Angebot am Schluss, wer möchte, könne noch bleiben und ins Gespräch kommen mit den kommunalen Volksvertretern, fällt eindeutig aus: Umgehend und in Scharen verlassen sie die Halle 16 der CD-Kaserne und kehren zurück in ihre Schulen.



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