• Extern

VHS: 200. Integrationskurs für Zuwanderer


Foto: Martina Hancke


CELLE. An der vhs Celle ist der 200. Integrationskurs für Zuwanderer gestartet und der 70. Berufssprachkurs läuft.


16 Frauen und drei Männer verfolgen aufmerksam, was Ines Exner in langsamen, deutlichen Worten auf Deutsch erklärt. Die Mehrzahl von ihnen sind junge Frauen aus der Ukraine, drei Teilnehmende stammen aus Afghanistan. Täglich sitzen sie in den Unterrichtsräumen der vhs Celle und haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen im Integrationskurs so schnell wie möglich die deutsche Sprache erlernen. Kein leichtes Unterfangen, denn einfach ist unsere Sprache nicht. Gerade die ersten Wochen sind für beide Seiten eine Herausforderung, wenn bei den Lernenden so gut wie keine Kenntnisse vorhanden sind.


„Zu Beginn haben die Ukrainerinnen oft das Handy zur Hilfe genommen, um mir Übersetzungen zu zeigen“, sagt Ines Exner, die seit neun Jahren im Bereich Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Sie hat schon die Flüchtlinge von 2014/2015 erlebt. „Die Ukrainerinnen lernen anders, sie möchten alles perfekt machen, hinterfragen alles, sind alle vorgebildet und hochmotiviert. Aber andererseits trauen sie sich dann nicht, frei zu sprechen, weil sie keine Fehler machen wollen.“ Inzwischen bleibt der Google-Übersetzer aus, stattdessen motiviert Ines Exner ihre Teilnehmenden, spontaner zu antworten.

Integrationskurse für Zugewanderte sind eine Erfolgsstory, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im Jahr 2005 initiierte. An der vhs Celle lief in diesen Wochen der 200. IK, so die Kurzform, und der 70. Berufssprachkurs an.


„Allein in diesem Jahr bieten wir aufgrund der Zuwanderung aus der Ukraine neun Integrationskurse zusätzlich zur regulären Planung an“, sagt Irina Renz, Programmbereichs-leiterin Fremdsprachen und zuständig für die Koordination der Deutschkurse. „Ohne die Unterstützung unseres langjährigen Dozententeams wäre die Aufgabe nicht zu bewältigen.“


Bei der Volkshochschule laufen alle Fäden zusammen, was in Celle den Bereich Deutsch als Fremdsprache betrifft. Als Koordinierungsstelle werden hier je nach Kapazitäten die Teilnehmenden auf die Anbieter von Deutschkursen verteilt. Das sind neben der vhs Celle die Deutsche Angestellten Akademie (DAA), die Konfides GmbH und das Celler Jugenddorf (CJD).


Ein IK bestehe aus einem Sprach- und einem Orientierungskurs. Im Sprachkurs werden wichtige Themen aus dem alltäglichen Leben behandelt, zum Beispiel Gesundheit, Arbeit und Beruf, Betreuung und Erziehung von Kindern, Wohnen und Medien. Mit der Basis aus den Sprachkursen können die Teilnehmenden an dem Orientierungskurs teilnehmen. Er dient dazu, sich in der deutschen Kultur und den Regeln der Gemeinschaft zurecht zu finden. Deutsche Rechtsordnung und Geschichte, Werte und Formen des Zusammenlebens in der Gesellschaft werden behandelt.


„Außerdem lernen die Teilnehmenden auf Deutsch Briefe und E-Mails zu schreiben, Formulare auszufüllen, zu telefonieren oder sich auf eine Arbeitsstelle zu bewerben“, so Irina Renz. „Unser Anliegen ist es, die Teilnehmenden auf die Integration in den Arbeitsmarkt und den beruflichen Alltag vorzubereiten.“


Dabei kommt der deutschen Sprache eine Schlüsselfunktion zu: Je eher Sprachkenntnisse in der neuen Heimat erworben werden, umso besser stehen die Chancen, alle Potenziale zu entfalten und über eine uneingeschränkte Teilhabe an der Gesellschaft ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Informationen zu Deutschkursen erhalten Interessierte unter (05141) 92 98 0 an der vhs Celle.


Text: Martina Hancke


91 Ansichten

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen