Wissenschaftlerin erhält Deutschen Lichtkunstpreis 2022


Prof. Dr. Ulrike Gehring, Robert Simon. Fotos: Peter Müller

CELLE. „Die Auseinandersetzung mit Lichtkunst verlangt interdisziplinäres Denken.“ Diese Haltung prägt die herausragende Forschung der Kunsthistorikerin Ulrike Gehring, in der sie Fragestellungen zu Ästhetik und Wahrnehmung mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen verknüpft. Disziplinen überschreitend angelegt ist auch ihr großes Engagement für die Vermittlung, Reflexion und Präsentation des Mediums Lichtkunst, so das Kunstmuseum Celle, wo der Preis heute verliehen wurde. Die internationale Expertin für Lichtkunst des 20. und 21. Jahrhunderts erhält dafür jetzt als erste Wissenschaftlerin den renommierten Deutschen Lichtkunstpreis der Robert Simon Kunststiftung. Der Preis wird alle zwei Jahre verliehen und ist mit 10.000 Euro dotiert. Nach Otto Piene (USA/DE), Mischa Kuball (DE), Brigitte Kowanz (AU) und Jan van Munster (NL) ist Gehring die fünfte Preisträgerin. Die Öffnung des Kunstpreises Richtung Lichtkunstforschung sei eine bewusste Entscheidung der Jury, die damit auf die Notwendigkeit einer stärkeren Vernetzung von künstlerischer Praxis, wissenschaftlicher Forschung und kuratorischer Arbeit aufmerksam machen wolle.

„Lichtkunst kann sich langfristig nur dann auf hohem Qualitätsniveau weiterentwickeln und ihr großes Potential international entfalten, wenn Kunstproduktion, Forschung und Vermittlung Hand in Hand gehen. Ulrike Gehring führt dies mit ihrer außerordentlichen Arbeit als Forscherin, aber auch als Professorin an der Universität Trier beispielhaft vor Augen“, erklärt Museumsgründer Robert Simon die Entscheidung für die Preisträgerin.

Ulrike Gehring (*1969) hat insbesondere mit ihrer Forschung zur kalifornischen Light & Space-Bewegung sowie zum ‚Licht‘ in Mark Rothkos Farbfeldern auf sich aufmerksam gemacht. Nach ihrer Promotion zur amerikanischen Lichtkunst war sie zunächst Kuratorin am ZKM Karlsruhe. 2003 erhielt sie einen Ruf als Juniorprofessorin für Gegenwartskunst und Neue Medien. Seit 2009 ist Ulrike Gehring Professorin für Kunstgeschichte der Moderne an der Universität Trier. Dort initiierte sie 2015 zusammen mit Stephan Brakensiek das Projekt »»generator | medienkunstlabor trier, eine kuratorische Plattform für Studierende des Faches Kunstgeschichte mit Fokus auf Lichtkunst. Seit 2019 ist sie Vizepräsidentin der Universität Trier.


Das Kunstmuseum Celle beherbergt eigenen Angeben zufolge eine der umfangreichsten Museumssammlungen aktueller Lichtkunst in Europa. Es wurde 1998 als erstes 24-Stunden-Kunstmuseum gegründet. Der Deutsche Lichtkunstpreis wurde heute im Rahmen eines Festaktes mit geladenen Gästen im Kunstmuseum Celle übergeben. Die Laudatio hielt der Künstler Mischa Kuball.

Weitere Informationen unter www.kunst.celle.de und https://t1p.de/qdth




LEBENSLAUF der Preisträgerin

Ulrike Gehring (*1969) studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik in Frankfurt/Main und Paris. Sie war Stipendiatin am Institut d’Histoire de l’Art et Archéologie an der Université Paris-Sorbonne (Paris IV). Es folgten Forschungsaufenthalte in Washington und New York. 2003 promovierte sie über den Funktions und Bedeutungswandel des Lichts in der amerikanischen Kunst nach 1945 in Frankfurt/ Main und Hamburg.

Von 2001–03 war sie am ZKM Karlsruhe wissenschaftliche Volontärin, ab 2003 dort Kuratorin. Sie konzipierte die Ausstellung Obsessive Malerei (2003/04) und nahm parallel zu ihrer Museumstätigkeit Lehraufträge an den Universitäten Frankfurt/Main und Heidelberg wahr.

2003 wurde Ulrike Gehring an der Universität Trier als Juniorprofessorin im Fach Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt Kunst der Moderne, Gegenwartskunst und Neue Medien berufen. 2006 etablierte sie einen weiteren, nun frühneuzeitlichen Forschungsschwerpunkt in der niederländischen Kunst des 17. Jahrhunderts. Diesen verfolgte sie auch 2008 während eines Forschungsstipendiums am German Historical Institute London. 2006 bis 2011 war Ulrike Gehring Mitherausgeberin von kritische berichte. zeitschrift für kunst- und kulturwissenschaften; seit 2009 ist sie Professorin im Fach Kunstgeschichte an der Universität Trier.

2014 realisierte sie am ZKM Karlsruhe die Ausstellung Mapping Spaces. Networks of Knowledge in 17th Century Landscape Painting. Das Projekt fand in mehreren Forschungskooperationen seine Fortsetzung, darunter TRANSMARE, einem von zwei profilbildenden Forschungsbereichen der Universität Trier, den sie zusammen mit Christoph Schäfer leitet.

2015 initiierte Ulrike Gehring mit Stephan Brakensiek die kuratorische Plattform »»generator. medienkunstlabor trier mit jährlich wechselnden Lichtkunst-Ausstellungen. Seit 2019 Ulrike Gehring ist Vizepräsidentin der Universität Trier.


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