Lehrermangel: "Probleme haben sich verschärft"


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HANNOVER. Dem Verband Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL) nach haben sich die Herausforderungen und Probleme des zu Ende gehenden Schuljahres drastisch verschärft. „Wir sind vor einem Jahr mit einer miserablen Unterrichtsversorgung an sehr vielen Schulen gestartet und werden auch im neuen Schuljahr nicht besser dastehen, im Gegenteil. Das größte Problem ist und wird in den nächsten Jahren auch weiterhin der eklatante Lehrkräftemangel bleiben. Der dadurch vorprogrammierte Unterrichtsausfall behindert massiv den Lernfortschritt unserer Schülerinnen und Schüler ebenso wie das Aufholen der Coronadefizite. Kultusminister Grant Hendrik Tonne bemüht sich, hat aber bislang keine zündenden Ideen aufgezeigt, wie er dem Lehrkräftemangel begegnen will“, so Torsten Neumann, VNL-Landesvorsitzender.

Der VNL warnt den Kultusminister sowohl vor "weiteren Belastungen der jetzt schon überlasteten Lehrkräfte" als auch vor "Trickserei bei der Unterrichtsversorgung". Größere Klassen führen zu schlechteren Lernbedingungen und demotivierten Lehrkräften. „Unsere Lehrkräfte müssen von bürokratischen Aufgaben befreit werden, um sich ihrer eigentlichen Aufgabe, dem Unterrichten, widmen zu können. Multiprofessionelle Teams müssen die Lehrkräfte an allen Schulen unterstützen. Die Schulpsychologie und die Sozialarbeit müssen gestärkt werden, Prävention ist ebenso wichtig wie die Unterstützung bei aktuellen Problemen“, so Neumann.

Große Probleme sieht der VNL auf die Schulen zukommen, wenn ab 2026 das Recht auf Ganztag in den Grundschulen greifen wird. Es fehlen jetzt schon Lehrkräfte, in vier Jahren werden diese für die Umsetzung des Ganztagsbetriebes fehlen. „Der Ganztag wird wirkungslos bleiben, wenn nicht genügend Lehrkräfte zur Verfügung stehen werden“, warnt Neumann.

Der Einsatz von Quereinsteigern ohne grundlegende pädagogische Qualifizierung sei kein zukunftsfähiger Weg, dem Lehrkräftemangel erfolgreich zu begegnen. „Es rächt sich jetzt, dass in den vergangenen Jahren versäumt worden ist, den Lehrerberuf attraktiver zu gestalten und die Studienkapazitäten bedarfsgerecht zu erhöhen“, so Neumann.

Neumann abschließend: „Es gibt viel zu tun, abwarten können wir nicht mehr. Unsere Schulen müssen zukunftssicher aufgestellt werden. Das sind wir unseren Schülerinnen und Schülern schuldig, sie sind schließlich unsere Zukunft. Wir erwarten von Kultusminister Tonne konkrete konstruktive Maßnahmen, wie er dem Lehrkräftemangel und den damit verbundenen Unterrichtsausfall effektiv und nachhaltig begegnen will. Er muss liefern, die Zeit rennt davon!“

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